Roman Bondarew ist der jüngste Direktkandidat in Baden-Württemberg. Der Schüler aus dem Rems-Murr-Kreis tritt für Die Linke an – mit klaren Forderungen zu Wohnen, Bildung und Verkehr.
Eigentlich hätte Roman Bondarew um 11.30 Uhr Unterricht. Stattdessen sitzt der 18-Jährige an einem Tisch im Karo Familienzentrum in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) und spricht über Politik. Vor ihm steht eine Flasche Wasser. Die Schulleitung hat ihn freigestellt – nicht jeden Tag bewirbt sich ein Schüler um ein Mandat im Landtag.
Bondarew ist nach offiziellen Zahlen des Landes der jüngste Direktkandidat bei der Landtagswahl in ganz Baden-Württemberg. Seit November ist er volljährig, seit vier Jahren Mitglied bei der Linken, im Kreisvorstand und Jugendgemeinderat aktiv – und jetzt bewirbt er sich im Wahlkreis Waiblingen um ein Mandat.
Roman Bondarew: Seit dem 14. Lebensjahr Mitglied der Linken
„Mitglied der Linken bin ich, seitdem ich 14 bin“, erzählt er. Eine besonders politische Familie habe er nicht, im Gegenteil. Sein Engagement sei aus Beobachtungen im Alltag entstanden: hohe Mieten, Probleme im Nahverkehr, überlastete Schulen. Hinzu komme die Zahl der Menschen, die von Armut betroffen seien.
„Auch während Corona – das war ja eine sehr schwierige Zeit für Jugendliche – hat man gemerkt, dass die Politik uns komplett vernachlässigt“, sagt er. Da habe sich für ihn irgendwann die Frage gestellt, bei wem er selbst dagegen aktiv werden kann.
Geboren wurde Bondarew in Erfurt, als er sieben Jahre alt war zog er mit seinen Eltern nach Waiblingen. Heute pendelt er täglich mit der S-Bahn zum Gustav-Stresemann-Gymnasium nach Fellbach – im April steht dort seine erste schriftliche Abiturprüfung in Gemeinschaftskunde an. Im Anschluss geht es mit den Leistungskursen Deutsch und Französisch weiter. „Ich habe Glück, dass die Klausurenphase und die sechs Wochen Hochwahlkampf sich nicht überschneiden“, sagt Bondarew und lacht.
Wohnen, Bildung und Verkehr im Fokus
Seine drei Schwerpunkte benennt er klar: Wohnen, Bildung und Verkehr. „Die Wohnungskrise ist das größte soziale Problem in Baden-Württemberg“, sagt er. Besonders für junge Menschen sei es schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Wohnen sollte ein Grundrecht sein. Ohne Wohnung geht der ganze Rest gar nicht.“
Auch im Bildungsbereich sieht er großen Handlungsbedarf. Er spricht von zu großen Klassen und Lehrermangel. „Wenn man in eine siebte Klasse kommt und ein Lehrer 30 Schüler unterrichten muss, dann kommt bei niemandem etwas an.“ Zwar laufe es an seinem eigenen Gymnasium vergleichsweise gut, doch an anderen Schulen sehe es anders aus.
Als drittes Thema nennt er die Verkehrspolitik. Er selbst pendelt täglich mit der S-Bahn – und berichtet von häufigen Verspätungen und Ausfällen. „Das ist echt schlecht“, sagt er. Er fordert einen stärkeren Ausbau von Bus und Bahn sowie langfristig einen kostenfreien Nahverkehr.
Der Nord-Ost-Ring – eine umstrittene geplante mehrspurige Verbindung zwischen dem Rems-Murr-Kreis und Ludwigsburg – sei für ihn „nicht nachhaltig, nicht zukunftsfähig“. Als Jugendgemeinderat hatte er eine Resolution gegen das Projekt mitgetragen. Dass diese damals nicht im Amtsblatt veröffentlicht wurde, bezeichnete er als problematisch – das sorgte 2024 für Streit mit dem Waiblinger Oberbürgermeister Sebastian Wolf (CDU).
Wehrpflicht, Social Media und Hagel-Debatte
Gleichaltrigen rät er, informiert zu bleiben und sich nicht ausschließlich auf soziale Medien zu verlassen: „Up to date bleiben und auch mit unabhängigen Quellen arbeiten“, empfiehlt er. Wer sich darüber hinaus engagieren wolle, müsse nicht zwingend in eine Partei eintreten. Auch Initiativen oder lokale Projekte böten Möglichkeiten, aktiv zu werden.
In aktuellen Debatten wird der 18-Jährige deutlich. Eine mögliche Wehrpflicht hält er für ungerecht gegenüber jungen Menschen. „Jetzt wird man zur Bundeswehr geschickt, aber Schulen werden nicht besser ausgestattet“, kritisiert er. Auch in der aktuellen Debatte um ein altes Video von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel bezieht er klar Stellung. Er bezeichnet ihn als „ungeeignet“ für das Amt des Ministerpräsidenten.
Landtagswahl am 8. März: Zieht Roman Bondarew in den Landtag ein?
Ob Roman Bondarew tatsächlich in den Landtag einzieht, ist offen – er kandidiert nicht über die Landesliste. Doch unabhängig vom Wahlausgang steht für ihn fest, dass er sich auch weiterhin politisch engagieren wird. Parallel bewirbt er sich für ein duales Studium im Bereich Public Management in Ludwigsburg und Erfurt.
Warum sollten Wähler ihm ihre Stimme geben? Er überlegt kurz. „Ich möchte mich für ein gerechteres Baden-Württemberg einsetzen“, sagt er dann. Das Land müsse bezahlbarer werden – bei den Mieten, in der Bildung, im Verkehr. „Baden-Württemberg ist zu teuer, Baden-Württemberg ist zu ungerecht.“ Zugleich wolle er der jungen Generation eine aktive Stimme geben, weil sie aus seiner Sicht zu oft übergangen werde. Ob er die Möglichkeit dazu bekommt, entscheiden die Wähler am 8. März.