Axel Müller hat direkt zum Bewerbungsbeginn seine Unterlagen eingeworfen. Foto: privat

Der frühere Ludwigsburger Bahnhofsmanager möchte neuer Bürgermeister in Freiberg am Neckar werden. Ein Thema liegt ihm dabei besonders am Herzen.

Es scheint eine reizvolle Aufgabe zu sein, die Geschicke der Stadt Freiberg als Bürgermeister zu lenken. Kaum ist die Bewerbungsfrist um die Nachfolge des nicht mehr zur Wiederwahl stehenden Dirk Schaible angelaufen, sind schon zwei Interessenten auf das Kandidatenkarussell aufgesprungen. Der Sozialdemokrat Jan Hambach, 29-jähriger Leiter des Oberbürgermeister-Stabs in Calw, hatte am Freitag angekündigt, am Samstagfrüh seine Bewerbungsunterlagen im Rathaus einzuwerfen. Axel Müller, der zweite Aspirant, dürfte ihm nun allerdings zeitlich sogar zuvorgekommen sein. „Ich habe in der Nacht auf Samstag direkt nach Mitternacht meine Unterlagen in den Briefkasten gesteckt“, sagt der 50-Jährige.

 

Müller hatte auch einen kurzen Anfahrtsweg, wohnt der gelernte Hotelfachmann doch quasi um die Ecke in Ludwigsburg. Dort ist der gebürtige Mainzer kein unbeschriebenes Blatt, hat er doch zunächst beim Innenstadtverein Luis als eine Art Citymanager gewirkt, ehe er sich anschließend für die Kommune um die Belange rund um den Bahnhof kümmerte. Seit zweieinhalb Jahren ist er als Persönlicher Referent für die Grünen-Landtagsabgeordnete Silke Gericke tätig. Müller hat zudem das Parteibuch der Grünen, werde von der Partei jetzt im Wahlkampf unterstützt. „Als Bürgermeister wäre ich aber für alle da. Da spielt die Parteizugehörigkeit keine Bedeutung“, betont Müller, der seit fast 20 Jahren mit seinem Partner liiert, jedoch nicht verheiratet ist.

„Jeder hat allerdings einen Leitfaden, an dem er sich orientiert. Bei mir ist das zum Beispiel die Nachhaltigkeit“, macht er klar. Das könnte sich dann unter anderem auf Bautätigkeiten in Freiberg auswirken. Müller würde es begrüßen, wenn man bei der angestrebten Neugestaltung des Zentrums aus ökologischen Gründen auf Holz als elementares Baumaterial setzt. Damit würde man zugleich an die Tradition der Fachwerkhäuser in den Stadtteilen anknüpfen und Touristen einen Anlass geben, sich ins Herzen von Freiberg aufzumachen. „Wir könnten so zur jüngsten Fachwerkstadt Deutschlands werden“, sagt Müller. Ebenso würde er sich als Rathauschef dafür starkmachen, in Neubaugebieten Zisterne vorzuschreiben. „Damit kann jeder einzelne Haushalt Geld und Wasser sparen“, erklärt er.

Wichtig sei überdies, das Thema Lärmschutz an der Autobahn nochmals aufzugreifen. Für eine Überdeckelung sei momentan aus finanziellen Gründen vielleicht die Zeit nicht reif. Doch dann müsse man überlegen, wie die Geräuschkulisse anderweitig verringert werden könnte, findet Müller, der, wie er berichtet, „aus einer extrem politischen Familie“ stammt. „Mit dem Sprechen habe ich praktisch schon das Debattieren gelernt“, erklärt er lachend. In Osthofen bei Worms habe er sich früher auch im Gemeinderat bei einer Grünen-nahen Liste engagiert. Der Liebe wegen habe es ihn schließlich in die Region Stuttgart verschlagen. Und warum zieht es ihn dort nun nach Freiberg? „Mir hat vor allem imponiert, wie es in Freiberg gelungen ist, aus verschiedenen Stadtteilen eine Gemeinschaft zu bilden, die zu einer Einheit zusammengewachsen ist“, erklärt er. Sinnbildlich dafür stehe die Oscar-Paret-Schule, in der mehrere Schulformen unter einem Dach gebündelt sind. „Das gefällt mir sehr gut“, betont Müller.