Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Göppingen dürfen sich die Politiker nur in einfacher Sprache äußern. Foto: Pascal Thiel

Die Politiker sollen Klartext reden – denn einfache Sprache sei vor allem im Wahlkampf wichtig, fordert ein Göppinger Bündnis.

Göppingen - Jeder soll alles verstehen können, das ist das Credo der Verfechter der leichten Sprache. Nur so können alle überall mitmachen, das sagen auch die Organisatoren einer Veranstaltung in Göppingen zur bevorstehenden Bundestagswahl. „Wahlprogramme einfach erklärt“ titelt der Abend mit den hiesigen Bundestagskandidaten, zu der die in Göppingen ansässige kirchliche Stiftung Haus Lindenhof am Donnerstag, 20. Juli ins Sparkassenforum einlädt.

Die Politiker sollen Klartext reden, den jeder versteht

„Die riesige Resonanz zeigt, dass das Thema inzwischen viele Menschen umtreibt“, beschreibt Uwe Bauer die Reaktionen von anderen sozialen Trägern, Bildungseinrichtungen und Ämtern, die zu dem besonderen Abend eingeladen worden sind. Bauer kümmert sich in der Stiftung Haus Lindenhof um die Organisationsleitung und hat zusammen mit der unter dem Stiftungsdach angesiedelten inklusiven Arbeitsgruppe „Gemeinsam eins“ und weiteren Partnern diese politische Veranstaltung ausgetüftelt. Kooperiert haben mit der Stiftung auch die Evangelische und die Katholische Erwachsenenbildung im Kreis, die Göppinger Volkshochschule, die Lebenshilfe und der Kreisseniorenrat.

Klartext sollen die Bundestagskandidaten an diesem Abend reden und echte Infos eindeutig rüber bringen, anstatt die Gäste mit Fachbegriffen, Fremdworten und Schachtelsätzen zu überfordern, das streben auch Christina Jetter-Staib von der Katholischen Erwachsenenbildung und Désirée Frati von der Stiftung Haus Lindenhof an, die im Vorbereitungsteam sitzen.

Zur Zielgruppe gehören auch Senioren und Migranten

Weil nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten die Leichte Sprache bräuchten, sondern auch Menschen, die nicht so gut lesen können, ältere Menschen und Menschen, für die Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, hätten sie die Zielgruppe im Laufe der Vorbereitungen immer größer gefasst, berichtet Jetter-Staib. Von den 6000 gedruckten Flyern seien viele auch an den Schulen verteilt worden, außerdem werde mit einer groß angelegten Plakataktion geworben.

Finanziell unterstützt werden die Initiatoren vom Bundesfamilienministerium, vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ und von der Landeszentrale für politische Bildung, die den Abend auch moderieren wird.

Die Bundestagskandidaten sollen dort bis zu fünf Minuten lang Zeit haben, um ihr Wahlprogramm in einfacher Sprache zu erläutern. Dazu eingeladen worden sind die beiden Bundestagsabgeordneten Hermann Färber (CDU) und Heike Baehrens (SPD). Mit von der Partie sind auch Dieter Burchard (Grüne), Hans-Peter Semmler (FDP), Konstantinos Katevas (Linke) und Volker Münz (AfD).

An den Thementischen können die Besucher die Politiker befragen

An zwei Thementischen mit Moderation können die Besucher den Politikern anschließend Fragen stellen und ihnen per Stoppschild signalisieren, wenn sie etwas nicht verstanden haben.

Die Gespräche an den Tischen sollen sich drehen um Arbeit und Bildung sowie Soziale Gerechtigkeit, denn „als sozialer Träger wollten wir die Diskussion entsprechend auf solche Aspekte ausrichten“, berichtet Bauer. Und Jetter-Staib liefert dazu gleich noch die Übersetzung in einfacher Sprache.

Demnach wird der Komplex Arbeit und Bildung den Teilnehmern so vorgestellt: „Die Wirtschaft brummt – trotzdem finden Menschen keine Arbeit. Und viele Berufe wird es schon bald nicht mehr geben. Was können wir tun?“ Und zu Soziale Gerechtigkeit soll es heißen: „Die einen sagen: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Die anderen sagen: Es geht uns allen immer besser. Was stimmt?“.

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