Rainer Hähnle hat vom 1. Dezember 1977 an für die Stadt gearbeitet. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Am 1. Dezember 1977 hat Rainer Hähnle seine erste Stelle angetreten – bei der Stadt Waiblingen. Dort ist er sein ganzes Berufsleben geblieben. Nun geht der Stadtpfleger, Fußball- und Hardrock-Fan in Rente.

Waiblingen - Dieser Tage wird er es wohl abhängen und in einer Umzugskiste verstauen – das Poster der Rockband Deep Purple, das innen an seiner Bürotür hängt. Die Pokale im Regal darüber blieben hingegen an Ort und Stelle, sagt Rainer Hähnle. Der langjährige Waiblinger Kämmerer, der nun in den Ruhestand geht, hat die Auszeichnungen mit dem Team der Betriebssportgruppe Fußball der Stadtverwaltung „über Jahrzehnte hinweg mühevoll gesammelt“. Und Fatih Ozan, bislang Ortsvorsteher in Hohenacker und ebenfalls Mannschaftsmitglied, wird Anfang August nicht nur Rainer Hähnles Job übernehmen, sondern zudem für die Pokale im Regal ein Plätzchen frei halten.

Auch nach dem Ende seines Berufslebens will Hähnle mit den dann ehemaligen Kollegen Fußball spielen. „So lange die Füße mich tragen“, sagt der 65-Jährige, der seit Jugendtagen ein begeisterter Fan des 1. FC Köln ist. In der Waiblinger Stadtmannschaft war er lange Stürmer, später ist er „altersbedingt nach hinten gerutscht“.

Ein Fan des 1. FC Köln

16 Jahre war Rainer Hähnle Kämmerer der Stadt Waiblingen. An der Rems angeheuert hat der gebürtige Göppinger aber schon viel früher, direkt nach seinem Abschluss zum Diplom-Verwaltungswirt. Dass er „aufs Rathaus“ will, das hatte für ihn bereits in jungen Jahren festgestanden. „Waiblingen war die erste Bewerbung, zu der ich eingeladen worden bin“, erinnert sich Rainer Hähnle. Der Verwaltungsausschuss entschied sich dann für ihn, und so war der 1. Dezember 1977 sein erster Arbeitstag in Waiblingen, damals eine Kleinstadt, die mitten in der Sanierung ihrer Altstadt steckte.

43 Jahre hat Rainer Hähnle Waiblingen die Treue gehalten, und dabei viele Bereiche kennen gelernt. Unter anderem war er im Amt für Bau und Wirtschaftsförderung tätig, arbeitete als stellvertretender Leiter des Steueramts, als Kassenverwalter und Rechnungsprüfer und vertrat nebenbei im Jahr 2011 auch noch den erkrankten Ortsvorsteher von Neustadt. Ungefähr alle sieben Jahre wechselte sein Einsatzgebiet – bis der Kämmererjob frei wurde und der damalige Oberbürgermeister Werner Schmidt-Hieber Rainer Hähnle dazu ermunterte, sich für den Posten zu bewerben. Reizvoll war die Aufgabe für Rainer Hähnle allemal, aber auch eine Herausforderung, denn: „Als Rechnungsprüfer ist man vor allem intern tätig, als Kämmerer ist das etwas ganz anderes.“

Härtetest Finanzkrise 2009

Nach Gesprächen mit seiner Frau hat er sich dann aber entschieden, „den Hut in den Ring zu werfen“. Mit Erfolg: im Herbst 2004 wurde er einstimmig zum Stadtpfleger gewählt und sagt heute: „Ich hab’s nicht bereut.“ Und so war es für Hähnle kein großes Ding, seinen für den 30. April 2020 geplanten Ruhestand auch wegen der Corona-Pandemie um drei Monate hinauszuschieben. Was diese Krise nach sich ziehe, das müsse die Zukunft zeigen, sagt Hähnle, der die Finanzkrise 2009 durchgestanden hat. Durch diese halbierten sich beispielsweise die Gewerbesteuereinnahmen um die Hälfte, von 50 auf 25 Millionen Euro. „Das war eine harte Phase. Wir sind damals mit dem Gemeinderat in Klausur gegangen und haben teils über 100-Euro-Beträge diskutiert.“

Diskussionen über das liebe Geld, die gehören zum Alltag eines Kämmerers. Auf einen Stadtpfleger warteten viele Fettnäpfchen, zum Teil harte Gespräche und manche schlaflose Nacht, sagt Rainer Hähnle: „Man muss vieles streichen. Ein Kämmerer sollte sparsam sein. Aber eine Stadt muss auch lebenswert sein und braucht eine funktionierende Infrastruktur.“ Kompromisse sind also gefragt. Wenn ihm im Lauf der Jahre manch einer Schwarzmalerei vorgeworfen hat, wenn am Jahresende doch mehr Geld übrig blieb, als gedacht, dann hat sich Rainer Hähnle das stets zu Herzen genommen. Es komme halt immer wieder vor, dass die ursprünglich geplanten (Bau)Maßnahmen nicht allesamt in einem Jahr in die Tat umgesetzt werden könnten, dadurch gebe es dann eben auch mal Haushaltsreste.

Schuldenstand: von 34,8 auf 3,9 Millionen Euro

Momentan tilgt die Stadt ihr letztes Darlehen. Von 34,8 Millionen Euro Schulden, die der kommunale Haushalt bei Rainer Hähnles Antritt 2004 hatte, sind nur 3,7 Millionen übrig geblieben. Sein Wunsch, die Stadt während seiner Amtszeit komplett schuldenfrei zu bekommen, hat also nicht ganz geklappt, doch die Strategie, vorhandenes Geld in die Schuldentilgung zu stecken, hat sich bewährt.

Künftig will sich Rainer Hähnle, der nicht nur gerne Hardrockmusik hört, zum Beispiel von Deep Purple, Led Zeppelin oder AC/DC, sondern auch eine gigantische Plattensammlung besitzt, mehr um letztere kümmern. „Da muss ich ganz dringend für Ordnung sorgen“, sagt er. Dafür hat er nun, um mit den Worten von Deep Purple zu sprechen, „All the time in the world“.

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