Michael Resch, Informatikprofessor und Leiter des Höchstleistungsrechenzentrums der der Uni Stuttgart, gern der neue Rektor an der Uni Stuttgart werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Am 30. September 2018 endet die Amtszeit des Stuttgarter Unirektors Wolfram Ressel. Ob er wiedergewählt wird, muss sich zeigen. Denn wie jetzt bekannt wurde, bekommt er hausintern Konkurrenz: Der Informatikprofessor Michael Resch würde ihn gern ablösen.

Stuttgart - Die Ausschreibung des Rektorpostens an der Uni Stuttgart läuft noch. Doch schon jetzt ist klar, dass die Wahl am 29. Mai 2018 spannend werden könnte. Denn neben dem Amtsinhaber Wolfram Ressel, der für eine dritte Amtszeit kandidiert, bewirbt sich auch sein Kollege Michael Resch, wie jetzt bekannt geworden ist. Der Informatikprofessor, Jahrgang 1964, leitet seit 2003 das Höchstleistungsrechenzentrum (HLRS)an der Uni Stuttgart, seit 2014 ist er zudem Dekan der Fakultät Energie-, Verfahrens- und Biotechnik. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte Resch seine Kandidatur. Und er gibt Auskunft – über seine Motivation, seine Pläne und seine Vorstellung davon, wie sich die Uni Stuttgart positionieren sollte. Rektor Wolfram Ressel hingegen hat eine Anfrage unserer Zeitung hierzu vom 21. Dezember 2017 bis heute unbeantwortet gelassen.

Der Herausforderer Resch benennt folgende Schwerpunkte: Er würde gern das „enorme Potenzial“ der Uni Stuttgart besser zur Wirkung bringen, als dies bisher der Fall sei – in der Forschung, aber auch in der Lehre. Ihm wäre es wichtig, die einzelnen Fachbereiche stärker zusammenzuführen – „damit wir eine Uni haben, die diesem Standort auch gerecht wird“. Den Rahmen dafür bilden soll eine Gesamtstrategie. Dazu gehöre zum einen, die Fakultäten zu stärken und sie einzubinden, zum anderen würde Resch gern die harte Trennung zwischen Forschungseinrichtungen wie den Fraunhofer oder Max-Planck-Instituten und der Uni auflösen. Ziel müsse sein, den Wissenschaftsstandort Stuttgart aufzuwerten.

Michael Resch will mit Transparenz und Kommunikation punkten

Besonders deutlich unterscheidet sich Resch von Amtsinhaber Ressel bei seiner Vorstellung von Führungsstil. „Wir brauchen mehr Transparenz und mehr Kommunikation – nach außen und nach innen“, sagt Resch. „Man kann nicht autoritär führen an einer Uni – man muss die Leute in die Kommunikation und in Entscheidungsprozesse einbeziehen – und man muss delegieren.“ Resch findet: „Man muss die Führung der Uni Stuttgart professionalisieren.“ Dazu gehörten auch klare und nachvollziehbare Strukturen zur Entscheidungsfindung. Er würde gern ein Rektor sein, der „viel kommuniziert und viel zuhört“.

Doch auch nach außen müsse die Uni stärker in Erscheinung treten und „mit den Partnern in dieser Stadt kommunizieren“ – mit den Unternehmen, aber auch mit der Stadt selber. Resch sieht hier auch eine gesellschaftliche Aufgabe, in der aus seiner Sicht der Uni ein aktiverer Part zukommen müsse als bisher. „In der Frage Stuttgart 21 hätte die Uni mit der Stadt kommunizieren müssen“, meint Resch, „wir haben die Kompetenzen – im technischen, aber auch im sozialwissenschaftlichen Bereich“. Auch zu anderen Themen könnte sich die Uni aufgrund ihrer Expertise stärker in die öffentliche Diskussion einbringen, etwa beim Feinstaub oder beim autonomen Fahren. „Das würde auch der Uni gut tun“, davon ist Resch überzeugt, „weil sie aus dieser Stadt viele Impulse kriegen kann“.

Ressels Herausforderer sieht auch Handlungsbedarf bei der räumlichen Situation der Uni

Auch im Blick auf die aus seiner Sicht ­unbefriedigende räumliche Situation der Uni in der Stadt würde Resch gern aktiv werden. Noch immer sei das Problem der zwei Campus ungelöst, davon der eine „fast mitten in der Stadt, aber trotzdem abgeschnitten“, der andere droben in Vaihingen ohne ausreichende Infrastruktur – „da gibt’s kein Leben“. Und auch für eine bessere ­öffentliche Verkehrsverbindung zwischen beiden Campus würde sich Resch einsetzen, etwa durch eine Buslinie. Schließlich habe die Uni eigene Verkehrsplaner.

Dass die Uni weiter an ihrer Attraktivität arbeiten müsse, sei auch im Blick auf sinkende Studierendenzahlen von Bedeutung. In diesem Wintersemester seien die Erstsemesterzahlen erstmals rückläufig gewesen, „das ist ein Alarmzeichen“, findet Resch. Schon heute müsse man deshalb ein Konzept für die Zukunft entwickeln, mit dem man diese Entwicklung kompensieren könne. Ideen dafür hat er schon. Aber um sie umsetzen zu können und unter Beweis zu stellen, dass er seinen Ankündigungen auch Taten folgen lässt, müsste er zunächst Unirat und Senat davon überzeugen, dass er für die Uni die bessere Wahl wäre.

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