Der gebürtige US-Amerikaner Trevor Jackson spielt einen Schwergewichts-Meister. Foto: Eva Herschmann

Der aus New York stammende Wahl-Fellbacher Trevor Jackson spielt die Rolle des Apollo Creed im Musical „Rocky“. Der sonst so smarte Sänger gibt auf der Bühne den „Bad Guy“.

Fellbach - In den Anzug im Stars-and-Stripes-Look, eines seiner Bühnenkleider, schlüpft Trevor Jackson nur für seine Rolle. Seit Dezember steht der gebürtige US-Amerikaner in Stuttgart im Boxer-MusicalRocky“ als Apollo Creed auf der Bühne und verkörpert den Schwergewichtsweltmeister und Widersacher des Titelhelden. Im wahren Leben hat sich Trevor Jackson für Deutschland entschieden. „In den USA bin ich nur einer von vielen schwarzen Sängern, hier bin ich etwas besonderes und habe mir einen Namen gemacht“, sagt der 44-Jährige, der seit gut zehn Jahren in Fellbach wohnt. Vermutlich würde er auch schon gar nicht mehr leben, wäre er in seiner alten Heimat geblieben, meint Trevor Jackson. „Ich komme aus der Bronx in New York, das ist ein gefährliches Pflaster, auf dem viele jung sterben.“

Die Rolle als Boxer ist eine große Herausforderung

Die Rolle des Kontrahenten von Rocky Balboa, die er als Zweitbesetzung spielt, passe perfekt, sei aber auch eine große Herausforderung, sagt Trevor Jackson. „Ich muss körperlich topfit sein.“ Abgesehen davon habe er viel Freiheit in der Gestaltung seiner Rolle. „Ich mache ihn zu meinem Apollo Creed. Ich bin dann ein richtig böser Junge, so ein East-Coast-New-York-Typ im Stil von Mike Tyson oder Mr. T, das liegt mir“, sagt er und grinst. Auch die Musik ist ganz nach seinem Geschmack, etwa der funkige James-Brown-Klassiker „Living in America“. „Ich liebe diesen Song, und das Publikum wird gleich zu Anfang der Show mitgerissen.“ Der absolute Höhepunkt sei natürlich das große Finale, sagt Trevor Jackson. Er genieße es regelrecht als Widersacher von Rocky durch die Zuschauerreihen zu laufen und in die Gesichter des stehenden Publikums zu sehen. „Da entsteht eine unglaubliche Energie.“ Ohnehin sei „Rocky“ – das bislang einzige Musical, das aus Deutschland an den Broadway exportiert wurde – einzigartiges Entertainment.

Der smarte Sänger wusste früh, was er will. Er war ein guter Schüler, doch statt aufs College ging er auf die Schauspielschule, drehte Werbespots und spielte kleinere Rollen in Serien. „Als meine Eltern gesehen haben, dass ich meine Gage nicht für Klamotten oder Autos ausgebe, sondern in meine Zähne und Fortbildung stecke, haben sie mich unterstützt.“ Irgendwann zog es ihn von der amerikanischen Ost- an die Westküste. „Ich hatte nur 38 US-Dollar in der Tasche, als ich Los Angeles ankam.“ Trevor Jackson erhielt erste Auftritte in Werbefilmen, Fernsehshows und Musikvideos, als er von einem Casting hörte. Für die deutsche Produktion von „Miss Saigon“ wurde ein „black singer“ für die männliche Hauptrolle des „John“ gesucht. Hunderte wollten „John“ sein, Trevor Jackson wurde es.

Im Jahr 1997 landet Jackson in Stuttgart

1997 landete er in Stuttgart. „Hier hat meine Karriere begonnen, hier habe ich zum ersten Mal richtig und regelmäßig Geld verdient.“ Nach seinem zwei Jahre währenden Engagement in Stuttgart kehrte Trevor Jackson in die Staaten zurück. „Aber ich habe mich dort nicht mehr wohl gefühlt.“ Also entschied er sich, nach Deutschland zurückzukehren. Seitdem läuft es gut für ihn. Im Jahre 2008 steuerte er für den Kinofilm „Die Welle“ mit Jürgen Vogel den Titelsong „Move it“ bei und wurde 2012 in der Sat.1 Talent-Show „The Winner is…“ Dritter.

Trevor Jackson arbeitet an vielen unterschiedlichen Projekten, unter anderem mit Musikproduzent Mousse T.. Der Sänger und Songwriter, der sich auch für soziale Projekte engagiert, wurde außerdem von Fürst Albert als „Botschafter der Musik in Deutschland“ ernannt und zum internationalen Charity-Event „Nuits des Associations nach Monaco eingeladen. Außerdem eröffnete Trevor Jackson 2015 mit dem Song „Love Child“ den Wiener „Life Ball“, Europas größte Benefiz-Veranstaltung zu Gunsten von Aidskranken, in der auch Charlize Theron, Mary J. Blige und Sean Penn auftraten.

Dass er jetzt wieder im Musical-Theater in Stuttgart auf der Bühne steht, wo er vor fast 20 Jahren die Rolle des „John“ in „Miss Saigon“ spielte, ist für Trevor Jackson ein Zeichen, dass er in seiner Wahlheimat Fuß gefasst hat. Obwohl er viel unterwegs ist, ist er zur Stelle, wenn er in Fellbach gebraucht wird – sei es als Sänger für ein Musical-Konzert der Stadtkapelle in der Schwabenlandhalle oder für einen Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt. Fellbach ist meine Stadt, sagt Trevor Jackson. In 50 Minuten ist er mit der S-Bahn an seinem Arbeitsplatz in Möhringen, noch schneller mitten in der Natur.

Sein Herz ist in Deutschland

So gerne er „Living in America“ in „Rocky“ singt, in die USA zurückkehren, will Trevor Jackson nicht. Außer es lockt ihn ein gutes Angebot. „Dort zu arbeiten, aber in Deutschland zu leben, das könnte ich mir vorstellen. Mein Herz ist hier zuhause.“

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