Bei den vier Parteien, die in Steinenbronn um die Wählergunst gebuhlt haben, hat sich einiges verändert. Foto: Malte Klein

Die Wähler in Steinenbronn haben in den Familien Miller und Sena/Riedmüller neue politische Talente gesehen. Die beiden Familien besetzen fünf von 14 Plätzen im Gemeinderat. Wen die Bürger sonst gewählt haben, lesen Sie hier.

Steinenbronn - Der Gemeinderat von Steinenbronn wird familiär. Denn in der CDU-Fraktion heißen abgesehen vom bisherigen Vorsitzenden Frank Schweizer gleich drei Kommunalpolitiker Miller. Das sind einmal Wolfgang Miller, der bisherige erste Stellvertreter des Bürgermeisters. Er ist auch mit 2667 Stimmen erneut der Stimmenkönig aller Fraktionen des Gremiums mit 14 Sitzen geworden. Außerdem haben es sein 28-jähriger Sohn Matthias und seine 29-jährige Tochter Verena aus dem Stand ins Gremium geschafft. Sie haben vor Jahren gemeinsam mit anderen die Junge Union Waldenbuch/Steinenbronn gegründet.

Sind Verwandte im Rat erlaubt?

Vor fünf Jahren wäre eine Fraktion von drei Millers nicht möglich gewesen. Damals verbot das die Gemeindeordnung, und das hatte damals auch Auswirkungen auf den Rat. Wolfgang Millers Sohn Daniel war damals zwar gewählt worden, durfte aber wegen der familiären Bande nicht mit seinem Vater gemeinsam im Rat Entscheidungen treffen. Darum kam für Daniel Miller Hendrikje Ruck in den Rat. Doch das Regelwerk wurde geändert. Nun ist es möglich.

Wo gibt es noch familiäre Bande?

Dass Vater und Tochter neuerdings im Gemeinderat sitzen, gibt es noch ein zweites Mal. Allerdings haben sie unterschiedliche Namen. Es sind Giovanni Sena von der Freien Wählervereinigung (FW) und die 21-jährige Noelle Riedmüller von der Offenen Grünen Liste (OGL). Wo es politische Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt, wird sich zeigen.

Wer ist abgewählt worden?

Klar ist jetzt schon: Der neue Gemeinderat ist deutlich jünger als der noch amtierende. Zum Vergleich: Matthias Miller ist erst 28 Jahre alt und seine Schwester Verena Miller 29 Jahre. „Sie sind näher dran an Themen der Jugendlichen und werden diese vertreten“, sagt Schweizer. Sie ziehen ins Gremium ein für den 55-jährigen Karlheinz Weber und den 49-jährigen Rainer Reddehase. Beide haben sich zwar wieder zur Wahl gestellt, aber nicht genug Stimmen holen können. Frank Schweizer sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen: „Es ist positiv, dass frischer Wind in den Gemeinderat kommt und es eine Verjüngung ist. Allerdings ist es schade, dass Reddehase und Weber nicht mehr dabei sind.“ Beide hätten sich gut eingebracht. Hendrikje Ruck wiederum hat sich nicht mehr aufstellen lassen.

Warum sind die Freien Wähler so stark?

Bei der Freien Wählervereinigung hat sich personell nichts geändert. Es sitzen weiterhin Otto Elsäßer, Giovanni Sena, Astrid Hagen, Gitta Obst und Roland Kißling im Rat. Elsäßer hat als zweiter Stellvertreter des Bürgermeisters mit 2133 Stimmen das zweitbeste Ergebnis aller Fraktionen bekommen – hinter Wolfgang Miller. Doch innerhalb der Fraktion gibt es eine Verschiebung. Giovanni Sena hat aufgeholt und es in der Fraktion auf Platz zwei geschafft. Er ist zwar im Rat nicht so präsent, bringt sich aber inhaltlich stark in die Fraktionsarbeit ein. Verluste muss Gitta Obst hinnehmen. Die bisherige Fraktionsvorsitzende hat es mit 1392 Stimmen nur auf den vierten Platz geschafft – mit hauchdünnem Vorsprung von vier Stimmen vor Roland Kißling. Dass die Freien Wähler erneut die stärkste politische Kraft im Ort geworden sind, erklärt sich Obst durch die Präsenz. „Wir haben viel politisch gearbeitet und waren im Wahlkampf, aber auch sonst für die Menschen da. Wir packen mit an, sei es in den Vereinen, bei der Feuerwehr und sozialen Tätigkeiten.“ Und sie seien eben die gesamte Amtszeit mit den Leuten im Gespräch. Auch über ihre Fraktion hinaus freue sie sich über die Zusammensetzung des neuen Rats. „Es wird neue Impulse und sehr frischen Wind geben.“

Wer hat hinzugewonnen?

Für die Wählervereinigung Offene Grüne Liste sitzen die 21-jährige Noelle Riedmüller und die 35-jährige Maren Hofmann mit dem wieder gewählten Stefan Hauser im Rat. „Für uns war spannend, ob die Stimmen für zwei oder drei Plätze im Rat reichen“, sagt Hauser. Er habe den Eindruck gehabt, dass er wiedergewählt werde. „Wir hatten bei dieser Wahl so tolle Kandidaten, dass ich schwer einschätzen konnte, wer gewählt wird.“ Zumal Barbara Winkler nicht mehr kandidiert hatte. Er freut sich, dass der OGL-Fraktion künftig zwei junge Frauen angehören. „Das ist positiv. Wir können so Themen für Studenten besser bearbeiten.“

Wie viele Plätze hat die SPD?

Die SPD ist trotz weniger Stimmen mit Antje Lindemeyer (927 Stimmen) und Dieter Menzel (876) im Rat vertreten. „Für uns ist es das Wichtigste, dass wir zwei Sitze haben“, sagt Menzel. Schließlich habe die SPD praktisch überall gewaltig Prozentpunkte eingebüßt. Die Grünen hätten sehr gut abgeschnitten. „Es sind mehr junge Leute zum Wählen gegangen. Die haben wir nicht oder falsch erreicht.“

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