Ohne SPD-Rückendeckung in den OB-Wahlkampf: SPD-Mitglied Marian Schreier. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der 29-jährige Bürgermeister aus Tengen findet keinen Rückhalt im Stuttgarter SPD-Kreisvorstand. Jetzt will er auch ohne Hilfe seiner Partei bei der OB-Wahl am 8. November 2020 antreten.

Stuttgart - Ein Gespräch zwischen dem geschäftsführenden SPD-Kreisvorstand und dem 29-jährigen Marian Schreier (SPD) zum Thema OB-Kandidatur in Stuttgart ist am Donnerstag ergebnislos verlaufen. Schreiber bezeichnete die Vorschläge der SPD-Spitze am Freitag als „nicht akzeptabel“.

Dem Bürgermeister von Tengen und gebürtigen Stuttgarter, der am 26. November seine Kandidatur öffentlich angekündigt hatte, waren nach Informationen unserer Zeitung vom Kreisvorstand mehrere Optionen angeboten worden: Rückzug von der Kandidatur oder Entscheidung durch eine Kreisdelegiertenkonferenz begleitet von einer Empfehlung des Kreisvorstands. Dies unter der Voraussetzung, dass Schreier bis dahin nicht mehr öffentlich für sich wirbt. Als dritte Option wurde Schreier das Aufrechterhalten seiner Kandidatur bis zu dem Zeitpunkt angeboten, an dem ein anderer SPD-Bewerber antritt. Gemeint ist der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Körner, dem Ambitionen auf eine OB-Kandidatur nachgesagt werden.

Schreier wendet sich an die „lieben Stuttgarterinnen und Stuttgarter“

Abgelehnt haben die SPD-Oberen dem Vernehmen nach die Bitte Schreiers, die Basis entscheiden zu lassen – nach dem Vorbild einer mitgliederoffenen Versammlung der CDU vor der OB-Wahl 2012. Schreiner hatte argumentiert, dies würde auch dem Selbstverständnis der SPD „als Vorreiterin für eine lebendige innerparteiliche Demokratie entsprechen“. Der Kreisvorsitzende Dejan Perc sagte unserer Zeitung bereits am Dienstag, beim OB-Posten handle es sich um kein Parteiamt, daher komme diese Variante nicht infrage.

Schreier, der Bedenkzeit bis Freitagmorgen um 7 Uhr hatte, lehnt seinerseits die ihm angebotenen Optionen ab, da sie Vorfestlegungen zu seinen Ungunsten enthalten würden. „Ich möchte keine der drei Optionen wählen und bitte euch daher, noch einmal zu prüfen, ob ein Mitgliederparteitag nicht doch möglich wäre“, ließ er den Kreisvorstand am Freitag wissen. ­Damit drang er nicht durch. „Von meiner ­ursprünglichen Absicht, zunächst um die Unterstützung der SPD-Stuttgart zu ­werben, muss ich daher leider Abstand ­nehmen“, erklärte er am Freitagabend in einem Brief an die „lieben Stuttgarterinnen und Stuttgarter“. Schreier betonte darin: „Ich bin angetreten, um Oberbürgermeister meiner Heimatstadt zu werden.“ Aus allen Teilen der Stadtgesellschaft hätten ihn unzählige positive Rückmeldungen erreicht. „Diese bestärken mich darin, mir eine Kandidatur jenseits der Unterstützung durch die Gremien der SPD-Stuttgart offenzuhalten.“ Für ein Verfahren unter breiter Beteiligung der SPD-Mitglieder stehe er weiter zur Verfügung, erklärte der 29-Jährige.

SPD legt Fahrplan für Kandidatenkür vor

Der SPD-Kreisvorstand teilte unterdessen den Fahrplan für die Kandidatenkür mit. Bis 20. Januar werden demnach Gespräche mit Interessenten geführt. Am 3. Februar soll eine Kreiskonferenz stattfinden. Bis dahin will der SPD-Kreisvorstand auch eine Empfehlung aussprechen. Im Falle Marian Schreiers liegt seit 1. Dezember bereits ein ablehnendes Votum des SPD-Führungsgremiums vor. Die Oberbürgermeisterwahl findet am 8. November 2020 statt. Amtsinhaber Fritz Kuhn (Grüne) will am 7. Januar erklären, ob er erneut antritt.

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