Wahlkampf im Südwesten Gemeinschaftsschulen warnen vor Eingriffen

Von Maria Wetzel 

Gehört zu den Starterschulen: Die Geschwister-Scholl-Gemeinschaftsschule in Tübingen Foto: dpa
Gehört zu den Starterschulen: Die Geschwister-Scholl-Gemeinschaftsschule in Tübingen Foto: dpa

Die Gemeinschaftsschulen befürchten, dass im Falle eines Regierungswechsel gerade das beschnitten werden könnte, was ihren Erfolg ausmacht.

Stuttgart - Annette Trube setzt auf die Gemeinschaftsschule. Ihre zwei Kinder dort würden bestens gefördert, erzählt die fünffache Mutter am Donnerstag bei einer Tagung in Tübingen. Der Sohn sei hochbegabt, die Tochter mehrfach behindert – beide profitierten von ihrem besonderen pädagogischen Konzept. Die Ankündigung der CDU, im Falle eines Wahlsiegs keine weiteren Gemeinschaftsschulen zuzulassen und deren pädagogisches Konzept zu verändern, mache jedoch vielen Eltern Sorge.

Mit ihrer Dauerkritik an den Gemeinschaftsschulen greife die Opposition die 35 000 Schüler und Tausende von engagierten Lehrern an, kritisierte Schulleiter Matthias Wagner-Uhl, Landesvorsitzender des Vereins für Gemeinschaftsschulen. „Wer die Pädagogik der Gemeinschaftsschulen abschaffen will, schafft die Gemeinschaftsschulen ab. Das käme einem Rückfall in die bildungspolitische Steinzeit gleich.“

2012 genehmigte Grün-Rot die ersten 41 Gemeinschaftsschulen im Südwesten, inzwischen sind es 271. Aus Sicht der Heidelberger Professorin Anne Sliwka sind sie eine gute Antwort auf die Anforderungen im 21. Jahrhundert. Angesichts der zunehmenden Vielfalt in den Klassen sei individuelle Förderung der Kinder unverzichtbar – dies gelte aber für alle Schularten.

Tübingen denkt über gemeinsame Oberstufe nach

Für Kultusminister Andreas Stoch (SPD) ist die individuelle Förderung ein Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit. An den Gemeinschaftsschulen können Schüler je nach Leistungsvermögen alle Abschlüsse bis zum Abitur erreichen. Eine eigene gymnasiale Oberstufe wird es aber nur dort geben, wo mindestens 60 Schüler in die Oberstufe wechseln Andernfalls können Schüler das Abitur an einem allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasium machen.

Denkbar ist auch, dass mehrere Schule eine gemeinsame Oberstufe anbieten – solche Überlegungen gibt es derzeit für die drei Gemeinschaftsschulen in Tübingen. Eine eigene Oberstufe sei wichtig für die Akzeptanz durch die Eltern, sagt Joachim Friedrichsdorf, Leiter der Geschwister-Scholl-Gemeinschaftschule in Tübingen.

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