Um städtische Gebäude und Angrenzer künftig möglichst klimaneutral zu versorgen, plant die Stadt, eine Heizzentrale im Herzen von Echterdingen zu bauen. Ihr Name und auch ihr Aussehen erregen die Gemüter.
Die Heizzentrale, die im Herzen von Echterdingen gebaut werden soll, wird die Blicke auf sich ziehen. Das steht fest. Zumindest dann, wenn die aktuellen Pläne so umgesetzt werden. Das Gebäude soll, wenn es nach der Stadtverwaltung geht, fortan Energiescheuer heißen und mit Holzfassade und Scheunentor den Charakter einer traditionellen Scheune erhalten, um einen Bezug zu den umliegenden historischen Gebäuden zu schaffen. „Viel zurückhaltender kann man ein Gebäude nicht planen“, sagt Peter Friedrich, der Stadtwerkechef von Leinfelden-Echterdingen.
„Es wurde bewusst ein renommiertes Architekturbüro ausgewählt, um die Energiezentrale stimmig einzugliedern“, schreibt Bürgermeister Benjamin Dihm unserer Zeitung auf Nachfrage. Die Scheuer soll etwas zurückversetzt hinter dem Alten Schulgebäude und damit der Gaststätte Paulaner entstehen. Für Fußgänger, die von der Bernhäuser Straße kommen, soll sie so erst spät sichtbar sein. Das Technikgebäude wird Solewärmepumpen, ein Blockheizkraftwerk, einen Trafo, hydraulische Anlagen, einen Pufferspeicher und Luftwärmepumpen beherbergen.
Der FDP-Stadtrat Wolfgang Haug regt sich schon allein über den Namen Energiescheuer auf. „Das ist eine Beschönigung“, sagt er. Der Mann, der auch ehrenamtlicher Museumsleiter in Echterdingen ist, sagt zwar: „Wir brauchen eine Energiezentrale.“ Er stellt den Schritt der Stadt und der Stadtwerke in Richtung eines klimaneutralen Wärmenetzes nicht in Frage. Er hat auch gegen die technischen Details der Heizzentrale nichts einzuwenden, stört sich aber an „der seltsamen Konstruktion“ – und ist „richtig sauer“.
Die historische Mitte „soll nicht verschandelt“ werden
Die angedachte Kubatur sei viel zu dominant, erklärt er. Der geplante Neubau habe die Anmutung eines Krematoriums und nicht die eines funktionalen Gebäudes. Er passe nicht zu den denkmalgeschützten und stadtteilprägenden Häusern in diesem Gebiet. Eine Diskussion über die Gebäudeform habe es bisher nicht gegeben, betont er. Haug vermisst auch eine echte Bürgerbeteiligung in dieser Sache. Die Freie Wähler/FDP-Fraktion hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung deshalb beantragt, den Beschlussantrag entsprechend zu ändern, was die anderen Fraktionen auch abgesegnet haben. Die Stadtverwaltung muss dem Gemeinderat nun ein ergänzendes Papier zur Gestaltung der Energiezentrale in einer der nächsten Sitzungen präsentieren. „Die historische Mitte soll nicht durch dieses Gebäude verschandelt werden“, erklärte der Fraktionschef Eberhard Wächter den Vorstoß. „Wir wollen, dass die Bevölkerung erfährt, wie das Gebäude aussieht.“
Die neue Heizungsanlage soll städtische Gebäude klimaneutral versorgen und auch Angrenzer an das Nahwärmenetz anschließen. Dafür wird geothermische Energie aus einem Erdwärmesondenfeld eingesetzt. Das Blockheizkraftwerk auf Biogasbasis erzeugt gleichzeitig Strom und unterstützt die Wärmepumpenanlage. Treibhausgasemissionen sollen so reduziert werden.
Auch die Echterdinger Zeppelinschule, die gerade umgebaut und erweitert wird, soll im Herbst 2026 an dieses Netz angeschlossen werden – eine kostspielige Übergangslösung mit fossilen Energien werde dadurch vermieden, betont die Verwaltung von Leinfelden-Echterdingen. Das Ziel sei, den Zeitplan zur Versorgung der Schule einzuhalten.