Der Auftritt in Heidenheim ist der einzige von AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel im Südwesten – wahrscheinlich. Foto: dpa/Stefan Puchner

Es ist der einzige Auftritt der Kanzlerkandidatin Alice Weidel im Südwesten. Und ein Frontalangriff gegen die CDU. Die Merz-Initiative zur Migration bringt die AfD in Wallung.

Es gibt Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Zum Beispiel die: Warum Heidenheim? Wen man auch fragt von der Bundespartei der AfD, man erntet Kopfschütteln. Wen man auch fragt vom Landesverband, es gibt ein Schulterzucken. Es ist halt einfach so, wie es ist. Die Stadt auf der Ostalb ist der einzige Ort im Südwesten, an dem die beiden Bundesvorsitzenden der Partei am Sonntag gemeinsam auftreten. Warum auch immer. Tino Chrupalla und Alice Weidel auf einer Bühne. Für die Frau, die ganz offiziell mit dem Titel Kanzlerkandidatin ins Rennen geht, ist es sogar der einzige Auftritt im Südwesten. Wahrscheinlich, so ganz genau will man das weder bei der Bundespartei noch beim Landesverband bestätigen.

 

Die Demonstranten sind kaum zu hören

Für die AfD ist Heidenheim kein schlechtes Pflaster. 600 vor Begeisterung entrückte Fans sitzen im weiträumig abgesperrten Konzerthaus der Stadt, außen sind es nach Polizeiangaben rund 4000 Gegner, die demonstrieren. Lautstark und bunt, doch das ist innen nicht zu hören. Dort, im mit Kronleuchtern behängten Saal, versuchen die Wahlkampfstrategen ein der Örtlichkeit entsprechendes Programm zu präsentieren. Zwischen den Reden gibt es Chopin und Rachmaninov. Ein eher missglückter Versuch. Die Kanzlerkandidatin muss erst einmal aufstehen und lautstark um Ruhe kämpfen, das Publikum ist eher in politischer Bierzeltlaune denn auf Klassik eingestellt.

Applaus für Trump im Video

Noch bevor es so richtig los geht, gibt es einen Videoeinspieler, in dem Donald Trump erklärt, dass er dafür sorgen will, dass die freie Rede in den USA wieder Einzug hält. Kräftiger Applaus. Etwas später wird Alice Weidel erklären, dass ihre Regierungsbeteiligung auch das Ende der Rundfunkgebühren bedeuten wird, dass es zu „echtem Wettbewerb auf dem Medienmarkt“ kommen soll. Donnernder Beifall. Was die Kollegen unter freier Rede verstehen, haben diverse Vorredner bis dahin schon kund getan.

Martin Hess, stellvertretender Landesvorsitzender, spricht mit Blick auf Aschaffenburg von „quasi im Wochentakt ausgeübten Mordanschlägen“. Landeschef Markus Frohnmaier sagt, dass sich 78 Prozent der Menschen nicht trauten, zu sagen, was sie denken. Die entsprechende Allensbach-Umfrage weist 44 Prozent aus, die angeben, „besser vorsichtig“ zu sein.

Doch das alles steht nicht im Mittelpunkt. Dort steht die CDU. Nach dem Vorstoß von Friedrich Merz zur Migrationspolitik scheint die AfD Angst bekommen zu haben, Angst davor, dass der ein oder andere Wähler den Weg weg von ihr und hin zu der Partei von CDU-Chef Merz einschlagen könnte. Aus allen Rohren wird daher auf die Parteien mit dem „C“ gefeuert. Deren Konzepte zur Asylpolitik seien „alle eins zu eins von uns übernommen“, sagt Martin Hess. Markus Frohnmaier erklärt, dass „offene Grenzen, teurer Strom und ein Übermaß an Bürokratie“ von der CDU zu verantworten seien. Tino Chrupalla setzt noch einen drauf: „Wer Friedrich Merz wählt, der wählt den Krieg.“

Trump-Parallele auch am Ende des Programms

Alice Weidel selbst gibt sich drei Tage nach ihrem 46. Geburtstag vergleichsweise ruhig in der Sprache. Verbrennerverbot aufheben, Verbot von Öl- und Gasheizungen kippen, CO2-Abgabe abschaffen, Einkommens-, Unternehmens- und Mehrwertsteuer senken – was eine Kanzlerin Weidel in den ersten Tagen anpacken möchte, das hat die mit einem vielstimmigen „Happy Birthday“ Gefeierte schon in zahlreichen Talkshows erklärt. Auch dass sie die Nord-Stream-Pipeline wieder reparieren möchte, um Gas aus Russland zu importieren und dass sie plant, Atomkraftwerke wieder anzuwerfen. Letztgenanntes wollen derzeit nicht einmal die Energieversorger, die von der Regierung zum Ausschalten gezwungen worden sind.

„Wir werden dieses Land wieder großartig machen“, ruft Weidel am Ende in den Saal. Donald Trump lässt auch am Schluss der Veranstaltung grüßen.