Die sozialen Netzwerke spielen in den Wahlkampfstrategien der deutschen Parteien eine immer größere Rolle. Foto: dpa

Welche Partei war im Internet-Wahlkampf besonders wirkungsvoll? Eine Studie sieht die AfD als klaren Sieger. Diese Partei löse mit ihren Beiträgen weit, weit mehr Reaktionen aus als jede andere.

Stuttgart - Es ist kein Geheimnis, dass Politiker und Parteien immer stärker auf soziale Netzwerke im Internet setzen, um ihre Botschaften dem Volk nahezubringen. So auch im gerade beendeten Bundestagswahlkampf 2017. Aber welche Themen haben sie dabei versucht zu setzen? Welche Resonanz hatten sie? Und welche Partei war besonders erfolgreich?

Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (fög) hat die Internet-Aktivitäten der deutschen Parteien auf Facebook von Anfang Juni bis zum Tag vor der Bundestagswahl am 24. September untersucht. Ihr Befund ist eindeutig: Die AfD löst mit ihren Beiträgen weit, weit mehr Reaktionen aus als jede andere Partei.

Pro Facebook-Beitrag registrierten die Züricher Forscher bei der AfD durchschnittlich knapp 4900 Aktivitäten. Gezählt wurden dabei alle Formen möglicher Reaktionen: wenn der Beitrag kommentiert, mit anderen geteilt oder auch nur mit einem „Like“ versehen wurde. Die Linke als zweitstärkste Partei kam nur auf 2900 Aktivitäten. Die anderen Parteien liegen deutlich dahinter.

Die Parteien setzen inhaltlich auf unterschiedliche Themen

Die inhaltlichen Strategien der Parteien waren allerdings sehr unterschiedlich. Die CDU thematisierte vor allem die Bereiche Wirtschaftspolitik und innere Sicherheit – und lag damit nahe der FDP, die neben diesen beiden Feldern vor allem die Bildung in den Fokus nahm. Ähnlich waren auch die Schwerpunkte bei SPD und Linken: beide posteten vor allem zu den Themen Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik und dem, was die Forscher, „kultureller Liberalismus“ nennen. Darunter verstehen sie Fragen zu Bürger- und Menschenrechten - etwa Datenschutz und Überwachung oder das Thema Ehe für alle.

Die Grünen beackerten naturgemäß stark das Thema Umwelt. Allerdings waren sie auch im Bereich innere Sicherheit sehr aktiv. Ein eindeutiges Bild ergab sich für die Züricher Forscher bei CSU und AfD. Beide Parteien kümmerten sich vor allem um „identitätspolitische Themen“ – also Politikfelder, in denen es immer auch um „Zugehörigkeit“ oder „Bedrohungen“ geht. Bei CSU wie AfD drehten sich die meisten Beiträge um Migration und innere Sicherheit.

Das Thema Migration bewegt wie kein anderes

Wenn es um das Engagement der Facebook-Nutzer geht, erreichte das Thema Migration mit einem Anteil von 27 Prozent den mit Abstand höchsten Wert. Dies ist bemerkenswert, weil sich nur 15 Prozent der Beiträge aller Parteien um dieses Thema rankte. Noch mehr Parteibeiträge, nämlich insgesamt 16 Prozent, waren der inneren Sicherheit gewidmet.

Treiber dieses Phänomens war die AfD-Facebook-Seite, die mit ihren Beiträgen zum Thema Migration durchschnittlich ein Engagement von 6160 Aktivitäten auslöste. „Die AfD ist damit die Partei, die mit ‚ihrem‘ Topthema mit Abstand am meisten Reaktionen auslösen kann“, heißt es in der Studie. Andere Parteien blieben mit ihren Topthemen weit dahinter zurück.

Soziale Netzwerke „verstärken den Rechtspopulismus“

Die Züricher Forscher waren im Auftrag der SPD-nahen Friedrich Ebert-Stiftung tätig. Sie beschränkten die Untersuchung auf Facebook, weil dieses in Deutschland das mit Abstand am meisten genutzte soziale Netzwerk im Bereich der politischen Information ist.

Nach Einschätzung des fög-Instituts verstärken die sozialen Netzwerke das Phänomen Rechtspopulismus, weil hier „vor allem zugespitzte, emotionalisierte Politik-Themen Resonanz finden und damit exakt jene Themen und jene Form der Problembewirtschaftung, die rechtspopulistischen Akteuren entsprechen“.

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