Republikaner-Aktivistin Kimberley Krupka: „Am Ende werden die Trump-Wähler wieder da sein.“ Foto: Michael Weißenborn

Der US-Präsident steht unter Druck. Doch seine Anhänger im Schlüsselstaat Pennsylvania halten fest zu ihm. Die Republikaner dort setzen darauf, dass es die Demokraten zu weit treiben – zum Beispiel mit einem Amtsenthebungsverfahren.

Easton - Kimberley Krupka sprüht vor Energie: „Wir werden schon bald mindestens einen weiteren Richter in Verfassungsgericht unterbringen“, meint die eingefleischte Republikanerin mit Blick auf die krebskranke liberale Richterin Ruth Bader Ginsburg. „Klar, die Wirtschaft ist wichtig, aber ich bin für eine konservative, am Wortlaut ausgerichtete Interpretation unserer Verfassung“, schiebt die Anwältin mit leuchtenden Augen hinterher. „Wie Trump.“

In ärmelloser Bluse, Shorts und Sandalen hilft die Frau an diesem Wochenende als Freiwillige am Wahlkampfstand auf dem Gemeindefest in Moore Township, einer Kleinstadt im Südosten Pennsylvanias. Die Mutter dreier Kinder diskutiert mit Passanten. Das Interesse ist rege. Auf einem Flugblatt steht „Ich bin ein Republikaner weil...“ Dann folgt das unerschütterliche Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an das verfassungsmäßig verbriefte Recht Einzelner, Waffen zu besitzen und zu tragen“ sowie zur harten Strafverfolgung bei Gewaltverbrechen.

Die Präsidentschaftswahlen sind noch mehr als ein Jahr entfernt. Doch in der kleinstädtisch-ländlichen Gegend vom Northampton County haben die Republikaner den Kampf um die Wiederwahl von Präsident Donald Trump längst begonnen. Pennsylvania zählt neben Michigan und Wisconsin im Mittleren Westen und Florida zu den entscheidenden US-Staaten auf der immer kleiner werdenden Wahllandkarte Amerikas. Denn die Präsidentschaftswahl entscheidet nicht die Zahl der Wählerstimmen, sondern die Anzahl der Wahlmänner und -frauen, die ein Bundesstaat besitzt und hinter einem Kandidaten vereinigt.

Mittelklasse und alles sehr weiß

2016 hatte Trump Pennsylvania denkbar knapp erobert, vor allem mit Hilfe weißer Arbeiter, die von den Demokraten enttäuscht waren. Unter anderem in Northampton County, das zuvor zwei Mal für den dem Demokraten Barack Obama gestimmt hatte. Wenn Trump hier 2020 wieder gewinnt, kann er auf den Sieg in ganz Pennsylvania hoffen und damit auf die Wiederwahl.

Northampton County ist durch und durch Mittelklasse, Häuser und Rasenflächen wie geleckt. Und alles sehr weiß. Mit ihrem – heute ungewöhnlichen – Hang Politiker aus beiden Lagern zu wählen, blickt die Gegend auf eine besondere Geschichte. Sie war lange der Sitz von Bethlehem Steel, dem Giganten, der über Generationen hinweg den Stahl für Kriegsschiffe und Wolkenkratzer lieferte – Symbole für Amerikas Macht. Trump behauptet, dank ihm boome die Stahlindustrie wieder. In Bethlehem und Umgebung ist davon aber nichts zu sehen. Die Gegend hat den Strukturwandel trotzdem ganz gut hinbekommen – mit Leichtindustrie, Bildung und medizinischer Forschung. Die wirtschaftliche Lage ist derzeit gut.

Einige frühere Arbeiter halten dennoch zum Präsidenten. Sie finden, er tue, was in seiner Macht stehe, um den Industriesektor wieder flott zu kriegen. Und: „Weil er redet wie ein Typ in der Bar, dem aber niemand zuhört“, meint David Melenez, ein pensionierter Telefonleitungsmann im „Ham Fam“, dem Hamilton Family Restaurant, einem typisch-amerikanischen Frühstückslokal in Allentown. Doch für Trump stellt sich nicht die Frage, ob er seine treuesten Unterstützer an sich bindet. Entscheiden wird sein, ob es ihm gelingt, seine Anhängerschar noch zu vergrößern, um trotz schwacher Umfragewerte und einer energiegeladenen demokratischen Opposition noch Extra-Stimmen für seine Wiederwahl zu mobilisieren.

