Nach der Rodung macht der Wald am Gorch-Fock-Weg in Sillenbuch Anfang August einen martialischen Eindruck Foto: Caroline Holowiecki

Im Wald an der Gorch-Fock-Straße in Stuttgart-Sillenbuch sind Eschen und Buchen gerodet worden. Anwohner sind empört. Was ist dran am Gerücht, dass diese Fläche bebaut werden soll.

Sillenbuch - Die Pressemeldung ist recht kurz. Zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit würden im Juli und August im Walddistrikt Armenkastenwald in Degerloch und Sillenbuch Bäume gefällt. Dazu wird im Text aus dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt Matthias Holzmann, der neue Abteilungsleiter des Bereichs Forsten, folgendermaßen zitiert: „Durch die Trockenheit der letzten beiden Jahre sind vermehrt Rotbuchen nicht mehr standsicher und stellen eine erhebliche Gefahr dar.“ Deswegen würden an Straßenrändern unsichere Bäume entnommen, Kronen eingekürzt und tote Äste entfernt.

Eine meterbreite Schneise in den Wald geschlagen

Gute drei Wochen, nachdem diese Pressemeldung herausgegeben wurde, steht eine ältere Anwohnerin an der Ecke Gorch-Fock-Straße und Hermann-Löns-Weg und ist den Tränen nah. Sie müsse erst mal sacken lassen, was heute passiert sei. Da, wo ehemals ein Trampelpfad in den Wald geführt hat, ist eine meterbreite Schneise geschlagen. Links und rechts türmen sich Äste, Stämme liegen am Boden. Mehrere Buchen und Eschen sind hier gefällt worden, und das Ergebnis wirkt auf den Laien tatsächlich martialisch. „Entsetzt und wütend“ ist eine zweite Anwohnerin bei dem Anblick. Ein Senior bleibt stehen und schaut ungläubig. Ob er auch empört sei? „Ha, natürlich! Alle“, sagt er. Obwohl noch üppig Bäume übrig sind, macht schnell ein Gerücht die Runde. Die Fläche soll überbaut werden, heißt es. Ein Whistleblower soll das bestätigt haben.

Nachdem sich mehrere Nachbarn aus dem Sillenbucher Wohngebiet im Rathaus und bei Lokalpolitikern beschwert hatten, ist Matthias Holzmann am frühen Abend gekommen, um sich die Sache persönlich anzugucken. Er betont: Die gefällten Bäume seien durch Dürre und Pilze geschädigt gewesen. „Grundsätzlich gilt, dass Bäume vorab von fachkundigem Personal beurteilt werden“, stellt er klar. Dabei sei maßgeblich, ob ein Baum eine Gefahr darstelle und entnommen werden müsse oder ob er stehen bleiben könne. Auslöser des Ganzen sei eine Meldung aus der Bevölkerung gewesen. Eine Frau habe am Vereinslokal des SV Sillenbuch beobachtet, wie ein Baum umstürzte. Danach habe man den Wald unter die Lupe genommen.

Es wurde eine große Erntemaschine eingesetzt

Während zwei Mountainbiker beim Vorbeifahren große Augen machen und der Satz „Das war mal ein Weg“ fällt, verteidigt Matthias Holzmann das Vorgehen der Firma, die die Baumfällarbeiten im Auftrag der Stadt Stuttgart ausgeführt hat. Aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen habe man eine große Erntemaschine einsetzen müssen, deswegen die Schneise. Und auch, dass Äste und Blätter, mitunter auch Baumstämme, zurückgelassen würden, sei normal, sagt er.

Dennoch verspricht er an diesem Abend den unzufriedenen Anwohnern: „Das noch liegende Geäst wird weggeräumt und gehäckselt.“ Auch Neuanpflanzungen und mögliche Baumpatenschaften bringen die Anwohner ins Spiel. Die ältere Frau ist danach versöhnt. Tags drauf berichtet sie: „Die Haufen sind gehäckselt, und die Nährstoffe bleiben im Wald.“ Sie spricht von einer guten Nachricht. Und auch diese Nachricht dürfte sie und die Nachbarn freuen: Zum Gerücht, die Fläche soll bebaut werden, nimmt die Verwaltung am Tag nach der Baumfällaktion schriftlich Stellung. „Es gibt keine Planungen, Stuttgarter Waldgebiete in Bauland umzuwandeln.“

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