Nach der Belastung durch die trockenen Jahre hat sich die Lage im Forst etwas entspannt. Das reicht aber noch nicht für eine nachhaltige Erholung, sind sich die Experten sicher.
Trockenheit, Hitze und, damit verbunden, der kränkelnde Wald – das war in den vergangenen Jahren ein großes Thema. Die häufigen und langen Trockenphasen ließen den Grundwasserpegel sinken, die Trockenheit setzte den Bäumen stark zu. Das bisher ziemlich feuchte Jahr 2024 hat die Grundwasserkammern gefüllt, aber dem Wald noch nicht nachhaltig geholfen. Zudem zeichnet sich am nicht allzu fernen Horizont eine neue Bedrohung ab.
Der Regen hat verschiedenen Bereichen der Forstwirtschaft geholfen, aber grundlegende Probleme und Gefahren bleiben: „Man muss unterscheiden“, sagt Wolfgang Mangold, Förster im Revier Böhmenkirch. Er kümmert sich um den Privat- und Kommunalwald von Lauterstein und Böhmenkirch, abgesehen von den großen Wäldern der gräflich-rechbergschen Familie – die hat eine eigene Forstverwaltung. Die Buche zum Beispiel sei nachhaltig durch langfristige Schäden betroffen. „Da sterben die Gipfelbereiche ab“, erklärt Mangold. Da sei ein feuchtes Jahr noch keine Abhilfe.
Die vergangenen trockenen Jahre haben den Buchen schwer zugesetzt
Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat kleine Wurzeln und Kapillaren der Buchen zerstört. Der Wasser und Nährstofftransport kommt zum Erliegen, erläutert Thomas Maier. Der Leiter des Forstamts im Göppinger Landratsamt bezeichnet die Buche als „Mutter aller Bäume im Landkreis“. Er kann noch nicht einschätzen, ob sich die Buchen erholen. Klar sei, „ein regenreicher Sommer ist besser als babylonische Trockenheit“. Allerdings seien an den Laubbäumen die Schäden der vergangenen Jahre deutlich sichtbar. Maier verweist auf kahle oder sich frühzeitig rotfärbende Buchen, wie sie zum Beispiel im Wald bei Bezgenriet-Schopflenberg stehen.
Der Trend zieht sich durch den Landkreis. Es sehe aber in höheren Lagen wie Böhmenkirch besser aus, weil es nicht so trocken werde, berichtet Mangold. Auch in seinem Revier stehen viele Buchen, zum Beispiel in den Steillagen im Roggental. Im Privatwald wachsen hingegen tendenziell eher Fichten.
Auf tonreichem Boden sind die Bäume von Trockenheit stärker betroffen, berichtet Maier. Das seien Braunjura- und Schwarzjuraböden. Der Ton trockne aus, ziehe sich zusammen und bilde Klumpen. Das führe zu den tiefen Rissen, die teilweise so breit werden, dass „man locker seine Geldbörse darin versenken kann“, sagt der Forstamtsleiter übers vorige Jahr. Wenn sich solche Risse auftun, zerreiße das feine Wurzelwerk. Auch Ahorn und selbst tiefwurzelnde ältere Eichen würden unter diesen Umständen absterben.
Den Eichen droht indes eine neue Gefahr. Im Kreis Ludwigsburg sei der Eichenprachtkäfer aktiv, berichtet Maier. Dessen Larven können Eichen schädigen und zum Absterben führen, weil sie Wasser- und Nährstoffbahnen der Bäume angreifen. Der Landkreis Göppingen sei bisher vom Käfer verschont geblieben, sagt Forstamtsleiter Maier, „aber Ludwigsburg ist nicht so weit weg“.
Nach wie vor wütet unter Eschen ein Pilz, der Triebe absterben lässt. Davon sind auch viele Bäume im Kreis betroffen. Laut Maier sind etwa 20 Prozent aller Laubbäume Eschen. Dabei hatten die Förster auf Eschen gesetzt, um auf den Klimawandel zu reagieren. „Die Esche ist eine trockenresistente Baumart“, sagt Mangold. Der Pilz löse eine Fehlreaktion aus, die zur Vertrocknung führe, weil die Bäume ihre Leitungen abstellen. Er hofft, dass einige Eschen resistent gegen den Pilz werden.
Feuchtigkeit und Kälte machen dem Borkenkäfer das Leben schwer
Die Fichte, ein Sorgenkind der vergangenen Jahre, steht derzeit besser da, denn 2024 war kein gutes Jahr für den Borkenkäfer. Zwar gibt es aus 2023 noch eine hohe Käferpopulation, aber Förster Maier sieht eine „leichte Entspannung“. Eine richtige Erholung sei aber noch weit entfernt. „Feuchtigkeit ist schlecht für den Käfer“, nennt Mangold die Gründe. Die Fichte könne mehr Harz produzieren, um sich zu schützen, erläutert der Leiter des Reviers Böhmenkirch. Zudem sei der Borkenkäfer bei Kälte und Nässe weniger agil: „Die Vermehrungsrate ist stark eingeschränkt.“
Die Forstwirtschaft hat einen weiteren Vorteil vom regenreichen Jahr: „Die Witterung ist gut für die Kulturen von nachwachsenden Bäumen“, stellt Maier fest.
Käfer gefährden Eichen
Schädling
Der Eichenprachtkäfer liebt Wärme, daher wird befürchtet, dass er sich im Zuge des Klimawandels weiter ausbreiten wird. Die Larven der Käfer fressen zwischen der Rinde und dem Splint von Eichen, wo die Wasser- und Nährstoffbahnen verlaufen. Betroffen sind vor allem Eichen, die schon geschwächt sind.
Buchen
Unter den Laubbäumen im Landkreis haben Buchen mit etwa 35 Prozent den größten Anteil. Dann folgen die Eschen mit etwa 20 Prozent, teilt Forstamtsleiter Thomas Maier mit. Größere Anteile haben auch Eichen, Ahorn, Linden, Kirschen und andere Obstbäume.