Die Gemeinderäte erfahren spannende Details über Gelbbauchunken. Foto: Käthe Rueß

Beim traditionellen Waldbegang informieren sich Gemeinderäte aus Herrenberg über Gelbbauchunken. Dabei erfahren sie auch, warum Fahrspuren den kleinen Froschlurchen das Überleben sichern.

Auf den ersten Blick sind die mit Wasser gefüllten Fahrspuren, die die Forstmaschinen bei der Holzernte hinterlassen, für viele unschön und störend. Warum diese insbesondere für das Überleben der streng geschützten Gelbbauchunke unverzichtbar sind, darüber berichtete Felix Schrell von der Universität Hohenheim beim Waldbegang des Herrenberger Gemeinderats am vergangenen Donnerstag.

 

Zuvor hatte der Doktorand, der bei seiner Dissertation zur „Entwicklung nachhaltiger Schutzkonzepte für die Gelbbauchunke in Wirtschaftswäldern“ forscht, routiniert einige Exemplare der knapp fünf Zentimeter großen Amphibienart aus einer überschwemmten Stelle am Wegesrand im Kayher Wald gefischt. Dies hat er in den vergangenen Jahren in insgesamt sechs Forstrevieren in Baden-Württemberg oft getan, um die Unterseite der Tiere zu fotografieren. Denn das dortige auffällige schwarz-gelbe Muster der kleinen Froschlurche hilft ihm bei seiner Forschungsarbeit.

Gelbbauchunken können mindestens 26 Jahre alt werden

„Die Bauchmuster sind wie ein Fingerabdruck“, erklärte Schrell. „Es bleibt lebenslang gleich. 16 400 solcher Fotos hat er bisher ausgewertet, wobei ihn ein Computerprogramm zumindest bei den erwachsenen Tieren mit voll ausgeprägter Zeichnung unterstützt. Auf diese Weise hätten sie bereits nachweisen können, dass Gelbbauchunken mindestens 26 Jahre alt werden können und in nur drei Tagen mehr als 2,5 Kilometer zurücklegen können, berichtete Professor Martin Dieterich, der sich schon seit mehr als zwei Jahrzehnten mit den Gelbbauchunken beschäftigt und als bundesweit anerkannter Experte auf diesem Gebiet gilt.

Zentrum des Verbreitungsschwerpunkts der Gelbbauchunken ist Deutschland, „vor allem Süddeutschland“, so Felix Schrell. Damit gehe eine „besondere Verantwortung für den weltweiten Erhalt“ einher. Der Hauptgrund für den Rückgang der Art sei das Fehlen geeigneter Laichgewässer, berichteten die beiden Wissenschaftler. Ihr ursprünglicher Lebensraum in den regelmäßig überfluteten Flussauen sei durch die Zähmung der Gewässer durch den Menschen zerstört. Gelbbauchunken bräuchten aber einen „von Dynamik geprägten Lebensraum“. Ältere Gewässer – bereits spätestens ab dem zweiten Jahr ihres Bestehens – seien dagegen nichts für sie. Denn dort lauerten dann Molche und Libellenlarven, die Eier und Kaulquappen fressen.

Eierpakete in mehreren Pfützen

Daher sind es die neuen Fahrspuren, die zudem durch den verdichteten Boden das Wasser vergleichsweise lange halten, die das Überleben der Unkenart sichern. Als Pionierart legen sie dort von Mai bis Juli ihre Eierpakete in mehreren Pfützen ab und sichern durch diese Form der Risikostreuung das Überleben der Art. „Die Forstwirtschaft ist das Rückgrat der Unken-Population“, sagte auch Winfried Seitz, einer der beiden Revierleiter im Herrenberger Forst.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Stefanie Knorpp sowie Axel Miske, Assistent der Forstamtsleitung Böblingen, führte er durch das rund siebenstündige Programm des Ratsgremiums. Traditionsgemäß findet der Waldbegang jedes Jahr in der Woche nach den Sommerferien statt. Da die Gäustadt mit knapp 2000 Hektar Waldfläche einer der größten kommunalen Waldbesitzer im Regierungsbezirk Stuttgart ist und zudem als einzige Kommune im Landkreis Böblingen Forstwirte ausbildet, gehen die Themen nie aus: So stand unter anderem der Waldumbau durch Naturverjüngung und Anpflanzungen und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen von Einzäunungen und neu entwickelte, plastikfreie Einzelschutzhüllen bis hin zur Rehwildbejagung auf der Tagesordnung.

Auch die Holzvermarktung ist ein Thema

Auch die Holzvermarktung war Thema. Anhand einer gefällten Buche zeigten die Forstleute, wie vielfältig die Produktpalette ist, die aus so einem Baum entstehen kann. So geht der astfreie und damit wertvollste untere Teil des Stammes in die Furnierholz- oder Massivholzmöbelproduktion. Auch Holzspielzeug oder Meterstäbe können daraus werden. Das darüberliegende Stammholz findet beispielsweise als Palettenholz oder zu Zellstoff verarbeitet in der Papierindustrie Verwendung.

Nur das Kronenholz eines solchen Baumes werde nicht stofflich verwendet, sondern zu Brennholz, betonte Stefanie Knorpp. Mit Blick auf den leer gefegten Brennholzmarkt sagte sie: „Der Ofen bleibt nicht kalt. Wir liefern Holz.“ Allerdings mit einer Einschränkung: „Wir arbeiten nachhaltig und haben nur das zur Verfügung, was der Stadtwald hergibt. An der Menge können wir nicht viel ändern.“ Auf welchem Weg der Verkauf – möglichst gerecht – erfolgen wird, steht noch nicht abschließend fest.