Die Stuttgarter Kandidaten Hannes Rockenbauch, Johanna Tiarks und Reiner Hofmann gaben sich zunächst optimistisch Foto: Lichtgut Christian Hass

Bei der Wahlparty der Linken in Stuttgart-Sillenbuch war schon vor dem Wahlergebnis von Hoffnung kaum etwas zu spüren – danach viel die Enttäuschung dann auch gering aus.

Stuttgart - Viel Hoffnung ist am Sonntag um 17.50 Uhr – also noch vor den ersten Hochrechnungen – im Clara-Zetkin-Haus in Stuttgart-Sillenbuch nicht zu spüren. Hier hat sich die Parteibasis der Linken zur Wahlparty versammelt. Spitzenkandidat Bernd Riexinger ergattert einen der wenigen Sitzplätze in dem überfüllten Raum und wartet mit versteinerter Miene auf die ersten Ergebnisse: „Ich habe schon etwas gehört, mir geht es nicht gut“, sagt er mutlos. Auch Hannes Rockenbauch, Stadtrat des parteifreien Bündnisses Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS), scheint das schlechte Ergebnis schon zu erahnen, gibt sich aber weiter optimistisch: „Unser Wahlkampf hat sich so oder so gelohnt. Wir konnten wichtige Diskussionen anstoßen und hatten vor allem viel Zuspruch von jungen Leuten.“

Zuspruch, der sich jedoch nicht im Wahlergebnis widerspiegelt. Johanna Tiarks, Kandidatin für den Wahlkreis Stuttgart II, umklammert ein Sträußchen Osterglocken, das sie von einer Parteikollegin für ihren Einsatz vor der Wahl geschenkt bekommen hat. Es sollte der einzige Lohn für ihre Arbeit bleiben: Mit drei Prozent kann Die Linke im Vergleich zur letzten Landestagswahl kaum Boden gutmachen. „Bitter“ nennt Rockenbauch den Rechtsruck, der durch das Land gegangen sei.

Jubel brandet im überfüllten Clara-Zetkin-Haus deshalb auch nur kurz auf, als das schlechte Abschneiden der CDU bekannt wird. Danach herrscht bedrücktes Schweigen. Eine Frau wischt sich Tränen aus dem Gesicht, zu sehr nimmt sie der Wahlerfolg der AfD mit. „Schaltet den Ton aus, weg damit“, ruft ein Parteimitglied wütend. Doch die Stimmung bessert sich schnell.

Liegt es an den aufmunternden Worten von Stuttgart-21-Gegner Hannes Rockenbauch, der in seinem Wahlkreis Stuttgart I immerhin 7,3 Prozent der Stimmen erreicht und dazu aufruft, weiter zu kämpfen? Oder trösten Gulasch- und vegane Suppe über den Kummer hinweg? Johanna Tiarks hat sich für die Fleischvariante entschieden und kann nach ein paar Löffeln schon wieder lachen. „Ich habe in gewisser Weise schon damit gerechnet“, sagt die 34-Jährige mit einem Schulterzucken, „aber schade ist es schon.“ Ihr gehe es vor allem darum, weiter für eine linke Bewegung zu sorgen.

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