Wo geht es weiter für den Stuttgarter Wald: Ein Waldbeirat soll künftig mit entscheiden Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Präsenz des Stuttgarter Grüns wird in den höchsten Tönen gelobt und gleichzeitig soll doch immer was davon geopfert werden. Der Erfolg des Waldbeirats hängt stark vom gegenseitigen Respekt ab, meint Redakteur Armin Friedl.

Stuttgart - Einen Waldbeirat einzurichten, in dem Vertreter aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft gemeinsam über die Entwicklung des Stuttgarter Walds beraten sollen, ist eine feine Sache. Gerade jetzt, da der Ruf nach mehr Bürgerbeteiligung laut ist. Neu ist die Sache allerdings nicht: Es gibt schon einige solcher Einrichtungen in den verschiedensten Bereichen der Stadtpolitik, mal heißt dies Unterausschuss, mal beratender Ausschuss, mal sind es sachkundige Bürger. Aber das spricht ja nicht gegen das Installieren eines Waldbeirats.

Waldbeiräte nicht enttäuschen

Der Blick auf diese zeigt, worauf es ankommt, wenn dies ein Erfolgsmodell werden soll: Das A und O ist die Frage, ob die dort Versammelten miteinander können und sich respektieren. Denn ein Problem hat dieser Waldbeirat, haben die anderen dieser Einrichtungen: Die Bürger können hier mitwirken, sie können Vorschläge machen, sie können streiten, aber de facto entschieden wird über alles wie bisher in den Politik- und Verwaltungsgremien. Deshalb hat schon mancher kompetente sachkundige Bürger enttäuscht das Handtuch geworfen. Zwar hat er für seine Ideen viel Applaus und Beachtung bekommen, musste am Ende aber feststellen, dass in der Sache dann doch nur wieder im Sinne von Partei- oder Koalitionsräson gehandelt wurde.

Den Waldbeiräten und vor allem dem Wald selbst sollte diese Enttäuschung erspart bleiben. Die Präsenz des Stuttgarter Grüns wird in den höchsten Tönen gelobt und gleichzeitig soll doch immer was davon geopfert werden für neue Wohn- , Mobilitäts- und Gewerbeflächen. Für eine deutsche Großstadt im Jahre 2019 ist das ganz normal. Ein Waldbeirat muss dies so moderieren, dass aus diesen teils doch sehr widersprüchlichen Interessen ein Weg wird, den möglichst viele gerne gemeinsam gehen wollen.

armin.friedl@stzn.de

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