Winfried Kretschmann (rechts) mit Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir im Mai in Schwäbisch Gmünd. Foto: dpa

Der Grünen-Regierungschef wirbt fast nur im Südwesten für seine Partei – obwohl diese Rückenwind dringend nötig hätte.

Stuttgart - Die Grünen dümpeln in Umfragen derzeit bei sieben bis acht Prozent. Grund genug, so sollte man meinen, einen ihrer erfolgreichsten Wahlkämpfer an die Front zu schicken: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Kein Grüner hat bisher mehr Stimmen für seine Partei gesammelt. Doch Kretschmann macht sich rar auf bundesweiter Wahlkampfbühne. Außer an einem Tag in Hessen und an einem halben Tag in Bayern steigt der Oberschwabe nirgendwo sonst in die Bütt.

Hängt das vielleicht mit seinem Werben für den Dieselmotor zusammen? So mancher Grüner, vor allem in den links gewirkten nördlichen Landesverbänden, hält ihn bei diesem Thema für zu nachsichtig mit den Autobossen. Und sein Lästern über den Parteitagsbeschluss, 2030 aus der Verbrennungstechnologie auszusteigen („Macht Euren Wahlkampf selbst!“) ist auch noch gut in Erinnerung. Will er deshalb nicht reden, oder will man ihn erst gar nicht hören? „Dafür hab’ ich kein Indiz, im Gegenteil: Alle wollten ihn haben“, sagt Grünen-Landeschefin Sandra Detzer. Anfragen für Wahlkampfauftritte habe es von allen Landesverbänden gegeben.

Zu Hause tritt er auf

Warum folgt Kretschmann ihnen dann nicht? Das sei eine Folge des dichten Terminkalenders, heißt es in der Regierungszentrale, er habe ja schließlich Amtsgeschäfte. Stundenlange Bahn- oder Autofahrten in die norddeutsche Tiefebene oder ins Ruhrgebiet würden sich da verbieten. Kretschmann sei doch auch im jüngsten Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen aufgetreten, heißt es in der Düsseldorfer Parteizentrale. Nein, eigentlich hätte man ihn schon gern. Aber Wahlkampf im Südwesten ist mit weniger Aufwand verbunden. Zu Hause dagegen sei ausgebucht, sagt Grünen-Chefin Detzer: „Ich bin sehr zufrieden mit seinem Engagement.“

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