Der Widerstand gegen eine Erstaufnahme auf dem Schanzacker bei Tamm und Asperg ist groß – wie positionieren sich die Landtagskandidaten? Foto: Werner Kuhnle

Die geplante Erstaufnahme am Hohenasperg bewegt im Wahlkreis Ludwigsburg viele Menschen. Welche Antworten geben die Politiker kurz vor der Landtagswahl am 8. März?

Heiß her ging es in den vergangenen Jahren beim Thema Migration – der Wahlkreis Ludwigsburg hat mit der Erstunterbringung in Kornwestheim und der geplanten Großeinrichtung am Schanzacker zwei ganz konkrete Projekte, bei denen es um die Unterbringung von geflüchteten Menschen geht. Wie denken die Kandidaten der Landtagswahl am 8. März 2026 über die Migrationspolitik der Landesregierung? Welche Ansätze sehen sie für das Lösen der damit verbundenen Probleme?

 

Silke Gericke von den Grünen gibt Note 3: „Überschaubare Größe und klare Abläufe“

Die Grünen-Kandidatin bewertet die Arbeit des vom bisherigen Koalitionspartner CDU geführten Justizministeriums mit „befriedigend“. In Kornwestheim sieht sie ein gelungenes Best-Practice-Beispiel: Die Einrichtung sei zügig realisiert worden, funktioniere stabil und beeinträchtige das Umfeld nicht. Überschaubare Größe und klare Abläufe hätten sich bewährt.

Kritisch äußert sich Gericke hingegen zum geplanten Standort am Schanzacker beim Hohenasperg. Unklare Zeitpläne, fehlende Angaben zu Größe und Funktion belasteten die Kommunen Ludwigsburg, Asperg und Tamm – das Verfahren schwebe, sei mit Unsicherheiten für die Menschen vor Ort verbunden und auch kommunikativ misslungen.

Gericke fordert landesweit kleinere Einrichtungen mit 500 bis 600 Plätzen, möglichst in Bestandsgebäuden. Kommunen müssten frühzeitig eingebunden werden. Zudem sollten Menschen nach positivem Bescheid rasch in Anschlussunterbringung und Integration wechseln.

Lukas Tietze von der CDU vergibt keine Schulnote: „Erstaufnahme nur bei realistischer Bleibeperspektive“

Tietze verweist auf sinkende Asylzahlen durch strengere Grenzkontrollen und konsequentere Abschiebungen. Humanität setze Ordnung voraus – nur so entstehe Akzeptanz in der Bevölkerung. Die CDU-geführte Bundesregierung habe umgesetzt, was die Menschen erwarteten: mehr Ordnung, klare Regeln und eine wirksame Steuerung von Migration.

Im Land müsse gelten: In Erstaufnahmen sollten vor allem Personen mit realistischer Bleibeperspektive auf die Kommunen verteilt werden. So sollten Städte und Gemeinden entlastet werden. Wer kein Bleiberecht habe, müsse zügig ausreisen.

Den Standort Schanzacker lehnt Tietze entschieden ab. Die Fläche sei ökologisch sensibel und infrastrukturell nicht geeignet, zudem angesichts sinkender Zugangszahlen nicht notwendig. Falls Bedarf bestehe, solle auf Bestandsimmobilien gesetzt werden.

Die Kandidaten für den Wahlkreis Ludwigsburg, oben von links: Silke Gericke (Grüne), Lukas Tietze (CDU) und Nathalie Ziwey (SPD) sowie unten von links: Christoforos Tsouloupolus (AfD), Nadja Schmidt (Linke) und Wolfgang Vogt (FDP). Foto: privat

Nathalie Ziwey von der SPD gibt die Note 3,5: „Integration braucht dauerhafte Programme“

Die SPD-Kandidatin Nathalie Ziwey spricht von einer komplexen Aufgabe, Geflüchtete zu verteilen. So zu tun, als gäbe es einfache Lösungen, wäre populistisch. Große zentrale Einrichtungen stießen an soziale Grenzen. Kleinere, dezentrale Einheiten verbesserten Integration und Nachbarschaftskontakt.

Integrations- und Beratungsangebote dürften nicht nur projektbezogen finanziert werden. Dauerhafte Programme seien nötig, um Kommunen verlässliche Mittel zu geben. Ein Defizit sieht Ziwey bei der Betreuung traumatisierter Geflüchteter: zu lange Wartezeiten, zu wenige spezialisierte Angebote und fehlende Dolmetscher. Gute Unterbringung bedeute mehr als ein Dach über dem Kopf.

