Der Stihl-Chef Michael Traub demonstriert den neuen Akku-Trennschleifer für Profis – samt Wasserführung gegen den Schleifstaub – und schneidet Granit. Foto: Imelda

Der Waiblinger Motorsägenhersteller, der 2023 einen Umsatzrückgang hinnehmen musste, plant derzeit keine Produktionsverlagerung in die Schweiz, hadert aber sehr mit dem Standort Deutschland.

Stihl wird weiter in Deutschland investieren. Daran lässt Stihl-Chef Michael Traub bei der Bilanzpressekonferenz keinen Zweifel. Man plane derzeit auch keine Produktionsverlagerung in die Schweiz, stellt er klar.

 

Die Aussagen von Stihl-Aufsichtsratschef Nikolas Stihl, dass die Schweiz momentan für Stihl günstiger wäre als eine Investition in Deutschland, hatten in den vergangenen Wochen nicht nur für viel Wirbel gesorgt, sondern sind auch bei der Pressekonferenz in Stuttgart ein Thema. „Wir haben einen Weckruf bekommen, wo wir ein neues Werk für die Schienenfertigung ansiedeln“, sagt Traub. Ludwigsburg wäre prädestiniert, man sei das mit Inbrunst angegangen, doch habe man das erst mal auf Eis gelegt angesichts hoher Lohn- und Energiekosten sowie des „bürokratischen Wahnsinns“ in Deutschland. Die Führungsschienen für Motorsägenketten werden bis 2030 noch in Waiblingen gefertigt, in ein bis zwei Jahren soll die Standortentscheidung fallen.

In Deutschland zu investieren, falle zunehmend schwer. „Man muss sich das leisten wollen“, sagt Traub. Die Lohnkosten pro Stunde seien in Deutschland deutlich teurer als in der Schweiz. Stihl-Personalvorstand Michael Prochaska macht Kostenvorteile der Schweiz auch an der effektiven Arbeitszeit fest: „Während die Schweizer im Schnitt 218 Tage im Jahr beziehungsweise 1662 Stunden arbeiten, sind es in Deutschland 198 Tage beziehungsweise 1288 Stunden.“

Nach drei besonders starken Wachstumsjahren während der Coronapandemie wurde Stihl 2023 von der Konjunktur- und Konsumflaute ausgebremst. Der Umsatz ging um 4,1 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro zurück. Ohne Wechselkurseffekte waren es 1,1 Prozent Umsatzrückgang. „Das ist kein Stihl-Phänomen, sondern trifft die Branche weltweit“, sagt Traub. Das Ergebnis nennt das Familienunternehmen traditionell nicht. Von „zufriedenstellend“ ist die Rede. „Es hätte besser sein können, es hätte auch schlimmer sein können angesichts der Umstände“, so der Stihl-Chef.

Jedes vierte Stihl-Produkt ist akkubetrieben

2023 machte Stihl auch der Klimawandel zu schaffen. In den USA, mit einem Umsatzanteil von rund einem Drittel der größte Einzelmarkt für Stihl, fiel witterungsbedingt „die für uns ganz wichtige Frühjahrssaison“ aus, sagt Traub. Kanada litt unter massiven Waldbränden und Überschwemmung, sodass der Nordamerika-Absatz deutlich unter Vorjahr lag.

Bei der Akku-Strategie ist der Motorsägen- und Gartengerätehersteller weiter vorangekommen. Und im Verbrennerbereich konnte das Unternehmen trotz Rückgängen Marktanteile gewinnen. Mittlerweile ist fast jedes vierte Stihl-Produkt akkubetrieben. Bis 2027 soll der Anteil von nun 24 Prozent auf mindestens 35 Prozent steigen, für 2035 strebt Stihl einen Anteil von 80 Prozent an. Ab Mitte 2024 sollen auch am Stammsitz Akku-Geräte produziert werden. „Waiblingen ist das Herzstück für Profi-Akku-Geräte“, sagt Traub. In Waiblingen schlägt ihm zufolge nach wie vor das Herz des Unternehmens, auch wenn Stihl mittlerweile 90 Prozent seines Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Bislang werden elektrisch betriebene Stihl-Produkte in Österreich, den USA und China produziert. Ab 2025 sollen sie auch im neuen Werk in Rumänien – Spatenstich war im März 2024 – hergestellt werden, was Stihl kostenmäßig entlastet.

Bis 2025 will Stihl 30 neue Akku-Produkte auf den Markt bringen und hat dabei auch zunehmend Profis im Visier. Ein leistungsstarker Akku-Trennschleifer gehört etwa dazu. Bei Dauerlast reicht der Akku derzeit für bis zu 20 Minuten. Auch bei Themen wie Ladelösungen und Vernetzung will Stihl punkten, um beispielsweise Ausfallzeiten zu verringern oder zu vermeiden.

Verhalten blickt der Stihl-Chef aufs laufende Jahr 2024. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen erhoffe man sich ein leichtes Wachstum in der zweiten Jahreshälfte. Die Zahl der Mitarbeiter ist 2023 weltweit auf 19 805 (Vorjahr: 20 552) zurückgegangen, in Deutschland blieb sie mit rund 6000 Beschäftigen stabil. Weltweit hat Stihl knapp 432 Millionen Euro investiert, davon mehr als 160 Millionen in Deutschland.

Bonus für Stihl-Mitarbeiter

Erfolgsprämie
Die rund 6000 Stihl-Mitarbeiter im Inland können sich über eine Erfolgsprämie für das Geschäftsjahr 2023 freuen. Sie beträgt 50 Prozent eines Bruttomonatsentgelts, das sind im Einstiegsbereich mindestens 1730 Euro für Vollzeitbeschäftigte. Im Jahr zuvor fiel die Prämie mit 75 Prozent (mindestens 2600 Euro) höher aus. Ausgezahlt wird sie mit dem Mai-Entgelt.

Genussrechte
Mitarbeiter können jedes Jahr auch Genussrechte in Höhe von bis zu 1350 Euro kaufen. Davon müssen sie 450 Euro selbst zahlen, die restlichen 900 Euro übernimmt Stihl. Abhängig vom Unternehmenserfolg werden die Genussrechte mit bis zu zehn Prozent jährlich verzinst. (imf)