Gefälltes Holz sollte derzeit unbedingt sofort aus dem Wald gekarrt werden – damit der Borkenkäfer es nicht befällt. Foto: Stoppel/Archiv

Die Lage im Wald speziell im Remstal und in der Backnanger Bucht sei wegen der Hitze und der Trockenheit sehr kritisch, sagt der Leiter des Kreisforstamts, Martin Röhrs. Der Borkenkäfer freut sich, die Brandgefahr steigt.

Backnang - Martin Röhrs spricht von einer „ganz schwierigen Situation im Wald“. Der Leiter des Kreisforstamts in Backnang macht sich alljährlich spätestens im Frühsommer unbeliebt, wenn er sagt, er wünsche sich Regen, Regen, Regen. In diesem Jahr sei die Lage noch problematischer als sonst. Schon der Winter sei viel zu trocken gewesen. Und jetzt auch noch diese Affenhitze.

Im Boden sei kaum mehr Wasser, auf das die Wurzeln der Bäume zugreifen könnten, und von oben fällt auch keins. Die Bäume seien in einer Stresssituation und deshalb besonders anfällig, gefundene Fressen für Borkenkäfer und Co. Ganz besonders kritisch sei die Lage im waldreichen Rems-Murr-Kreis, denn in der Backnanger Bucht sowie im Remstal seien die Temperaturen derzeit noch höher als andernorts im Land.

„Brauchen drei Wochen Dauerregen“

Was also tun außer hoffen und beten? Der Staatswald sei weitgehend aufgeräumt, erklärt der Fortswissenschaftler, sprich, das geschlagene Holz sei längst abtransportiert worden und biete dem Borkenkäfer und anderen Insekten keine Nahrung mehr. Die geschwächten Bäume im Wald, in erster Linie Buchen und Fichten, seinen zurzeit leider leichte Opfer. Der Käferbefall im Forst sei riesig. Und die Wettervorhersage für die kommenden Tage, die alle Sonnenanbeter jubeln lässt, sorgt für weitere Sorgenfalten beim Forstdirektors.

Mindestens bis Anfang kommender Woche soll es hochsommerlich warm bleiben und nicht viel regnen. Röhrs hofft, dass seine Wetter-App, die spätestens für Mitte nächster Woche Niederschläge verspricht, Recht behält. Aber selbst wenn es ein paar Tage lang hin und wieder regnen sollte – „das wäre kaum mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.“ Martin Röhrs sagt, der Wald benötige drei Wochen Dauerregen, mindestens drei Wochen.

Fellbach schließt Grillstellen

Zudem wächst von Tag zu Tag ohne ergiebigen Regen die Waldbrandgefahr. In der Nähe des Riesbergturms bei Murrhardt war Mitte Juni ein Waldstück in Brand geraten. Augenzeugen hatten das Feuer gemeldet. Ein Polizeihubschrauber war zum Einsatz gekommen, um die Rettungskräfte zur Brandstelle nahe der Landesstraße zwischen dem Wanderparkplatz Riesberg und dem nahegelegenen Aussichtsturm zu lotste. Betroffen war ein Waldstück mit jüngeren Fichten von etwa 2500 Quadratmetern Fläche (wir berichteten). Die Polizei vermutet Brandstiftung als Ursache – ob fahrlässige oder vorsätzliche, ist nicht klar. Im Jahr 2015 hatte es eine Serie von Brandstiftungen gegeben, die im vergangenen Jahr jedoch abgerissen war.

Bis dato gilt im Wald noch kein absolutes Grillverbot. Doch in Fellbach zum Beispiel hat die Stadtverwaltung jetzt verfügt, dass mehrere Grillstellen bis auf weiteres geschlossen werden.

Rauchen im Wald ist verboten

Wald
Gut 40 Prozent der Fläche des Rems-Murr-Kreises ist bewaldet. Der Forst, speziell im Norden des Landkreises, ist nicht nur Erholungsraum, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Holzverkauf bringt jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag.

Käfer
Zu den gefährlichsten Borkenkäfern gehören unter anderem der Buchdrucker und der Kupferstecher. Borkenkäferarten sind sogenannte sekundäre Schädlinge, sie finden nur in kränkelnden, geschwächten Bäumen günstige Entwicklungsbedingungen.

Feuer
Rauchen im Wald ist von Anfang März bis Ende Oktober verboten. Im Wald sollten keinesfalls brennende Zigaretten aus dem Auto geworfen werden. Wer einen Waldbrand bemerkt, muss diesen melden (Telefon 112).

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