Katrin Zagrosek ist die geschäftsführende Intendantin der Internationalen Bachakademie Stuttgart, die in diesem Herbst in der neuen Konzertreihe "Hin und weg!" glänzt. Foto: Helge Krueckeberg

"Hin und weg!" – so heißt die neue Konzertreihe der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Katrin Zagrosek, geschäftsführende Intendantin der Bachakademie, stellt das neue Format vor, das in diesem Herbst beginnt.

Der Name "Hin und weg!" darf wörtlich genommen werden. Denn die Reihe führt nicht nur an neue Spielstätten, sie will auch überraschen und erstaunen: Jeweils eine Kantate Johann Sebastian Bachs wird in jedem der Konzerte in neue räumliche Kontexte gesetzt. Hans-Christoph Rademann, Dirigent und künstlerischer Leiter der Internationalen Bachakademie, moderiert und erläutert seinen persönlichen Zugang zur Musik.

Frau Zagrosek, am 17. Oktober heißt es zum ersten Mal "Hin und weg!". Warum brechen Sie auf und verlassen bislang vertraute Wirkungsstätten?

Wir brechen auf, um Bachs Musik, die einst im Kirchenraum erklang, an spannende Orte zu bringen, die nicht primär mit Musik assoziiert werden. Dabei haben wir urbane Orte in Stuttgart gewählt, die Raum für Begegnung schaffen: Begegnung mit der Musik, die in diesen ungewohnten, räumlichen Kontexten neu erfahrbar und durch die Moderation angereichert wird; und Begegnung mit den Künstlern und dem Team der Bachakademie im geselligen Beisammensein nach dem Konzert.

Welche Wechselwirkungen zwischen Musik und Publikum können dadurch entstehen?

In den Wagenhallen, der Domkirche St. Eberhard und dem Kunstmuseum werden die Kantaten Bachs für den Zuhörer im Hier und Jetzt unmittelbar erlebbar. Sie stehen in stetiger Spannung zwischen ihrer eigenen historischen Gebundenheit und den modernen Räumlichkeiten, in denen sie erklingen. Zudem haben wir uns bewusst für kleine Räume entschieden, die eine Atmosphäre des Austauschs und Gesprächs ermöglichen.

Welcher Gedanke steckt dahinter, solch ein Format zu schaffen, das wendiger ist als traditionelle Konzerte?

Wir laden in zeitgemäße Räume ein und verbinden das Konzerterlebnis mit Moderation und Geselligkeit. Damit wollen wir neue Zugänge zur Musik schaffen, auf musikalischer, auf räumlicher und auch auf inhaltlicher Ebene. Mit bewusst niedrigen Kartenpreisen ermöglichen wir allen Menschen, Bachs Musik kennenzulernen oder erneut über seine Musik nachzudenken.

Welche Künstler haben Sie sich für die Premiere eingeladen?

Zur Eröffnung unserer Reihe am 17. Oktober haben wir Künstler eingeladen, die seit vielen Jahren eng mit Hans-Christoph Rademann und der Gaechinger Cantorey verbunden sind: Isabel und Martin Schicketanz – Sopran und Bass – sind Nachwuchssolisten, die sich insbesondere durch Hans-Christoph Rademanns Schütz-Aufnahme einen Namen gemacht haben. Sie sind dem Stuttgarter Publikum von ihren Auftritten mit der Gaechinger Cantorey gut bekannt. Christopher Renz ist Mitglied des Dresdner Kammerchors und der Gaechinger Cantorey und tritt immer wieder als Solist mit diesen Ensembles auf.

Wie viele Folgen sind für die Saison 2019/20 vorgesehen?

In dieser Saison umfasst unsere Konzertreihe drei Folgen. Wir eröffnen die Reihe am 17. Oktober in den Wagenhallen mit der Kantate  "Wachet auf, ruft uns die Stimme" (BWV 140). Am 30. Januar erklingt die Kantate "Ich hatte viel Bekümmernis" (BWV 21) in der Domkirche St. Eberhard und am 2. April schließen wir mit "Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei" im Kunstmuseum Stuttgart – quasi ein musikalisches Pendant zur Ausstellung "Vertigo", die sich mit optischen Täuschungen befasst.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Auf das ungewöhnliche Klangerlebnis, die Schilderungen von Hans-Christoph Rademann und das gesellige Zusammensein am Ende des Konzerts.

Erstes Saisonkonzert der Reihe "Hin und weg!" – "Kantate 140": Eröffnung am 17. Oktober, 19 Uhr, Wagenhallen, Internationale Bachakademie, Tickets 07 11 / 6 19 21 61 sowie online.

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