Dass Gingrichs zweite Ehefrau Marianne ihm in einem exklusiven Interview mit ABC als "fiesen Charakter" beschreibt, ist nicht ganz neu. Foto: privat

Gingrich weiß wie kein Zweiter, welche Töne er auf der Hundepfeife des Südens anschlagen muss.

So long, Rick. Es wurde Zeit, dass Cowboy-Kandidat Perry nach Texas zurück trottet. Mit zuletzt vier Prozent in den Umfragen machte dessen Präsidentschafts-Kandidatur genauso wenig Sinn wie die Jon Huntsmans, der Anfang der Woche die Brocken hinwarf, um seinen mormonischen Glaubensbruder Mitt Romney zu unterstützen.

Perry wirft sein (Leicht-)Gewicht hinter Newt Gingrich, der ihm in unverschämten Sprüchen kaum nachsteht. Die Unterstützung dürfte dem ehemaligen Speaker helfen, der seit der Debatte vom Montag Aufwind hat. Er machte bereits mehr als die Hälfte des Vorsprungs wett, den Romney bisher in den Umfragen hielt. Über die Ziellinie bringt ihn das alleine aber nicht. Dafür hatte Perry in South Carolina nicht genügend Unterstützung.

Zählfehler in der Wahlnacht

Außerdem könnten ein paar Wähler auch zum erzkonservativen Rick Santorum abwandern, der am Donnerstagmorgen nachträglich inoffiziell zum Wahlsieger von Iowa erklärt wurde. Mit 34 Stimmen Vorsprung vor Romney. Der Grund ist ein Zählfehler in der Wahlnacht, für dessen Korrektur die Republikaner mehr als zwei Wochen benötigten. Damit ist die Luft für Santorum einigermaßen raus. Iowa liegt im Bewusstsein der Wähler schon zu weit zurück.

Vor Ort spüre ich eher, wie sich eine Lawine für Gingrich aufbaut. Der Mann weiß wie kein Zweiter, welche Töne er auf der Hundepfeife des Südens anschlagen muss. Wer sie versteht, hört genauestens die rassistischen Assoziationen, die der Saubermann mit scheinheiliger Bigotterie verbreitet. Die stehenden Ovationen bei der Präsidentschaftsdebatte am Montag sind das beste Beispiel dafür.

In Krisensituationen flüchtet Gingrich

Dass Gingrichs zweite Ehefrau Marianne ihm in einem exklusiven Interview mit ABC als “fiesen Charakter” beschreibt, ist nicht ganz neu. Ebenso wenig, dass er sie zwei Monate nach ihrer MS-Diagnose sitzen ließ. So hatte er es schon mit seiner ersten Ehefrau gemacht, die an Krebs erkrankt war. Neu ist das Detail, dass der Moralapostel ihr damals eine “offene Ehe” vorgeschlagen habe, die Platz für seine Affäre mit Callista lasse, mit der er nun in dritter Ehe zusammenlebt.

Wenn die Wähler sich nicht schon vor dem Interview an dem selbstgefälligen Narzissmus gerieben hatten, dürfte das kaum reichen, sie davon abzubringen, für Newt zu stimmen. Mal sehen, was sonst noch in dem “Nightline”-Interview steckt, das in voller Länge auf ABC ausgestrahlt wurde.

Wichtiger scheint mir die letzte Präsidentschaftsdebatte heute Abend auf CNN. Angesichts dieser Ausgangslange müssen wir uns wohl auf eine Schlammschlacht einstellen, wie wir sie bisher noch nicht erlebt haben. Für Newt und Mitt schlägt an diesem Samstag die Stunde der Wahrheit.

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