André Reichel spricht vor Schülern des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums. Folgen bald Auftritte als Regionalpräsident? Foto: Christoph Kutzer

In der Nacht zum Montag stand das Endergebnis der Regionalwahl fest – mit dem überraschenden Sprung der Grünen auf Platz eins vor der CDU. Nun steht fest, wen die Grünen als neuen Regionalpräsidenten vorschlagen.

Stuttgart - Auf seiner Homepage sieht man die gemütlich ausgestreckten Beine eines Wanderers, der vom Gipfel ins Tal blickt. Mit dieser Beschaulichkeit könnte es für André Reichel bald vorbei sein. Die Grünen-Regionalfraktion hat den 45-jährigen Hochschulprofessor aus Ostfildern (Kreis Esslingen) am Mittwoch einstimmig zum Kandidaten für das Amt des ehrenamtlichen Regionalpräsidenten nominiert. Reichel könnte – seine Wahl bei der konstituierenden Sitzung der neu gewählten Regionalversammlung am 18. September vorausgesetzt – Nachfolger des seit 2007 amtierenden CDU-Politikers Thomas Bopp werden.

Grüne haben Vorschlagsrecht

Das Vorschlagsrecht für die Spitzenposition im Verband Region Stuttgart steht den Grünen nach ihrem Wahlsieg bei der Regionalwahl am Sonntag zu. Sie holten 24,28 Prozent der Stimmen vor der CDU mit 24,15 Prozent. Damit stellen die Grünen die größte Fraktion mit 22 Sitzen in der 88-köpfigen Regionalversammlung, die CDU hat 21.

„Mit André Reichel haben wir einen Kandidaten, der den Herausforderungen mehr als gewachsen ist. Er verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der Regionalversammlung und hat gezeigt, dass er in der Lage ist, jenseits von Partei- und Fraktionsgrenzen Themen voranzubringen“, betonte die Fraktionsvorsitzende Ingrid Grischtschenko nach einer Fraktionssitzung am Mittwoch. Auch sie war für das Amt im Gespräch, lehnte aber ab. „Das ist nun ein ganz wunderbarer Personalvorschlag“, sagte Grischtschenko. Reichel vereine mit seinen Kompetenzen die besten Voraussetzungen für das Amt. „Wenn Ingrid Grischtschenko gesagt hätte, dass sie Regionalpräsidentin werden will, hätte sie den Vorrang gehabt“, betonte Reichel. Erst als die Fraktionschefin abgelehnt habe, „war klar: jetzt bin ich dran“.

Positive Rückmeldungen

„Wir freuen uns, so zeitnah einen für alle Fraktionen der Regionalversammlung überzeugenden Kandidaten vorschlagen zu können“, sagte Grischtschenko. In ersten Gesprächen mit anderen Fraktionschefs sei der Personalvorschlag auf Wohlwollen gestoßen. Auch Reichel sprach von „positiven Rückmeldungen“. Er werde sich nun in allen Fraktionen vorstellen.

Nachdem OB Fritz Kuhn für das Amt abgesagt hatte, lief alles auf Reichel zu. Er ist Professor für International Management und Nachhaltigkeit an der privaten Hochschule International School of Management (ISM). Der Diplom-Kaufmann hat an der Uni Stuttgart in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich nachhaltige Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft. Dies seien auch wichtige Themen für die Region, sagte Reichel. Er sehe im Regionalpräsidenten ein „politisches, aber kein parteipolitisches Amt“. Natürlich wolle er inhaltliche Akzente setzen, aber er strebe eine gute Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen und der Verbandsverwaltung mit Regionaldirektorin Nicola Schelling an der Spitze an. Das Verhältnis zwischen Bopp und Schelling war bis zuletzt angespannt.

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