AfD-Landesvorsitzender Emil Sänze, AfD-Bundessprecherin Alice Weidel und AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla zusammen in der Donauhalle in Donaueschingen Foto: Bernd Weißbrod/dpa/Bernd Weißbrod

Die Wahlkampfphase startet bei der AfD ohne Maximilian Krah, den Spitzenkandidaten der Partei zur Europawahl. Wie die Partei in Donaueschingen mit den möglichen China- und Russland-Verstrickungen umgeht.

Auf einem Plakat vor den Donauhallen heißt es: „Echte Männer spionieren für China.“ Gegen die Veranstaltung der AfD am Samstagnachmittag – dem Wahlkampfauftakt zur Europawahl – haben sich einige Demonstranten in Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) eingefunden.

 

Von den Proteststimmen ist im Inneren der Halle nichts zu hören, dort gibt man sich bester Laune. AfD-Chef Tino Chrupalla geht in seiner Rede auf den nicht anwesenden Spitzenkandidaten Maximilian Krah ein und ruft seine Partei zur Geschlossenheit auf. Er dankt Krah dafür, dass er auf seinen Auftritt verzichtet hat und spricht von einem „Politthriller“. Die „gleichgeschaltete Regierungspolitik“ versuche, seine Partei „klein zu halten“. Den Vorwürfen wird in Donaueschingen nicht mit einem Versprechen zur Aufklärung begegnet, Chrupalla und Co. versuchen sich in einem Gegenangriff.

Was Krah vorgeworfen wird

Krah steht unter anderem unter Druck, weil einer seiner Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Spionage für China verhaftet wurde. Er soll außerdem immer wieder mit prochinesischen Aktivitäten und Äußerungen aufgefallen sein. Aber ein Problem hat die AfD nicht nur mit Krah. Auch gegen den Bundestagsabgeordneten Petr Bystron, der auf Platz zwei der Europaliste steht, gibt es Vorwürfe zu Russland-Verbindungen. Staatsanwaltschaften prüfen nach Medienberichten über mögliche Geldzahlungen bei beiden Politikern, ob Ermittlungen aufgenommen werden. Beide Politiker haben gegenüber der AfD-Spitze versichert, kein Geld genommen zu haben.

Wie sich Alice Weidel äußert

Parteichefin Alice Weidel erwähnt in ihrer Rede in Donaueschingen den Namen Maximilian Krah nicht und schießt vor allem gegen die Ministerinnen und Minister in der Bundesregierung. „Bei einem normalen Mittelständler würden die nicht einmal mit der Kneifzange angefasst“, sagt sie. Die Menge applaudiert – und singt zum Schluss der Veranstaltung mit der Parteiführung die Nationalhymne.

Doch die vermeintliche Geschlossenheit bekommt an der Basis offenbar auch Risse. Ein 38-Jähriger, der sich im Foyer der Halle als einfaches Parteimitglied bezeichnet, geht zu Krah auf Distanz: „Ich würde für ihn nicht meine Hand ins Feuer legen.“ Er ist einer der wenigen, die sich so äußern. Eine Frau, die ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift „Fresse-Freiheit“ trägt, spricht von „Schädigungsversuchen, die nun vor der Wahl veröffentlicht werden“.