Die Botnanger benötigen ihren Ortsbus noch für eine kleine Weile, bevor er dann endgültig nach Waldenbuch umziehen kann. Foto: z/Waldenbuch

In Waldenbuch soll ein Bürgerbus Lücken im öffentlichen Nahverkehr schließen. Doch dessen Einführung verzögert sich erneut. Die Begründung wird kritisch gesehen, die Frustration der ehrenamtlichen Fahrer steigt.

Waldenbuch - Die Einführung des Bürgerbusses in Waldenbuch bleibt ein Geduldsspiel. Ende November wollte die Stadt das gebrauchte Fahrzeug vom Bürgerverein Botnang übernehmen. Nun ist wieder Sand im Getriebe. Weil der neue Stuttgarter Sprinter bei einem Unfall beschädigt wurde und repariert werden muss, wird der Vorgänger dort noch bis Mitte Dezember benötigt. Erst dann kann der Kaufvertrag unterzeichnet werden. Die Waldenbucher Stadtmarketinggruppe, die am 8. Januar mit dem Probebetrieb beginnen wollte, muss weiter warten.

Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hat sich jetzt für den 1. März 2018 als Starttermin entschieden. Seit Herbst 2016 sitzen die ehrenamtlichen Fahrer in den Startlöchern. Sie wurden geschult. Viele haben unter Hochdruck den Personenbeförderungsschein erworben, um das Projekt möglichst schnell in Schwung zu bringen. Entsprechend gefrustet waren die Mienen der Gäste im Zuschauerraum des Ratssaals, als die Entscheidung fiel.

Qualität braucht Zeit, sagt der Bürgermeister

Benedikt Mast hatte zuvor als Sprecher der Gruppe noch einmal darauf hingewiesen, dass man kein Problem mit einem Start des Probebetriebs im Winter habe. „Sicher gibt es auf unseren Touren Gefällstrecken, die bei Eis und Schnee Probleme machen könnten. Das stört uns nicht. Der Testlauf würde Erfahrungswerte dazu liefern, wie der Betrieb in der kalten Jahreszeit klappt“, argumentierte er.

Das Ratsgremium aber blieb dabei: Um den Erfolg des Projekts nicht zu gefährden, will man lieber etwas Tempo rausnehmen. „Qualität braucht Zeit. Wir wollen die Gruppe nicht verärgern, aber man muss der Realität ins Auge sehen“, sagte der Waldenbucher Bürgermeister Michael Lutz. Der Termin im März gebe der Stadt die Möglichkeit, das Gesamtpaket nachzubessern. „Wir übernehmen im Probebetrieb die Rechtsträgerschaft und haben uns dafür entschieden, direkt mit einer Konzession an den Start zu gehen“, erklärte der Schultes. Da die zuständige Mitarbeiterin im Landratsamt derzeit nicht zur Verfügung stehe, müsse auch dafür ein zeitlicher Puffer eingeplant werden.

Wenn es keine weiteren Verzögerungen gibt, rollt der Waldenbucher Bürgerbus vom 1. März bis zum 1. September 2018 im Probebetrieb durch die Schönbuchstadt. Die Fahrt kostet einen Euro und soll gezielt die Lücken im öffentlichen Personennahverkehr füllen. Danach wird Bilanz gezogen. Nehmen die Bürger das Angebot an, muss ein Verein gegründet werden, der die Trägerschaft übernimmt.

Projektinitiatoren bemängeln falsche Erwartungen

Noch ist unklar, wie viele Passagiere zusteigen müssen, damit der Bürgerbus zur festen Einrichtung wird. „Wir halten eine Zielgröße von 100 Fahrgästen pro Woche gemessen im sechsten Monat des Testbetriebs für sinnvoll“, erklärte Benedikt Mast. Der Bürgermeister will die Latte höher legen. „Da müsste wesentlich mehr rauskommen. Wenn der Bus immer leer unterwegs ist, hat das in der Öffentlichkeit eine negative Wirkung“, sagte Michael Lutz.

Bei den Initiatoren des Projekts stieß er damit auf wenig Verständnis. Da im Bus nur Platz für acht Personen sei, dürfe man keine deutlich höheren Werte erwarten, gab Benedikt Mast zu bedenken. Außerdem sei es sinnvoll, den Ball auch im Hinblick auf die Konzession flach zu halten. „Wir haben dann nämlich eine Beförderungspflicht und bekommen Probleme, wenn Leute an der Haltestelle stehen bleiben, weil das Fahrzeug voll ist“, erklärte er.

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