Schottergärten sind pflegeleicht, wirken aber häufig auch etwas trist. Dagegen strahlt ein grüner Garten Lebendigkeit aus. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Geschotterte Gärten sind eine umstrittene Modeerscheinung. Was manche Gartenbesitzer praktisch finden, stößt bei anderen auf Abscheu.

Wäschenbeuren - Ordnung muss sein. Und zugegeben, akkurat sind sie schon, diese Schottergärten, in denen Steine das bestimmende Gestaltungselement sind. Ökologisch sind diese Anlagen allerdings wertlos. In Wäschenbeuren hat sich der Gemeinderat kürzlich mit dem Thema befasst. Die CDU hatte beantragt zu prüfen, ob das Pflanz- und Begrünungsgebot der Landesbauordnung ausreichend ist, um größere Schotterflächen bei der Gartengestaltung zu verhindern. Das Ergebnis der Prüfung fällt ernüchternd aus.

Schotterflächen als Modeerscheinung

„Selbst im ländlich geprägten Wäschenbeuren ist die Modeerscheinung Schotterflächen statt Begrünung angekommen“, erläutert die CDU-Gemeinderätin Claudia Merkt-Heer. Als Agraringenieurin grause sie der Anblick. Ein Verbot wolle die CDU aber nicht, wie sie betont. Stattdessen solle das Bewusstsein der Grundstücksbesitzer geschärft werden. So habe die CDU-Fraktion angeregt, mit den örtlichen Obst- und Gartenbaubetrieben Informationsveranstaltungen und Gartenbesichtigungen zu besonders gelungenen Beispielen pflegeleichter und zugleich naturnaher Gärten anzubieten. „Oftmals fehlt es ja nicht am guten Willen, sondern an einer Anregung“, sagt Merkt-Heer.

Ökologisch nicht wertvoll

Doch wer seinen Rasen im Sommer nicht regelmäßig trimmt, hat schnell die Wildnis vor der Haustür. Hecken und Wiesen, Bäume und Blumen verlangen ständige Pflege. Findige Vorgartenbesitzer ersetzen deshalb gerne den Rasen durch Schotter, denn der sieht immer ordentlich aus, und das bei minimalem Pflegeaufwand. Dass nicht alle Menschen die Schottergärten schön finden, darüber könnte man noch hinwegsehen. Gravierender ist, dass die Schottergärten ökologisch kaum wertvoller sind als reiner Asphalt. Die Steinflächen heizen sich im Sommer auf, bieten Insekten keinerlei Nahrung und trocknen die Böden aus.

Schotterkleingärtner mit einem Bußgeld zu bedrohen, davor schrecken die Behörden allerdings zurück. Denn häufig liegen Schottergärten nahe an Wohnhäusern auf Flächen, die als Bebauungsflächen ausgewiesen wurden. Deshalb liegt die Frage nahe, ob diese Bereiche überhaupt von dem Pflanz- und Begrünungsgebot der Landesbauordnung tangiert sind.

Das Landratsamt will nur gravierende Fälle ahnden

Allerdings enthält die Landesbauordnung kein generelles Gebot, wonach die unbebauten Flächen rund um Häuser Grünflächen sein müssten. Vielmehr besteht diese Verpflichtung nur, „soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden.“ Die Untere Baurechtsbehörde des Landratsamtes hat die Gemeindeverwaltung in Wäschenbeuren wissen lassen, dass sie erst gegen die Schottergärten vorgehe, wenn diese eine gewisse Größe überschritten. Die Baurechtsbehörde entscheide im Einzelfall, ob sie gegen Steingärten einschreitet oder nicht, teilt das Landratsamt mit. Im Regelfall werde sich das aber auf „gravierende Fälle“ beschränken, in denen Steingärten „unnötig groß beziehungsweise zu massiv“ angelegt wurden.

Die Gemeinden können ein Pflanzgebot erlassen

Auf der Basis dieser Information hat sich der Gemeinderat Wäschenbeuren dazu entschlossen, das Thema zunächst mit Samthandschuhen anzupacken. Die Bürgerinnen und Bürger sollten vor allem sensibilisiert werden, erklärt der Bürgermeister Karl Vesenmaier (parteilos). Unabhängig von der Landesbauordnung bestehe die Möglichkeit, dass Gemeinden ein Verbot von Steingärten im Bebauungsplan regeln oder für ein Gebiet eine örtliche Bauvorschrift als Satzung erlassen.

In diesem Fall könnte die Gemeinde selbst tätig werden und das Pflanzgebot von den Eigentümern fordern. Bei der Ausweisung neuer Baugebiete soll es künftig verboten sein, Schottergärten in größerem Stil anzulegen, kündigt der Bürgermeister an.

Ein Verein macht sich stark für entsteinte Gärten

Lebendige Gärten statt toter Kiesflächen, das fordert auch der Verein Förderer der Gartenkultur Illertissen (Landkreis Neu-Ulm) mit der Aktion „Entsteint euch!“. Der Verein warnt vor einem „besorgniserregenden, lebens- und sinnesfeindlichen Trend der pflanzenlosen Gärten“ und bietet Anleitungen zur Renaturierung. Die Aktion wurde in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gartenkultur und der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Neu-Ulm im Jahr 2015 auf den Weg gebracht.

Meist sei es gar kein Kies, der diesen Gärten neuen Typs ihren unverdienten Namen gebe, sondern scharfer, gebrochener Schotter oder andere anorganische Schüttungen. Unabhängig vom Material – wenn die Steinepest im Garten wüte, verschwinde dafür das Grün, erklärt das Bündnis. Und dabei würden Gartenkultur, Gartenwissen und die Lebensgrundlage für zahlreiche Tierarten verloren gehen: für Bienen, Schmetterlinge, Vögel, Insekten und die wertvollen humusbildenden Kleinlebewesen in der Gartenerde.

Die Steinflächen, auf denen kein Sauerstoff mehr gebildet wird, wirkten sich auch auf das Mikroklima aus: Im Sommer könne keine kühlende Verdunstungskälte angenehmes hausumgebendes Mikroklima erzeugen, und im Winter fehle der wärmende Windschutz durch die Bepflanzung.

Kontakt
: Förderer der Gartenkultur e. V., Jungviehweide 1 in 89257 Illertissen. Dort befindet sich auch das Museum der Gartenkultur, das von der gleichnamigen Stiftung getragen wird.

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