Im Wahlkreis Waiblingen gibt es rund 220 000 Wahlberechtigte, 2013 lag die Wahlbeteiligung bei 77,3 Prozent. Foto: Gottfried Stoppel

Die CDU dürfte bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Waiblingen mit Joachim Pfeiffer das Rennen um das Direktmandat machen. Auch der AfD-Kandidat Jürgen Braun hat gute Chancen den Sprung in den Bundestag zu schaffen.

Waiblingen - Die Zeiten sind vorbei, als der Wahlkreis Waiblingen relativ regelmäßig mit drei Parlamentariern im Deutschen Bundestag vertreten gewesen ist. Als Paul Laufs und der Solarpapst Hermann Scheer für CDU und SPD quasi als Stammparlamentarier gesetzt waren. Als die FDP im liberalen Stammland mit Ursula Sailer-Albring und später Hartfried Wolff ihre Remstalvertreter so auf den Listen platzierten, dass auch die kaum am Mandat vorbei schrammen konnten.

Dass neben dem Wahlkreis-Platzhirsch Joachim Pfeiffer, der einmal mehr das Direktmandat erobern dürfte, zumindest noch ein zweiter Vertreter aus dem Wahlkreis 264 im Berliner Parlament vertreten sein wird, ist aber bei der Bundestagswahl am 24. September trotzdem höchst wahrscheinlich. Denn Jürgen Braun, der Kandidat der AfD steht auf deren Landesliste auf Platz sechs. Dieser Platz dürfte mit ziemlicher Sicherheit schon dann für den Einzug in den Bundestag reichen, wenn seine Partei auf insgesamt zwischen sechs und acht Prozent kommen sollte.

Absturz von 21 auf 7,8 Prozent

Der Absturz der Liberalen von knapp 21 Prozent der Zweitstimmen auf nur noch 7,8 Prozent war im Wahlkreis Waiblingen bei der Bundestagswahl vor vier Jahren der größte Paukenschlag. Trotz Absicherung auf Landeslistenplatz drei seiner Partei, verlor Hartfried Wolff nach drei Amtsperioden sein Mandat in Berlin, weil die FDP insgesamt an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und den Einzug in den Bundestag nicht schaffte.

Zu alter Größe dürfte die Partei, die im Wahlkreis bei den ersten beiden Wahlen 1949 und 1953 das Direktmandat ergatterte und bis zu 40 Prozent der Zweitstimmen verbuchte, auch in diesem Jahr kaum zurückfinden. Und von Zeiten, als Manfred Wende 1972 für die Sozialdemokraten das Direktmandat eroberte, kann auch die SPD nur träumen. Sei 1976 ist der Wahlkreis Waiblingen durchgehend in Händen der CDU, auch wenn 1998 die SPD mit 35,7 Prozent der Zweitstimmen hauchdünn vor der CDU (35,6) lag.

Acht Kandidaten treten an

Joachim Pfeiffer strebt bei dieser Wahl seine fünfte Amtsperiode an. Der frühere Stuttgarter Wirtschaftsförderer ist wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag, dem er seit 2002 angehört. Außerdem hat der 50-Jährige diverse lokale Ämter inne, zum Beispiel als CDU-Fraktionschef im Regionalparlament oder als Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Rems-Murr. Im ersten Anlauf 2002 sicherte er sich das Direktmandat im Wahlkreis auf Anhieb mit 42,8 Prozent, knapp vor SPD-Sonnenkönig Hermann Scheer (39,0). Bei der Wahl 2013 kam Pfeiffer auf 51,4 Prozent der Erststimmen.

Jürgen Braun tritt im Wahlkreis 264 für die AfD an und wurde auf den aussichtsreichen Platz sechs der Landesliste seiner Partei gewählt. Der selbstständige Kommunikationsberater ist seit April diesen Jahres der Kreisvorsitzende der AfD-Rems-Murr.

Andrea Sieber ist zum zweiten Mal Kandidatin der Grünen. Die Erzieherin und Fachwirtin für Kindertagesstätten rangiert auf Platz 17 der grünen Landesliste und hat damit allenfalls Außenseiterchancen. 2013 ergatterten die Grünen in Baden-Württemberg nur zehn Bundestagssitze.

Sybille Mack geht für die SPD ins Rennen. Die 52-jährige Fellbacher Gemeinderätin steht nicht auf einem der 25 Listenplätze, die eventuell Aussicht auf einen Sitz in Berlin versprechen. Die SPD war bei der Wahl 2013 im Kreis nur ganz knapp über der 20-Prozent-Marke geblieben.

Lisa Walter ist die neue Kandidatin für die FDP, die im Wahlkreis durchaus schon bessere Zeiten gesehen hat. Den historischen Tiefststand der Liberalen von 7,8 Prozent (3,8 Prozent Erststimmen) 2013 wird die 29-Jährige wohl nach oben drücken können, aber Platz 18 auf der Landesliste wird nicht für ein Mandat reichen.

Reinhard Neudorfer ist ein alter Kämpe bei allerlei Wahlen. Der 70-jährige ist für Die Linke unter anderem schon bei der Bundestagswahl 2002 angetreten. Auf der Landesliste ist er nicht vertreten, es gehe ihm vor allem um ein gutes Zweitstimmenergebnis für seine Partei, sagt er.

Als Einzelkandidaten werden auf den Wahlzettel bei der Wahl am 24. September noch zwei weitere Bewerber stehen. Für die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) kämpft der Waiblinger Uwe Olschenka um Erststimmen, für die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland (MLPD) Dieter Böttcher, ebenfalls aus Waiblingen. Der Kreiswahlausschuss hat die eingereichten Kandidaten-Vorschläge am Freitag geprüft und alle zugelassen. Eine Voraussetzung ist, dass mindestens 200 Unterstützungsunterschriften vorgelegt werden können oder die Partei des Bewerbers mit mindestens fünf Mandaten im Bundestag oder in einem Landesparlament vertreten ist.

Der Wahlkreis 264 Waiblingen

Geschichte
Von 1949 bis 1972 entsprach der Bundestagswahlkreis Waiblingen dem damaligen Landkreis Waiblingen. Von 1976 an umfasste er den Süden des Rems-Murr-Kreises mit zunächst 17 Gemeinden. Beim Neuzuschnitt für die Wahl 2002 kam zusätzlich das vormals zum Wahlkreis Backnang/Schwäbisch-Hall gehörende Alfdorf mit dazu.

Statistik
Wahlberechtigt sind im Wahlkreis 264 im September rund 222 000 Bürger. Die genaue Zahl steht erst direkt am Wahltag fest. Vor vier Jahren waren es derer 221 739. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 77,3 Prozent.

Direktmandat
Das erste Waiblinger Direktmandat für den Bundestag holte 1949 Karl Georg Pfleiderer (FDP). Bei der Wahl vor vier Jahren erreichte Joachim Pfeiffer (CDU) 51,4 Prozent der Erststimmen und sicherte sich das Mandat vor Alexander Bauer (SPD, 23,0) und Andrea Sieber (Grüne, 10,5).

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