Wagner Moura als Pablo Escobar in der Netflix-Serie „Narcos“ Foto: Netflix

Wagner Moura ist wieder als Drogenboss in der Netflix-Serie „Narcos“ zu sehen. Jetzt läuft die zweite Staffel an. Im Interview verrät er, wie sehr er immer noch mit der Rolle kämpft.

Stuttgart - Von diesem Freitag an treibt Wagner Moura als Narco-Chef Pablo Escobarwieder sein Unwesen. Im Interview spricht er über die Schwierigkeiten, eine solche Figur zu spielen.

Herr Moura, wann erfuhren Sie, dass es eine zweite Staffel von „Narcos“ geben würde?
Eigentlich stand das für mich immer außer Frage. Die meisten Schauspieler haben ja nach der ersten Staffel keine Ahnung, ob es weitergeht und was mit ihren Figuren passiert. Aber ich wusste natürlich immer, wie Escobars Geschichte endet, nämlich mit seinem Tod. „Narcos“ fühlte sich deswegen für mich an wie ein einziger, sehr langer Film – und die Zeit zwischen den beiden Staffeln nur wie eine kurze Drehpause.
Wie nähert man sich einer solchen Figur?
Ich habe, vor allem am Anfang, immer versucht, ihn nicht zu verurteilen. Das klingt absurd, denn natürlich weiß ich ganz genau, wer er war und was er verbrochen hat. Aber um ihn zu spielen, musste ich natürlich versuchen, die Person hinter dem Verbrecher zu sehen. Denn natürlich war auch er nur ein Mensch, ein sehr komplexer und eben auch sehr böser Mensch. Als sein Darsteller war es aber eben nicht an mir, sein Tun zu bewerten. Deswegen konnte ich ihn nicht eindimensional als Bösewicht zeigen. Aber eine solche Gratwanderung ist ja die ganze Serie.
In welcher Hinsicht?
Wir mussten immer unsere moralische, ethische Verantwortung im Auge behalten. Die Vorfälle, von denen wir erzählen, sind noch nicht lange her und wirken in Kolumbien bis heute nach. Die Geschichte des Landes ist unterteilt in die Zeit vor und nach Escobar. Wir waren uns immer der Verantwortung für seine Opfer und deren Angehörige bewusst, selbst wenn es sich bei „Narcos“ natürlich nicht um eine Dokumentation handelt. Die Geschehnisse so korrekt und akkurat wie möglich darzustellen, stand allein aus diesem Respekt heraus immer an erster Stelle. Genauso wie wir immer sicherstellen mussten, dass die Serie nicht wie so eine typisch amerikanische Polizisten-Serie gesehen wird, in der zwei coole US-Cops nach Südamerika kommen, um die Menschen von einem Verbrecher zu befreien.
Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Zunächst einmal musste ich natürlich Spanisch lernen. Das konnte ich als Brasilianer vorher nämlich nicht, aber mir war von Anfang an klar, dass ich am ehesten Zugang zu Pablos Welt finde, wenn ich seine Sprache beherrsche. Davon abgesehen habe ich natürlich Bücher gelesen. Viele, wirklich viele Bücher. Denn scheinbar hat wirklich jeder, der jemanden kannte, der jemanden kannte, der Pablo kannte, ein Buch über ihn geschrieben.
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