Demagogischer Auftritt: Markus Frohnheimer, hier mit der Pforzheimer AfD-Chefin Diana Zimmer. Foto: Simon Granville

Wer demokratische Politiker als Verbrecher und vaterlandslose Gesellen diffamiert, hat jeden Gestaltungsanspruch verwirkt, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Der Leonberger Oberbürgermeister hat recht: „Irgendwo her müssen die 20 Prozent in den Umfragen ja kommen“, hatte Martin Georg Cohn am Mittwochabend mit Blick auf das offensichtlich weitgehend bürgerliche Publikum gesagt, das zur AfD in die Leonberger Stadthalle gekommen ist. Und tatsächlich waren da keine martialisch aussehenden Männer. Viele Frauen waren im Publikum, einige sagten, dass sie einfach selbst schauen wollten, wer hinter der AfD steckt.

 

So weit, so normal: Nicht nur in Deutschland haben die Menschen Sorge um die Zukunft der Wirtschaft und damit um ihre Arbeitsplätze sowie ihren Wohlstand. Das ungelöste Migrationsproblem hat am Mittwoch durch die Bluttat in Aschaffenburg neuen Zündstoff bekommen. Und viele wollen sich ihren Lebensstil nicht vorschreiben lassen.

Doch dass die AfD auf all diese Themen keine Antworten hat, geschweige denn Lösungsansätze, wurde in Leonberg mehr als deutlich. Insbesondere die Rede des Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier konnte einen erschauern lassen. Gewiss: Über die Sinnhaftigkeit mancher Entwicklungshilfeprojekte lässt sich trefflich streiten. Doch die politischen Initiatoren Verbrecher zu nennen, ist nicht harte Kritik, sondern Hetze. Geschichtsvergessen zeigt sich der Kandidat aus Weil der Stadt, wenn er Christdemokraten als „vaterlandslose Gesellen bezeichnet“, einem Kampfbegriff aus dem Wilhelmismus.

Damit diskreditiert sich der Abgeordnete, der auch in Leonberg lauthals die Brandmauer der CDU gegeißelt hat, und versperrt die Tür für jedweden Ansatz der Kooperation. Nicht nur der Leonberger CDU-Chef Oliver Zander, ein nüchtern abwägender Geschäftsmann, sagt ganz klar, dass Vertreter eines solch menschenverachtenden Weltbildes auf keinen Fall als Partner in Frage kämen. Da mögen die Claqueure der AfD noch so laut gejohlt haben: Unter diesen Umständen hat die Partei ihren Gestaltungsanspruch verwirkt.