Der ehemalige Waldenbucher Forstrevierleiter Günther Schwarz hat die zweite Auflage der Broschüre zum Waldgebiet Bezenberg vorgestellt. Darin ist auch der einzige Gedenkstein des Schönbuchs mit aufgenommen. Foto: Claudia Barner

Bei den Recherchen zur zweiten Auflage ihrer Dokumentation über den Bezenberg haben die Autoren Überreste des Grünen Häusle entdeckt und die Geschichte des einzigen Gedenksteins für eine Frau zusammengetragen.

Waldenbuch - Die Kleindenkmale im Schönbuch sind oft unscheinbar und schwer zu finden. Wer sich aber genauer mit ihnen beschäftigt, kann von den Boten der Vergangenheit viel über das Leben früherer Generationen erfahren. Der ehemalige Waldenbucher Forstrevierleiter Günther Schwarz kennt die versteckten Gedenksteine, verborgenen Pirschgänge, Grabhügel und ehemaligen Jagdstände der württembergischen Herzöge.

2017 hat er ihre Geschichten mit seinem ehemaligen und mittlerweile verstorbenen Amtskollegen Eberhard Klein aus Neuenhaus in einer Broschüre über das weitläufige Waldgebiet auf dem Bezenberg zusammengetragen. Jetzt erscheint die zweite Auflage. Sie überrascht mit der Entdeckung eines alten Schießhäusles und dem einzigen Gedenkstein im Schönbuch, der einer Frau gewidmet ist.

Eine alte Schrift aus dem Jahr 1876 liefert Hinweise

Im Frühjahr 2018 hatten Günther Schwarz und Eberhard Klein im Wald zwischen Neuenhaus und der Waldenbucher Glashütte eine alte Salzlecke entdeckt, die mit Sandsteinstelen begrenzt war. „Das fiel mir sofort ins Auge, weil es untypisch ist“, erinnert sich Schwarz. Die Forstexperten legten das überwucherte Areal frei und stießen dabei auf einen Hinweis, der nur einen Rückschluss zuließ: Hier musste das Grüne Häusle gestanden haben. Ein achteckiges Schießhäusle, über dessen Existenz man bis dahin nur rätseln konnte.

„Auf einer der Stelen war die Jahreszahl 1627 zu lesen“, berichtet Günther Schwarz, der sich sofort an den Computer setzte und die Puzzleteile zusammenfügte. Dabei stieß er auf eine Schrift des Freiherrn von Wagner aus dem Jahr 1876. Auf 400 Seiten beschreibt der Autor das Jagdwesen unter den Herzögen in Württemberg. Ein Kapitel war dem Grünen Häuschen gewidmet. Die Beschreibung stimmte mit den Hinweisen auf der Kieserschen Karte von 1687 überein und der Hobby-Forscher kam zu dem Schluss: „Wir vermuten, dass diese Steine als Säulen im unteren Stockwerk des Grünen Häuschen verbaut waren.“

Günther Schwarz wollte es genau wissen. Er vermaß die Stelen und ließ das Gebäude in einer detailgetreuen Zeichnung wieder auferstehen. Diese zeigt einen achteckigen Hochsitz, der im unteren Teil mit Steinen befestigt ist. Eine Treppe führt ins Obergeschoss, das aus grün lackiertem Holz gezimmert ist und von einem spitz zulaufenden Ziegeldach behütet wird. Auch über die Funktion des Bauwerks weiß der 71-Jährige nun Bescheid: „In der Literatur wird die Gegend als einer der besten Brunftplätze für die Hirschjagd im Schönbuch beschrieben. Da die gut genährten Herzöge körperlich im Nachteil waren, ließen sie sich luxuriöse Pürschhäuschen bauen, die ihnen ermöglichten, das Wild von dort aus zu erlegen.“

Wer war Christiane Harrer?

Deutlich weniger komfortabel war wohl das Leben der Christiane Harrer. An sie erinnert 20 Gehminuten vom Wanderparkplatz am Neuenhauser Hallenbad entfernt ein grob behauener Sandstein auf dem die Initialen CH und die Jahreszahl 1889 zu lesen sind. „Wir hatten den Gedenkstein in der ersten Auflage unserer Broschüre schlichtweg vergessen“, räumt Günther Schwarz zerknirscht ein. Das sei nicht nur bedauerlich, weil es sich um den einzigen bekannten Gedenkstein im Schönbuch für eine Frau gehandelt habe. „Dieser Stein ist auch deshalb von besonderem Wert, weil er beispielhaft für das harte Leben der armen Leute zu dieser Zeit steht“, erklärt der Autor.

In der Neuauflage seiner Schrift zum Bezenberg hat Günther Schwarz die Lücke geschlossen und erinnert an die 55-jährige Witwe aus Neuenhaus, die mit dem Birnenhaken in den Wald gegangen war, um damit Buchenreisig vom Baum zu schütteln. „Die armen Leute hatten damals einen Leseschein und durften nur das Holz vom Boden auflesen“, erzählt der Forstmann. Ihr Wunsch nach einer höheren Ausbeute kostete die Witwe das Leben. Ein dicker Ast fiel ihr auf den Kopf, und als sie am nächsten Tag gefunden wurde, war sie bereits verstorben.

Die Dokumentation über den Bezenberg wird vom Naturpark Schönbuch herausgegeben. Die erste Auflage war bereits im Sommer 2018 vergriffen. Die zweite Auflage gibt es nun im Besucherzentrum des Naturparks Schönbuch im Schloss in Bebenhausen oder im Büro der Stadtkasse im Neuen Rathaus Waldenbuch. Sie enthält ein zusätzliches Kapitel über das Grüne Häusle und den Herzogjägerpfad. Außerdem wurde die Liste der Kleindenkmale ergänzt und es gibt eine neue Übersichtskarte, die von einem Geologen erarbeitet wurde. Es wird eine Schutzgebühr von fünf Euro erhoben.

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