Aktuelle Trends zu Trumps Ungunsten

Anwältin Krupka räumt Hürden ein: „Es ist eine Herausforderung, die Leute zu mobilisieren, wenn die Lage gut ist“, beschreibt sie ihr Engagement für Trump. Sie setzt vor allem auf die Schwäche der Demokraten. Und auf die Organisation von Team Trump, das schon sich schon jetzt voll im Wahlkampfmodus befinde.

Der 45. Präsident verdankte seinen Sieg in Northampton County 2016 einer Reihe von Faktoren, die sich laut Christopher Borick, Umfrage-Experte am Muhlenberg College, zuletzt stark zu Trumps Ungunsten verändert haben. An erster Stelle: die Demografie. Während die Bevölkerung in ländlichen Gebieten schrumpft, sind in Städten und Vororten Bürger zugewandert und vermehrt zur Wahl gegangen: „Die Mobilisierung jüngerer Wähler bei den Zwischenwahlen 2018 war eindrucksvoll“, so der Politikwissenschaftler. Im Staatsparlament konnten die Demokraten massiv zulegen. Im Gouverneursamt wie im US-Senat gewannen demokratische Amtsinhaber mit klarem Abstand.

Wahlkampfthema Nummer Eins bisher in Pennsylvania ist die Krankenversicherung. Trumps einbrechende Zustimmung ist an seine unpopuläre Haltung – er fordert die Abschaffung von Barrack Obamas Gesundheitsreform – gekoppelt. „Das ist Stand heute Trumps größte Schwäche für 2020“, sagt Borick. Die Pläne des Demokraten Joe Biden – eine staatliche Krankenversicherung für jeden, der dies möchte – dagegen sind „überwältigend populär“. Überhaupt: der Kandidat. Vor drei Jahren konnte Trump in Northampton County viele Stimmen von Wählern gewinnen, die seine demokratische Rivalin Hillary Clinton nicht ausstehen konnten. Für Trump scheint diesmal das größte Problem Trump selbst. „Er kann es schaffen, aber es wird schwer“, so Borick. Auch 2016 litt Trump unter schlechten Umfragewerten, die am Wahltag vergessen waren. Für seine Wiederwahl muss er dies wieder schaffen.

„Stoppt den Unsinn“

Die Republikaner im Landkreis haben einen Plan, um ihrem Präsidenten zur Wiederwahl zu verhelfen. Unter dem Titel „Stoppt den Unsinn“ versuchen sie jedes Thema, das die Demokraten vorbringen, als Unfug darzustellen. Dazu gehört eine überzogene Umweltpolitik („Green New Deal“), das Recht auf Abtreibung, eine universelle „Krankenversicherung für alle“, ein kostenloses Studium oder das Amtsenthebungsverfahren. Ihre Hoffnung: dass die Demokraten bei all diesen Fragen überziehen. „Die sind doch überwiegend links“, meint die Parteiaktivistin Krupka.

Dass diese Botschaft verfängt, zeigt Robert Wippel, der im „Ham Fam“ an der Resopaltheke Kaffee schlürft. „Die Demokraten sind doch von Linksradikalen gekapert worden“, meint der bullige 69-jährige Vietnamkriegsveteran mit Fallschirmjägertätowierung und Gehstock. Trump indes sei ein „guter Präsident“. Die harten Töne in der Einwanderungsfrage seien richtig: „Die dürfen nur legal ins Land.“ Und er meint: „Trump ist echt.“ 2016 hatte Wippel ihn nicht gewählt, 2020 hat er es fest vor. „Die Wirtschaft läuft prächtig“, erzählt der pensionierte Bodenleger. Sein Sohn, der jetzt sein Geschäft führt, könne sich vor Arbeit kaum retten.

Salvatore Panto, Demokrat und langjähriger Bürgermeister von Easton, Hauptsitz von Northampton, ist für seine Partei in Pennsylvania dennoch zuversichtlich. Der Mann in akkurat gebügelten weißen Hemd und Krawatte ist stolz, dass die Hälfte seiner Stadtverwaltung aus Republikanern besteht. Er nennt wie viele Joe Biden als aussichtsreichsten Herausforderer Trumps. Obamas Ex-Vizepräsident, der aus Pennsylvania stammt, wie er ein „gemäßigter Mann der Mitte“, werde am ehesten die Wähler zurückholen, die Hillary Clinton im Stich ließen. Das sieht die Republikanerin Kimberley Krupka naturgemäß anders. Sie ist sich sicher, trotz des schlechten Abschneidens ihrer Partei bei den Wahlen 2018 und Trumps schwachen Umfragewerten. Die Trump-Wähler werden sich 2020 wieder einstellen. „Am Ende sind sie wieder da.“

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