Zwingt das Heizungsgesetz zur Wärmepumpe? Foto: IMAGO / Shotshop Foto: IMAGO / Shotshop

600 statt 9000 Euro: In anderen Ländern wird für Wärmepumpen weit weniger Geld verlangt als in Deutschland. Warum ist das so?

Thomas Müller-Rörich ist so etwas wie ein Energiewende-Musterbürger. Der 70-jährige Rentner aus Erdmannhausen bei Stuttgart fährt ein Elektroauto und produziert mit einer Photovoltaikanlage seinen eigenen Ökostrom. Was jetzt noch fehlt, ist eine Wärmepumpe, um sein Einfamilienhaus umweltfreundlich zu heizen. Nicht nur dem Klima zuliebe will der frühere Unternehmer seine Gastherme durch eine Wärmepumpe ersetzen. Müller-Rörich befürchtet zudem, dass die Kosten fürs Gas immer weiter explodieren, weil mehr und mehr Haushalte umsteigen und die verbliebenen Kunden irgendwann allein den Preis fürs Gasnetz tragen.

 

Große Preissprünge bei Wärmepumpen

Doch als sich der Rentner Anfang des Jahres Angebote für Wärmepumpen einholt, fällt er aus allen Wolken: In einem Fall beläuft sich ein erster Kostenvoranschlag auf 60 000 Euro für eine Wärmepumpe samt Einbau. „Da sind die Geldgeier unterwegs. Das ist doppelt so viel wie der Durchschnittspreis“, sagt Müller-Rörich. Nach Abzug der Förderung hätte er in seinem Fall noch 45 000 Euro für die neue Heizung zahlen müssen.

Eine Erklärung für den Preissprung hat der 70-Jährige nicht: „Es gibt überhaupt keine Besonderheiten an meinem Haus.“ Vielmehr vermutet Müller-Rörich hinter den höheren Kosten einen „Angstaufschlag“, den unerfahrene Betriebe ansetzten, weil die Installation einer Wärmepumpe unwägbarer sei als bei einer Öl- oder Gasheizung. „Ich denke, dass vielen Handwerksbetrieben die Technik zu komplex ist“, sagt er.

Wirken Wärmepumpen-Förderprogramme preistreibend?

Müller-Rörich ist kein Einzelfall. Wer eine Wärmepumpe installieren will, muss laut Bundesverband Wärmepumpe mit Investitionskosten zwischen 25 000 und 35 000 Euro rechnen. Ein großer Prozentsatz der Kosten – bis zu 70 Prozent – wird zwar vom Staat gefördert. Doch: „Wir beobachten im deutschen Markt eine große Preisspreizung“, sagt Peter Kafke, Teamleiter Energieberatung beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). „Die Preise differieren durchaus um mehr als einen Faktor zwei für das gleiche Produkt in gleicher Einbausituation und sie unterscheiden sich auch regional.“

Woher kommen diese Preisunterschiede? An den Kosten der Geräte selber kann es kaum liegen, diese seien vergleichsweise gering. Aber: „Die Spanne der Vertriebskette und – vor allem – die Preisgestaltung des ausführenden Handwerks sind dominant“, sagt Verbraucherschützer Kafke. Der Experte ergänzt: „Natürlich wirken Förderprogramme preistreibend. Sie erhöhen die Bereitschaft der Kunden, überteuerte Angebote anzunehmen, weil die zusätzlichen Kosten nur teilweise selbst getragen werden müssen.“ Insofern sei die Deckelung der maximal anteilig geförderten Kosten auf 30 000 Euro „aus Verbrauchersicht und vor allem aus Sicht der Steuerzahler zu begrüßen.“

Warum die Wärmepumpe in England günstiger ist

Deutschland ist das einzige Land, in dem die Förderung prozentual zum Kaufpreis gezahlt wird. Je teurer eine Anlage wird, desto mehr Förderung gibt es. In anderen Ländern sind es feste Beträge – das erzeugt einen Preisdruck. Der Preisunterschied fällt besonders bei Anbietern auf, die sowohl in Deutschland als auch bei unseren Nachbarn Wärmepumpen einbauen.

Bei der Firma Octopus Energy zum Beispiel liegt der Preis für eine durchschnittliche Installation in Deutschland aktuell bei etwa 30 000 Euro – und damit bei maximaler Förderung bei 9000 Euro. In England hingegen installiert das Unternehmen zu Preisen von etwa 8000 Pfund (9600 Euro). Das entspricht einem Preis von 500 Pfund (600 Euro) nach der Förderung, die dort 7500 Pfund (9000 Euro) beträgt.

Wärmepumpe im Preisvergleich

  • Installation in Deutschland (Octopus Energy):

    • Durchschnittlicher Preis: 30.000 Euro
    • Preis nach maximaler Förderung: 9.000 Euro
  • Installation in England (Octopus Energy):

    • Durchschnittlicher Preis: 8.000 Pfund (9.600 Euro)
    • Förderung: 7.500 Pfund (9.000 Euro)
    • Preis nach Förderung: 500 Pfund (600 Euro)

Was die Wärmepumpe teuer macht

Bastian Gierull, Geschäftsführer von Octopus Energy in Deutschland, erklärt den Preisunterschied damit, dass die Häuser in England einfacher aufgebaut und standardisierter seien. Das verringere Materialkosten etwa für Rohre, Elektrik oder das Fundament und habe weniger Installationsstunden zur Folge. Als weiteren Grunde nennt Gierull niedrigere Personalkosten in England. Das liege auch an Vorschriften – etwa den erforderlichen Qualifikationen – sowie der geringen Zahl an Handwerkern in Deutschland. „Der Fachkräftemangel wirkt sich hier auf den Installationspreis aus.“

Zudem seien in Deutschland die Materialkosten signifikant höher. „Dies liegt nicht nur an den strengen Vorschriften, sondern auch daran, dass viele Hersteller hohe Margen aufschlagen“, betont der Octopus-Geschäftsführer. Aber auch die Installateure arbeiteten hierzulande oft mit hohen Margen und überhöhten Preisen. „Das geschieht entweder, weil sie es sich erlauben können, oder weil ihnen die Erfahrung mit Wärmepumpen fehlt, was den Installationsprozess unnötig verteuert.“

Wärmepumpe wird auch hier günstiger

Für die Nachfrage sei wichtig, dass der Diskurs rund um Wärmepumpen sachlicher werde. „Wärmepumpen sind die beste Heiztechnologie, die wir haben. Über die gesamte Lebensdauer gerechnet, sind sie deutlich günstiger als Öl oder Gas, auch ohne Solar auf dem Dach“, betont Gierull. Zudem sei lange widerlegt, dass Wärmepumpen im Altbau, ohne Fußbodenheizung oder bei Minusgraden nicht funktionierten.

Verbraucherschützer Peter Kafke bezweifelt, dass sich die deutschen Preise für Wärmepumpen den britischen Preisen angleichen. „Wir gehen allerdings davon aus, dass, wenn die politisch, nicht technisch bestimmten deutschen Debatten um die Wärmepumpe endlich ausgestanden sind und Lagerhaltung, Absatz und Markt sich stabilisieren, die Preise wieder deutlich fallen“, sagt er. Darauf hofft auch Hausbesitzer Müller-Rörich, der der Wärmepumpe noch eine Chance geben will.

Dieser Artikel erschien erstmals am 19.11.2024 und wurde am 10.02.2025 aktualisiert.