Nadja Schmidt von Die Linke: Note 4, „Große Einheiten erschweren Integration“

Schmidt betont, Geflüchtete suchten Schutz und sollten ihn auch erhalten. Baden-Württemberg könne Verantwortung übernehmen, auch mit Einrichtungen wie am Schanzacker. Kritisch sieht sie jedoch sehr große Einheiten mit bis zu tausend Plätzen: Diese erschwerten Integration und Akzeptanz.

Die Landesregierung habe Kommunen wie Ludwigsburg und Kornwestheim Aufgaben übertragen, ohne ausreichend für Finanzierung, Personal und langfristige Integrationskonzepte zu sorgen, so Schmidt. Neben mehr sozialem Wohnungsbau fordert sie verbindliche Standards und eine bessere Unterstützung der Städte und Gemeinden. Insgesamt bewertet sie die Migrationspolitik der vergangenen Jahre als „okay“, kritisiert jedoch die fehlende Gegenfinanzierung zu Lasten der Kommunen.

Wolfgang Vogt (FDP) mit Note 6: „Schanzacker sofort streichen“

Der FDP-Kandidat Wolfgang Vogt vergibt die Note „ungenügend“. Riesige Einrichtungen wie die geplante am Schanzacker verunsicherten Bürger unnötig. Die Fläche sei als Frischluftschneise und Naherholungsgebiet freizuhalten und als Flüchtlingsunterkunft ungeeignet, zudem fehle Infrastruktur. Einrichtungen müssten in Größe und Zahl zur Kommune passen.

Wer bleiben dürfe, solle schnell Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten, sagt Vogt. Wer kein Bleiberecht habe oder Straftaten begehe, müsse gehen. Verfahren sollten beschleunigt, sichere Herkunftsstaaten ausgeweitet und mehr Abschiebehaftplätze geschaffen werden. Migration dürfe nicht allein als Asylfrage betrachtet werden. Deutschland brauche eine gesteuerte Fachkräftezuwanderung.

Christoforos Tsoulopoulos (AfD) vergibt Note 6: „Landesregierung überfordert Kommunen“

Der AfD-Kandidat Christoforos Tsoulopoulos bewertet die Landespolitik als „ungenügend“. Kommunen wie Ludwigsburg und Kornwestheim seien durch Kosten, Integrationsprobleme und Sicherheitsfragen überlastet. Tsoulopoulos kritisiert hohe Leistungen und unzureichende Abschiebungen. Sachleistungen statt Bargeld sowie eine striktere Ausgestaltung der Bezahlkarte sollen Anreize senken.

Die AfD fordere lückenlose Grenzkontrollen, Zurückweisungen illegaler Einreisen sowie konsequente Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber. Die Aufnahme solle auf „echte Schutzbedürftige“ begrenzt werden.

Das Fazit:

Im Wahlkreis Ludwigsburg wird Migration vor allem an konkreten Standorten diskutiert. Während Kornwestheim parteiübergreifend als vergleichsweise geordnet gilt, bleibt der Schanzacker hoch umstritten. Die Spannbreite der Positionen reicht von organisatorischer Nachsteuerung bis zum grundlegenden Kurswechsel.

Serie: Die wichtigsten Themen in den Wahlkreisen

Schwerpunkte
Was treibt die Menschen in den Wahlkreisen wirklich um? Die Redaktion hat für jeden der drei Wahlkreise im Landkreis ein zentrales Thema identifiziert und die Kandidatinnen und Kandidaten dazu befragt: von der Wirtschaftskrise im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen über den Windkraftausbau im Wahlkreis Vaihingen bis zum Dauerkonflikt um die mögliche Erstaufnahmeeinrichtung Schanzacker im Wahlkreis Ludwigsburg. Ziel ist es, Unterschiede sichtbar zu machen und die Lösungsansätze der Kandidatinnen und Kandidaten zu konkretisieren.

Wahlkreis
Der Wahlkreis 12 Ludwigsburg umfasst die Kommunen Asperg, Kornwestheim, Ludwigsburg, Möglingen, Remseck und Tamm. Das Direktmandat bei der Wahl im Jahr 2021 hatte Silke Gericke von den Grünen errungen.