Jan-Benedikt Thoma will Bürgermeister von Hildrizhausen werden. Foto: Stefanie Schlecht

Der 32-jährige Jan Thoma will Bürgermeister Matthias Schöck beerben, der nach 24 Jahren nicht mehr antritt. Am Sonntag, 17. Mai, wird gewählt.

Jan Thoma hat Ideen und Elan, das ist ihm anzumerken. Nach neun Jahren in Nordrhein-Westfalen ist der 32-Jährige in seine Heimat Hildrizhausen zurückgekehrt, weil er dort den Bürgermeistersessel anstrebt. Außer ihm gibt es eine weitere Kandidatin, nämlich Isabella Weinhardt. Amtsinhaber Matthias Schöck (parteilos) tritt nach 24 Jahren nicht wieder an. Beide Kandidierenden haben sich am Mittwoch, 6. Mai, in der Schönbuchhalle offiziell vorgestellt.

 

Offiziell deshalb, weil Thoma in den vergangenen Wochen schon viel im Ort unterwegs war, um Klinken zu putzen. „Ich habe in den letzten drei Monaten die meisten Vereine und Unternehmen besucht, und ich habe mich mit den Fraktionen des Gemeinderats getroffen“, sagt er. Im Gespräch mit einem Großteil der Hausemerinnen und Hausemern an deren Haustüren habe er sich außerdem ein Stimmungsbild gemacht und auch ein paar Ideen in sein Wahlprogramm übernommen.

Hildrizhausen schätzt die Dörflichkeit

„Was mich ein bisschen überrascht hat, war das deutliche Bekenntnis zum dörflichen Charakter Hildrizhausens“, sagt Thoma. Als er aufgewachsen sei, habe er sich – wie viele Gleichaltrige – nach weniger Dörflichkeit in Hildrizhausen gesehnt. Thoma, der mit Landwirtschaft aufwuchs, habe das damals ähnlich empfunden. Heute sehe das die Mehrheit anders. Große Neubaugebiete seien nicht erwünscht, sagt er. Das habe er erkannt und wolle es beherzigen, falls er gewählt wird.

Geboren wurde Jan Thoma in Herrenberg, aber aufgewachsen ist der 32-Jährige in Hildrizhausen – besuchte dort den Kindergarten und die Grundschule. Danach ging er in Holzgerlingen auf das Schönbuch-Gymnasium. „Nach dem Abi hab ich dann erst einmal Bundesfreiwilligendienst gemacht, ich habe ein Jahr lang in einem christlichen Gästehaus gearbeitet“, sagt Thoma. Da sei er im Prinzip Hausmeister gewesen, habe aber auch mit der Organisation von Veranstaltungen zu tun gehabt. „Das war eine gute Zeit.“

Kandidat Jan Thoma bringt Führungserfahrung mit

Nach einer Ausbildung zum Bürokaufmann und einem Jahr in der Buchhaltung im Fraunhofer Institutszentrum in Stuttgart zog Thoma zusammen mit seiner jetzigen Frau Carlotta nach Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen), um zu studieren – sie Medizin und er Verwaltungswissenschaften.

Im Bachelor-Studium habe er neben den Uni-Inhalten an der Hochschule für Polizei und Verwaltung in Köln auch die Stadtverwaltung in Bergisch-Gladbach mit ihren 1800 Mitarbeitenden durchlaufen. „Und da bin ich dann bei der Abfallwirtschaft hängen geblieben“, sagt Thoma. Zunächst als Sachbearbeiter, der sich mit dem Fuhrpark befasst habe. Dort ist er mittlerweile seit mehreren Jahren Sachgebietsleiter mit 20 Mitarbeitenden unter sich. Sein Team befasse sich vorwiegend mit den Themen Ladeinfrastruktur und nachhaltige Fuhrparkentwicklung. Zudem sei Thoma seit 2024 Stellvertreter des Betriebsleiters. Berufsbegleitend zog er schließlich noch ein Master-Studium im Verwaltungssektor (Master of Public Administration) nach, das er im vergangenen Jahr abschloss.

Jan Thoma sieht sich als Hausemer mit Blick von außen

Warum geht man aus so einer Stellung mit Chance auf den Chefsessel in einem städtischen Betrieb wieder zurück ins Heimatdorf auf der Schönbuchlichtung? „Meiner Frau und mir war immer irgendwie klar, dass das in NRW nur eine Station ist“, sagt Thoma. „Der Abschnitt war sehr gut und es gibt dort auch Menschen, die ich vermissen werde.“ Seine Frau sei derzeit noch im Medizinstudium, wolle aber nach ihrem Abschluss Ende des Jahres ebenfalls nach Hildrizhausen kommen. Das Ehepaar habe dort eine Wohnung gemietet.

In seinem Master-Studium neben dem Beruf habe er gemerkt, wie belastbar er wirklich sei. „Meine Stelle dort ist schon sehr herausfordernd, und dann hatte ich in der Zeit jedes Wochenende Vorlesungen samstags“, sagt Thoma. Dazu seien regelmäßige Heimatbesuche und die Partnerschaft mit seiner Frau gekommen, die er auch nicht habe vernachlässigen wollen. „Das wurde dann sportlich. Aber genau solche Erfahrungen haben mir dann auch das Selbstbewusstsein gegeben, zu sagen, dass ich mir das zutraue. Ich bringe die fachliche Erfahrung mit, ich weiß, dass ich die Power dazu habe.“ Seinen beruflichen Start anderswo sieht Jan Thoma als Chance. „Ich bin weg gewesen, aber habe immer den Kontakt gehalten. Ich finde, das ist eine coole Mischung: ich bin vom Ort, habe aber trotzdem schon etwas anderes gesehen.“

VfB-Fan will Bürgermeister werden

Seine Freizeit verbringt Jan Thoma am liebsten mit seiner Frau. „Wir haben in den letzten Jahren sehr viel Wanderurlaub gemacht. Wir sind auch gerne mal spontan unterwegs, dass wir einfach gucken, wo gefällt es uns, und da bleiben wir dann. Das ist eine Freiheit, die man so im Alltag nicht hat“, sagt er. Auch dem Trendsport Padel sei er verfallen. Und er reise gerne zu den Auswärtsspielen seines Lieblingsfußballvereins VfB Stuttgart.

Sollte er gewählt werden, stellt er klar, dass es sicher keinen absolut nahtlosen Übergang geben würde. „Ich bin immer noch Einsteiger“, sagt er. „Ich bringe natürlich wichtiges Rüstzeug mit, aber es wird nicht alles reibungslos mitlaufen.“

Bürgermeisterwahl in Hildrizhausen

Termin
Die Bürgerinnen und Bürger von Hildrizhausen wählen am Sonntag, 17. Mai, ein neues Verwaltungsoberhaupt. Seit 2002 ist Matthias Schöck (parteilos) Bürgermeister. Nach drei Amtsperioden tritt er nicht mehr an.

Kandidaten
Auf den Bürgermeistersessel wollen Jan Thoma und Isabella Weinhardt. Er ist 32 Jahre alt und kommt aus Hildrizhausen. Sie ist 55 Jahre alt und kommt aus dem Stuttgarter Stadtbezirk Mühlhausen. Der Bürgermeisterposten hat eine Amtszeit von acht Jahren.