Nicole Escher lebt mit ihrer Familie in Waiblingen – gesund und glücklich. Dann erkrankt sie an Brustkrebs. Sechs Jahre und einige Tattoos und Piercings später ist sie eine andere.
Hätte sie die Wahl gehabt, hätte sie sich mit Sicherheit einen weniger dramatischen Grund für ihren Neustart im Leben gewünscht. Aber die Krebserkrankung ließ Nicole Escher keine Wahl – ohne Vorwarnung war die heute 50-Jährige von heute auf morgen mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert und sagt nun – mehrere Jahre später: „Ich habe den Krebs überwunden, aber es hätte sich komplett falsch angefühlt, danach einfach so weiterzumachen als wäre nichts gewesen. Ich bin nicht mehr dieselbe Person wie vor der Erkrankung.“
Und die zweifache Mutter aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) hat Beweise. Lachend schiebt sie ihre Ärmel nach oben. An beiden Unterarmen sowie an der Schulter erzählen Tätowierungen von den schweren Zeiten. „Und bei den Tattoos ist das letzte noch nicht gestochen. Da will ich noch weitermachen, denn es macht süchtig.“ Anders sehe es bei den zahlreichen Piercings an den Ohren aus. „Die sind zwar toll und es hat sich gelohnt, aber es tat an manchen Stellen schon echt weh.“ Doch auch wenn an Ohrsteckern nichts mehr dazukommt, die Typveränderung ist der Frau aus Waiblingen gelungen. „Viele fragen auch wegen meinen kurzen grauen Haare und bedauern, dass die längeren Haare weg sind. Aber mir gefällt es genau so, wie es jetzt ist. So mag ich mich, basta.“
Nicole Escher überlebt den Brustkrebs: „Ich verschiebe nichts mehr auf später“
Doch Nicole Escher hat sich nicht nur äußerlich verändert und mehr getraut: Nichts auf später schieben, es nicht immer allen recht machen wollen, sondern so leben, wie es sich richtig anfühlt – die 50-Jährige scheint ihren Weg gefunden zu haben. Während sie erzählt, strahlt sie mit der Sonne um die Wette, die an diesem späten Vormittag endlich den Kampf gegen den Nebel gewonnen hat. Ihre Lebensfreude wirkt ansteckend. Vielleicht gerade deshalb, weil sie es auch ganz anders kennt. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wie es vor ein paar Jahren aussah, als sie mit einer Diagnose konfrontiert war, die ihr den Boden unter den Füßen weggerissen hat.
Die gebürtig aus Neu-Ulm stammende Frau hatte damals in der Begegnungsstätte in Luginsland, wo sie immer noch arbeitet, als Sozialpädagogin das passende berufliche Umfeld gefunden und war happy. „Es war genau mein Ding, die Kollegin dort war toll und ich war ganz im Glück.“ Doch dann kommt gerade mal zwei Jahre später eine Vorsorgeuntersuchung, die das Leben der heute 50 -Jährigen komplett verändert. „Der Knoten in der Brust wurde zum Glück früh erkannt und hatte noch nicht gestreut, aber es war ein riesiger Schock und ich wurde sofort operiert und erhielt Bestrahlungen.“
Ihre Kinder waren 12 und 16 Jahre alt, als ihre Mama den Anruf aus der Klinik erhielt, dass sie sofort kommen müsse. Und Nicole Escher? Die zog alles tapfer durch, nicht weil sie besonders mutig war, sondern weil sie keine andere Wahl hatte. „Ich musste ja und schaffte es auch, aber psychisch war ich nicht stabil.“
Aus diesem Grund kümmert sie sich heute ganz anders um sich. Sport spielt dabei eine Rolle, ehrenamtliches Engagement und Meditation auch. Und dann noch ein Tätigkeitsfeld, das sie mit ihrem Mann betreibt und das eigentlich als reine Schnapsidee am Küchentresen seinen Anfang nahm – eine Schnapsidee, an deren Umsetzung Nicole Escher vor ihrer Erkrankung nie gedacht hätte.
Doch die Zeiten hatten sich geändert und das Ehepaar setzte seine Idee einfach mal in die Tat um und gründete einen Camperverleih, der sich längst zum florierenden Gewerbe entwickelt hat. Sie hätten sogar mal drei Vans im Verleih gehabt, doch das sei schnell zu viel geworden. „Es muss Spaß machen. Wenn es nur noch Stress ist, muss man was ändern. Bei den drei Campern waren wir nur noch am Putzen und Herrichten. Mit dem einen passt es perfekt.“ Ihr Mann Stefan sei mit Campingreisen groß geworden und auch sie selbst hätten mit ihren Kindern schon tolle Campingurlaube gemacht.
Verrückte Schnapsidee in der Küche: Nicole Escher und ihr Mann gründen einen Camperverleih
Wer bei der Familie aus Waiblingen-Neustadt seinen Camper bucht, bekommt ein Fahrzeug, das Platz für eine vierköpfige Familie bietet. Es gibt sowohl eine Camping-Küche als auch ein Bad mit Toilette und Dusche. Die sei besonders trickreich, erklärt Stefan Escher, steigt in den Van, den er – gerade begleitet von Hündin Ella – vom Winterschmutz befreien wollte, und klappt das Waschbecken zur Seite, wodurch sich die Nasszelle in eine Dusche verwandelt.
Nicole Escher hat seit ihrer Krebserkrankung noch eine ganz andere Reiseform für sich entdeckt. Sie zieht mit Fahrrad oder E-Bike los und unternimmt jedes Jahr eine Tour nur mit sich selbst. Am 12. Juni startet sie wieder mit ihrem E-Bike – dieses Jahr Richtung Nordsee. „Ich bin ja eigentlich eher der Berge-Typ, aber da werde ich natürlich auf jeden Fall auch ans und ins Meer gehen“, sagt sie und verrät gleich noch etwas: „Ich habe auch schon einen Tandem-Gleitsprung gemacht, trotz Höhenangst. Man muss Verrücktes tun im Leben.“
Auf der 800 Kilometer-Radtour muss die Waiblingerin komplett alleine zurecht kommen. „Das bietet auch Zeit zum Reflektieren und Aufarbeiten“, sagt Nicole Escher, die sich auch vorstellen könnte, durch ihre Touren Spenden für Krebskranke einzufahren. Sie engagiert sich bereits und zwar dadurch, indem sie mit einem von ihr ins Leben gerufenen Nähclub Herzkissen näht, die an Brustkrebs erkrankten Frauen Erleichterung und Trost spenden sollen. Die Verbindung zum Katharinenhospital Stuttgart, wo sie selbst behandelt wurde, ist eng. „Das Thema liegt mir am Herzen“, sagt die 50-Jährige, die auch eine Seelsorge-Fortbildung besuchen möchte. „Ich bin einfach nicht mehr dieselbe. Gespräche haben viel mehr Tiefe, das möchte ich auch weitergeben.“
Der Camperverleih von Familie Escher
Info
Auf ihrer Homepage https://www.campers2rent.de/ berichten Stefan und Nicole Escher über sich und den Camperverleih. Zudem ist es darüber möglich, mit ihnen Kontakt aufzunehmen und einen Camper zu leihen. Auf der Homepage https://www.gartenstadtgemeinde.de/ unter „Gemeindeleben“ finden Interessierte Infos zu dem Nähclub von Nicole Escher, der Herzkissen für an Krebs Erkrankte herstellt.