Könnte neue Wählerkreise für die Stadtisten erschließen. Foto: StZN/Hilmar Pfister

Kolumnist KNITZ verneigt sich trotz eines höllischen Muskelkaters vor den Textern von Wahlplakaten.

Er muss es leider so deutlich sagen: KNITZ hat in jüngster Zeit die wirklich wichtigen Dinge des Lebens verschlafen. Weder von den Polarlichtern noch vom Eurovision Song Contest hat er etwas mitgekriegt. Er war mit Malerarbeiten und Umziehen beschäftigt – für ihn allein schon körperlich ungewohnte Tätigkeiten. Oms Nommgugga bekommt man an Stellen Muskelkater, wo man früher nicht mal Stellen hatte.

 

Um nicht ganz den Kontakt zur Welt zu verlieren, ist KNITZ zwischendrin ein paar Mal in die Redaktion geradelt. Eine angenehme Entspannungsübung, bei der er sich dank vieler Plakate am Wegesrand immerhin schon mal auf die anstehenden Wahlen einstimmen konnte. Um’s vorwegzunehmen: KNITZ hat einen Heidenrespekt vor Leuten, die solche Plakate mit Text versehen müssen, weshalb er sich trotz seines Muskelkaters vor ihnen verneigt. Er ist gottfroh, dass er damit nicht sein Geld verdienen muss.

1.) Schon erstaunlich, was Wahlreklame bewirken kann. Nie mehr wird KNITZ beispielsweise gedankenverloren durch Böblingen radeln können. Weil er immer an den wunderbaren FDP-Slogan „Böblingen neu denken“ denken muss.

Ein Spruch, dem eine Triggerwarnung nicht geschadet hätte. Denn: Denkt KNITZ an Böblingen in der Nacht, dann wird er um den Schlaf gebracht. Nicht weil Böblingen besonders hässlich oder besonders schön wäre, sondern weil er krampfhaft damit beschäftigt ist, Böblingen neu zu denken.

Mach doch was mit Zukunft und Heimat

2.) Aus manchen Plakaten, findet KNITZ, kann man den Entstehungsprozess herauslesen. Er jedenfalls stellt sich das so vor: Da haben sich ein paar CDU-Kandidatinnen und -Kandidaten gedacht: Dieses Mal sparen mir uns die Kohle für eine Agentur. Mir stellen einen Praktikanten auf Mindestlohnbasis ein. Gesagt getan – und jener bekam folgende Aufgabe: „Mach doch was mit Zukunft und Heimat. Ein bissle Sicherheit soll das Plakat auch verströmen. Und was Positives muss drinstecken, vielleicht was mit ‚gestalten‘.“ Nach zehn Minuten kam der Praktikant mit folgenden Spruch um die Ecke: „Zukunft sichern. Heimat gestalten.“ Jubel im Unionslager. Gekauft!

3.) Menschen, die es gern konkret haben, legt KNITZ die Europawahlplakate der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands ans Herz, die an Aussagekraft kaum zu überbieten sind: „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen.“ An sich nicht schön, hat aber den Vorteil, dass man es sich schenken kann, Böblingen neu zu denken.

4.) Die Aushänge der weltexklusiv in Stuttgart kandidierenden Stadtisten werden gern verunstaltet, indem Leute das erste „t“ wegstreichen. KNITZ ist sich nicht sicher, ob das der Wählergruppe schadet. Womöglich werden dadurch sogar ganz neue Wählerschichten erschlossen.

5.) Dann ist KNITZ noch aufgefallen, dass die AfD ihre Plakate nach dem Motto „Hängt sie höher“ verteilt und sie somit dem Zugriff von Gegnern entzieht. Im Grunde eine ökologische Maßnahme einer Partei, die Nachhaltigkeit nicht unbedingt auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Wie wenig KNITZ für die Politik taugt, erkennen Sie an dem einzigen Slogan, der ihm eingefallen ist: „Sie haben keine Lust, sich durch Wahlprogramme zu quälen? Dann wählen Sie KNITZ. Er tut’s auch.“