Antike Feldherren schickten Elefanten in den Kampf. Anfangs brachten die Riesen den Sieg, doch schon bald kannten die Gegner deren Schwachstellen – mit fatalen Folgen für die Angreifer.
Zama/Thapsus - Zama, 202 vor Christus: Seit 16 Jahren tobt der Krieg zwischen Rom und Karthago. Aller Siege des punischen Feldherrn Hannibal zum Trotz hat sich das Blatt gewendet. Roms Legionen stehen vor den Toren Karthagos. Um eine Niederlage abzuwenden, schickt Hannibal 80 Kriegselefanten auf das Schlachtfeld und hofft, den Gegner mit den tonnenschweren Dickhäutern in die Flucht zu schlagen.
Doch die Römer haben unter ihrem Heerführer Scipio Africanus ein Ausweichmanöver einstudiert. Scipio stellt seine Truppen nicht wie sonst in Blöcken, sondern mit durchgehenden Zwischenräumen auf. Die Taktik geht auf. Dank der aufgelockerten Formation können die Elefanten die Reihen der Legionäre nicht in Unordnung bringen. Dafür stoßen leicht bewaffnete Einheiten in die Gassen vor und „attackieren von allen Seiten die eingekreisten Dickhäuter mit Pfeilen und Speeren“, so der römische Historiker Livius. Dass der Angriff der Elefanten gleich zu Beginn des Gefechts wirkungslos verpufft, ist für den Ausgang der Schlacht entscheidend. Zama zerstörte endgültig die Legende von der Unbezwingbarkeit der grauen Kampfkolosse.
Die ersten Kriegselefanten kommen in Indien zum Einsatz
Der früheste Beleg für deren Einsatz im Krieg findet sich im „Mahabharata“, einem um die Zeitenwende niedergeschriebenen, jedoch auf ältere Traditionen zurückgehenden Hindu-Epos. Demnach kämpften Elefanten bereits um 1500 vor Christus auf Schlachtfeldern des indischen Subkontinents.
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Um 400 vor Christus legte eine indische Taktiklehre eine Reihe von Vorschriften fest, wie man die grauen Riesen in der Schlacht am besten einsetzt. Ihnen wurde beigebracht, allerlei Hindernisse zu überqueren, in Formation den Gegner frontal zu attackieren, taktische Manöver im Gelände zu vollziehen, gegen andere Elefanten zu kämpfen – vor allem aber, ihren Körper als Waffe einzusetzen. Ausgebildete Tiere konnten bis zu 30 Kommandos verstehen.
Alexander der Große trifft auf eine Wand aus Elefanten
Die ersten Europäer, die den Giganten erstmals in größerer Zahl auf dem Schlachtfeld begegneten, waren die Männer Alexanders des Großen. 326 vor Christus war der makedonische Welteroberer mit seinem Heer nach Indien aufgebrochen. Am Hydaspes, dem heutigen Jhelum im nördlichen Punjab, sah er sich dann mit einem ganz besonderen Gegner konfrontiert: einer lebenden Wand aus 200 Kriegselefanten, die der indische König Poros aufbot. Die grauen Riesen trugen einen turmartigen Aufbau, von dem aus Speerwerfer und Bogenschützen Angriffe auf den Elefanten zurückschlugen. Im Nacken des Tiers saß der Elefantenführer.
Wozu die Dickhäuter im Stande waren, erzählt der römische Historiker Curtius Rufus: „Die Elefanten töteten viele der Feinde, indem sie diese zertrampelten und ihnen dabei Rüstung und Knochen brachen; andere wurden von ihnen mit dem Rüssel emporgehoben und mit aller Gewalt auf den Boden geschlagen oder mit ihren Stoßzähnen aufgespießt.“
„Irrläufer“ werden mit einem Schlag ins Genick getötet
Allerdings waren die Tiere nicht unbezwingbar – vorausgesetzt, der Gegner traf die richtigen Abwehrmaßnahmen. Die Makedonen reagierten flexibel auf den Ansturm und versuchten entweder die Elefantenführer zu töten oder die Tiere zu verwunden. Dabei profitierten sie von der Sarissa. Dank der vier bis fünf Meter langen Stoßlanze konnten die Makedonen den Tieren mit einem Sicherheitsabstand zu Leibe rücken. Sie fügten den Tieren Stichwunden zu, sodass diese rasend vor Schmerz außer Kontrolle gerieten und die eigenen Reihen niedertrampelten. In diesem Fall, so wird später von den Karthagern berichtet, war der Elefantenführer angehalten, den „Irrläufer“ mit einem Schlag eines Meißels ins Genick zu töten.
