Großbritanniens Premier David Cameron und seine Frau Samantha Foto: EPA

Überraschend klar haben David Camerons Tories die Unterhauswahlen in Großbritannien gewonnen. Für Labour-Chef Ed Miliband wird die Luft dünn. Der Premier verspricht indes, ein EU-Referendum rasch umzusetzen.

London - Großbritanniens Premierminister David Cameron bleibt Hausherr in der Downing Street Nummer 10. Der Parteichef der Tories kann nach fünf Jahren einer konservativ-liberaldemokratischen Koalition künftig sogar alleine regieren. Die konservativen Tories gewannen die für eine Alleinregierung nötige absolute Mehrheit im britischen Unterhaus, sie erreichten am Vormittag die Schwelle von 325 der 650 zu vergebenden Mandate; vier Sitze aus Nordirland bleiben traditionell unbesetzt.

„Das war eine sehr starke Nacht für die Konservativen“, sagte Cameron, nachdem er als Sieger in seinem Wahlkreis Witney feststand. „Dies ist der süßeste Sieg von allen“, sagte er in der Dankesrede vor seinem Wahlkampfteam. Cameron kündigte unmittelbar nach Feststehen des Gewinns seines Direktmandates an, er halte an seinem Versprechen fest, den Verbleib Großbritanniens in der EU in einem Referendum zur Wahl zu stellen.

Erdrutschsieg für schottische SNP

Unter dem Eindruck eines erdrutschartigen Sieges der Unabhängigkeitspartei SNP in den schottischen Wahlkreisen erklärte Cameron in seiner ersten Reaktion die Einheit Großbritanniens zum wichtigsten Ziel für die kommenden Jahre. Die SNP errang 56 der 59 in Schottland zu vergebenden Mandate.

Labour-Chef Ed Miliband, dessen Partei die Prognosen nur um die 230 Sitze zusprechen, räumte seine Niederlage indirekt ein. „Wir haben nicht die Gewinne in England und Wales erreicht, die wir erhofft hatten“, sagte Miliband. Er sprach von „einer schwierigen Nacht“ für Labour. Nach BBC-Informationen wird er noch am Freitag als Parteichef zurücktreten. Der frühere Labour-Finanzminister Ed Balls schaffte nicht einmal den Wiedereinzug ins Parlament. Labour schnitt nur in der Hauptstadt London besonders gut ab, wo die Sozialdemokraten 45 der 73 zu vergebenden Sitze bekamen.

Meinungsumfragen hatten bis zur Öffnung der Wahllokale einen deutlich knapperen Ausgang vorhergesagt. „Viele sagen: Die einzige Meinungsumfrage, die wirklich zählt, ist diejenige am Wahltag. Ich bin nicht sicher, ob dies jemals mehr wahr war“, sagte Wahlsieger Cameron. Die Londoner Börse reagierte fast euphorisch auf das Ergebnis. Das britische Pfund legte im Vergleich zum Euro deutlich zu.

Enttäuschend verlief die Wahlnacht für die bisher mitregierenden Liberaldemokraten. Sie verlieren einen Großteil ihrer bisher 57 Sitze und entsenden nur noch etwa zehn Parlamentarier. Auch Wirtschaftsminister Vince Cable und Finanz-Staatssekretär Danny Alexander verloren ihre Mandate.

UKIP-Chef Farange nicht im Unterhaus

Die rechtspopulistische Partei UKIP musste eine Schlappe hinnehmen. Parteichef Nigel Farage schaffte es nicht ins britische Parlament. Er verlor mit 32 Prozent der Stimmen bei der Unterhauswahl in seinem Wahlkreis South Thanet an der britischen Ostküste gegen den Kandidaten der Konservativen Partei, Craig Mackinlay (38 Prozent).

Vor der Wahl hatte der EU-Parlamentarier Farage angekündigt, vom Ukip-Parteivorsitz zurückzutreten, sollte er sein Direktmandat nicht gewinnen. Ukip fordert eine Begrenzung der Einwanderung und einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

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