Saif al-Islam Gaddafi bei seinem Prozess 2014, inzwischen ist er wieder frei. Foto: dpa/Sabri Elmhedwi

Saif al-Islam Gaddafi hatte den Ruf eines Playboys und wurde lange Jahre als Nachfolger seines despotischen Vaters in Libyen aufgebaut. Inzwischen strebt er die Führung in dem von Bürgerkrieg gezeichneten Land an.

Tripolis - Er hielt sich Tiger in einem Privat-Zoo, verwaltete Milliardensummen und drohte der Opposition mit einem Maschinengewehr: Saif al-Islam Gaddafi, ein Sohn des früheren libyschen Despoten, galt vor der Revolution von 2011 als Erbe seines Vaters und künftiger starker Mann Libyens. Nach dem Tod des älteren Gaddafi vor zehn Jahren verschwand Saif al-Islam Gaddafi, einer von acht Söhnen des Diktators, von der Bildfläche, doch jetzt ist er wieder da – und will in dem nordafrikanischen Krisenland an die Macht. Die libyschen Behörden wollen ihn von der Präsidentenwahl im Dezember fernhalten. Dass sie Gaddafis Comeback damit aufhalten können, ist aber unwahrscheinlich.

 

Ruf eines Playboys

Der heute 49-jährige Gaddafi wurde von seinem Vater zum Nachfolger aufgebaut. Saif al-Islam Gaddafi pflegte ein Image als Reformer, leitete den staatlichen Investitionsfonds Libyens, forderte politische Veränderungen in seinem Land und verhandelte nach dem Tod von 270 Menschen beim Anschlag von Lockerbie 1988 mit dem Westen. Er studierte in London, wo er eine Luxuswohnung bezog und im britischen Jet-Set den Ruf eines Playboys hatte. Doch im Arabischen Frühling von 2011 zeigte Saif al-Islam - sein Vorname heißt „Schwert des Islam“ – ein anderes Gesicht. Im Fernsehen rief er die Gaddafi-Anhänger auf, den Aufstand gegen seinen Vater niederzuschlagen.

Als das Gaddafi-Regime nach der Ermordung des Diktators durch regierungsfeindliche Milizionäre im Oktober 2011 zusammenbrach, machte sich Saif al-Islam aus dem Staub. Auf der Flucht ins Nachbarland Niger wurde er von Rebellen festgenommen, die ihn in die Stadt Zintan im Nordwesten von Libyen nahe der Grenze zu Tunesien brachten und ihn sechs Jahre lang als Geisel hielten. Von Zintan aus beobachtete Gaddafi, wie Libyen im Bürgerkrieg zwischen lokalen und regionalen Milizen versank. Auch nach seiner Freilassung vor vier Jahren blieb er offenbar in Zintan und baute Verbindungen zu wichtigen Clans und Politikern auf.

Kündigt politische Ambitionen an

So ist Saif al-Islam heute ein freier Mann. Ein Todesurteil, das ein Gericht in der Hauptstadt Tripolis im Jahr 2015 gegen ihn erließ, wurde später aufgehoben. Allerdings wird er vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Dennoch fühlt er sich sicher genug, um in die Öffentlichkeit zurückzukehren. In einem Interview mit der „New York Times“ im Juli deutete er seine politischen Ambitionen an und sprach über die Missstände in seinem Land, das zehn Jahre nach dem Ende der Gaddafi-Ära unter Gewalt, einer politischen Spaltung in Ost und West, dem Kollaps der Wirtschaft und Korruption leidet. Jetzt preist sich Saif al-Islam Gaddafi als Retter des Vaterlands an. Als er seine Kandidatur für die Präsidentenwahl am 24. Dezember anmeldete, trat er mit langem grauen Bart und in einem traditionellen Wüstengewand mit Turban auf. Trotz seiner Vergangenheit kann Said al-Islam Gaddafi nach Einschätzung von Fachleuten mit Unterstützung rechnen. Er spricht nicht nur Anhänger des alten Regimes an. Auch junge Libyer, die die Gaddafi-Zeit nicht bewusst miterlebt haben, sind nach Jahren der Anarchie für eine nostalgische Vorstellung von Ruhe und Ordnung empfänglich.

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Gaddafi profitiert von der Ablehnung

Die libysche Wahlkommission wies Gaddafis Präsidentschaftsbewerbung jetzt zwar wegen seiner Vorstrafe von 2015 ab. Doch das sei nicht unbedingt ein Nachteil für ihn, meint der Libyen-Experte Emadeddin Badi von der Denkfabrik Atlantic Council. Badi und andere Beobachter erwarten, dass die Wahl im Dezember die Spannungen in Libyen eher verstärken als lindern werden. Ab sofort könne sich Gaddafi als politischer Märtyrer verkaufen, schrieb Badi auf Twitter. Sobald das „Kartenhaus“ der Dezember-Wahlen in sich zusammenfalle, werde Gaddafi eine Rolle beanspruchen können.

Tatsächlich ist Libyen vom Frieden weit entfernt. Keiner der verbliebenen Präsidentschaftskandidaten kann als Versöhner des gespaltenen Landes auftreten. Ministerpräsident Abdulhamid Dbeibah und Parlamentspräsident Aguila Saleh lösen mit ihren Kandidaturen keine landesweite Begeisterung aus. Der Diktatoren-Sohn wagt sich in einem günstigen Moment aus der Deckung.