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Alexander, von der Nützlichkeit der Elefantenwaffe wenig überzeugt, setzte die Vierbeiner in seinem Heer nur als Lastenträger ein. Ganz im Gegenteil zu seinen Nachfolgern, den Diadochen, die nach Alexanders Tod 323 vor Christus das riesige Reich in wechselvollen Kämpfen unter sich aufteilten und dabei verstärkt Kriegselefanten als taktische Waffen einsetzten.
200 Kilogramm Futter braucht ein Elefant pro Tag
Elefanten zu besitzen, war das eine, sie zu unterhalten, das andere. Laut Aristoteles fraß ein Elefant bis zu 200 Kilogramm Futter am Tag. Elefantenpflegern des Tierparks Hagenbeck in Hamburg zufolge benötigen die Dickhäuter außerdem 80 bis 150 Liter Wasser pro Tag – eine gewaltige Menge, die nur mit enormem logistischen Aufwand beschafft werden kann.
In den westlichen Mittelmeerraum gelangten die Vierbeiner durch Pyrrhos von Epirus. Einem Hilferuf der Stadt Tarent gegen Rom folgend, landete der Söldnerführer 280 vor Christus mit 20 Kriegselefanten in Unteritalien. In drei Schlachten setzte er sie gegen die Römer ein.
Schweine dienen als lebende Fackeln
Die Legionäre, anfänglich noch wie gelähmt vom Anblick der Dickhäuter, begegneten diesen bald mit einer besonderen Strategie, wie Livius berichtet: „Um dem Ansturm der Elefanten die Wucht zu nehmen, zogen sich die römischen Legionäre hinter tiefe und breite Gräben zurück, die sie vor der Schlacht ausgehoben hatten.“ Nun konnten römische Bogenschützen die Vierbeiner aus sicherer Distanz mit Brandpfeilen attackieren.
In die Flucht schlug man die Riesen schließlich mit einer Taktik, die bereits 100 Jahre zuvor die Bewohner der belagerten Stadt Megara angewandt hatten. Da Elefanten sehr empfindlich auf schrille Töne reagieren, bestrich man Schweine mit Pech, zündete sie an und trieb die Tiere auf die feindlichen Linien zu. Quiekend vor Schmerz rasten die lebenden Fackeln auf die Kriegselefanten zu, die darauf panisch kehrtmachten und blindwütig durch die eigenen Reihen trampelten.
Roms Legionäre helfen sich mit Nagelbrettern
Roms Legionäre hatten Mittel und Wege gefunden, wie man sich gegen Elefanten zur Wehr setzen konnte. Folglich waren sie nicht unvorbereitet, als zehn Jahre später in den Karthagern ein noch viel gefährlicherer Gegner auf den Plan trat, der Elefanten in die Schlacht führte. Im Ersten Punischen Krieg – 264 bis 241 vor Christus – setzten die Karthager mehrfach Elefanten gegen die Römer ein, kriegsentscheidend waren diese jedoch nicht. Längst hatte sich herumgesprochen, wie den animalischen Kriegern beizukommen war. Um sich gegen anstürmende Elefanten zur Wehr zu setzen, ließ der römische Konsul Lucius Caecilius Metellus 251 vor Christus Nagelbretter vergraben, in die die Elefanten mit ihren empfindlichen Füßen traten, mit verheerenden Folgen für die Angreifer, die von den eigenen Vierbeinern zertrampelt wurden.
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Ohnehin sind die Tiere empfindlicher, als ihre gewaltige Statur vorgibt − vor allem an Rüssel und Ohren. Nicht umsonst gab Cäsar vor der Schlacht von Thapsus 46 vor Christus die Parole aus, die leicht verwundbaren Körperteile der Dickhäuter zu attackieren, ihnen die Rüssel abzuschlagen und die Beinsehnen zu durchtrennen. Der Erfolg gab ihm recht.
Für die nötige Aggressivität sorgt Wein im Trinkwasser
Eigentlich sind Elefanten von Natur aus wenig aggressiv. Von den Karthagern ist bekannt, dass sie den Tieren vor der Schlacht Wein ins Trinkwasser mischten und sie vor dem Kampf durch Lanzenstiche in Beine oder Fersen reizten.
Nach fast 300 Jahren hatte sich der Elefant als taktische Waffe überlebt, da diese mehr schadete als nutzte. Dafür sorgten immer effektivere Abwehrstrategien. Thapsus war die letzte große Schlacht der Antike mit Beteiligung von Kriegselefanten. Auf den Schlachtfeldern der nun römisch dominierten Welt traf man die Tiere nicht mehr an, dafür aber umso häufiger in den Arenen des Imperiums, wo die grauen Riesen bei „Brot und Spielen“ in nicht weniger blutigen Kämpfen ein sensationslüsternes Publikum bei Laune hielten.