Stephan Schwarz kandidiert für die AfD im Wahlkreis Waiblingen. Foto: Horst Rudel

Eigentlich hatte Stephan Schwarz seine politische Laufbahn vor gut zehn Jahren bei der PDS begonnen. Jetzt will der Schwaikheimer für die AfD in den baden-württembergischen Landtag einziehen.

Schwaikheim - Sehr alt ist das Jugendbild nicht, das der AfD-Kandidat Stephan Schwarz eingereicht hat. Es ist vor fast genau zehn Jahren entstanden und zeigt den heute 31-Jährigen an der Spielkonsole. „Heute komme ich kaum noch zum Spielen“, erzählt Schwarz. Einerseits wegen seiner Stelle als Sachbearbeiter im Jobcenter, anderseits wegen seines politischen Engagements: Schwarz ist seit 2013 im Vorstand des AfD-Kreisverbands, seit 2014 sitzt er im Regionalparlament, außerdem ist er stellvertretender Sprecher der Jungen Alternative Baden-Württemberg.

Zu jener Zeit, aus der das Foto stammt, ist der Schwaikheimer politisch aktiv geworden – wenn auch in die ganz andere Richtung: 2004 trat Schwarz in die PDS, die spätere Linkspartei, ein. „Ich bin über die Friedensbewegung dahin gekommen, für mich war das die Opposition, in der ich mich engagieren wollte“, erinnert sich Schwarz. „Ich war aber immer bei den besonders realen Realos.“ Als die Linken-Politikerin Gesine Lötzsch sich in einem Aufsatz Gedanken über „Wege zum Kommunismus“ machte und die Partei nach Schwarz’ Ansicht die DDR „hochjubelte“, trat er aus, sah sich nach einer neuen Partei um und wurde in der AfD fündig.

Anfänge bei den Linken

Stephan Schwarz vor der Spielkonsole. Foto: privat
Stephan Schwarz’ Interesse an der Politik war schon 1998 geweckt worden: Den damaligen Bundestagswahlkampf erlebte er als echten Wettstreit. „Heutzutage ist in der Politik alles irgendwie alternativlos, es wird gar nicht mehr richtig diskutiert“, meint er. „Die Unterschiede sind weggemerkelt worden.“ Das will der Schwaikheimer ändern und kandidiert für die AfD im Wahlkreis Waiblingen. Über wenig Diskussionsstoff kann die AfD derzeit nicht klagen – auch dank ihrer Bundesvorsitzenden Frauke Petry, die im Interview erklärte, der Einsatz von Waffen gegen Flüchtlinge sei als „letztes Mittel“ zulässig. Von dieser Aussage distanziert sich Schwarz: „Auf Menschen hat nicht geschossen zu werden. Punkt.“ In der AfD müsse man nicht mit den Äußerungen Ranghöherer einverstanden sein – „wir sind doch nicht die CDU“. Was die Flüchtlingspolitik angeht, gibt sich der Ex-Linke moderat: Er habe zwar Verständnis, dass viele Migranten auch aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kämen. „Als Bundesland sollte man aber mehr auf Sachleistungen statt auf Geld für Flüchtlinge setzen“, meint Schwarz. Damit sei ein „Fehlanreiz" abgeschafft.

Ansonsten werde die AfD, sollte sie als Oppositionspartei in den baden-württembergischen Landtag kommen, bei dem Thema wenig zu sagen haben. Schwarz setzt daher eher auf die Themen Soziales, Familie und Bürgerrechte. „Die Barrierefreiheit ist für mich wichtig“, betont er. Auch für mehr Bürgerentscheide zu großen Bauprojekten will Schwarz sich einsetzen.

Medien sollen die traditionelle Familie positiv darstellen

In der Familienpolitik wollen er und seine Mitstreiter das Erziehungsgeld wieder einführen, aufstocken – „und gleichzeitig die Gebühren für den Kindergarten abschaffen“, so Schwarz. So solle die Entscheidung für Familie oder Beruf nicht vom Geldbeutel abhängig gemacht werden. Ein wenig nachhelfen bei der Entscheidung wollen Schwarz und die AfD allerdings schon: „Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon Zwangsgebühren erhält, dann soll er auch das Programm zum Wohle der Gesellschaft gestalten. Und dazu gehören eben auch funktionierende Familien“, meint Schwarz. „Wenn Sie in Sendungen wie der Lindenstraße öfter mal eine funktionierende Familie bringen würden, wäre das schon sehr hilfreich.“

Einer der Vorschläge Schwarz’ für einen Treffpunkt zum Gespräch war übrigens ein afrikanisches Restaurant in Winnenden. Einen Widerspruch zu seiner politischen Haltung sieht er darin nicht: „Afrikaner sind doch Menschen wie Sie und ich.“ Im Übrigen sei das Essen dort gut – „allerdings eher die europäisch gewürzte Variante – sonst haut es einen fast vom Stuhl.“

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