Erst langsam machen es auch andere Bundesländer zur Pflicht, dass Städte Wärmepläne erarbeiten – in Baden-Württemberg werden bis Ende des Jahres schon für 60 Prozent der Bevölkerung solche Pläne vorliegen. Den Bürgern ermöglicht das Planungssicherheit im Heizungskeller.
Nun trudeln sie langsam ein: Bis zum Jahresende müssen alle 95 Großen Kreisstädte sowie die neun kreisfreien Städte in Baden-Württemberg ihren Regierungspräsidien einen Wärmeplan zur Begutachtung vorlegen. Die ersten haben ihre Hausaufgaben schon gemacht, etwa Baden-Baden, Tübingen oder Giengen an der Brenz. Die meisten anderen Städte, sagt Claudia Hailfinger vom Umweltministerium, werden ihre Pläne fristgerecht abgeben.
Aber selbst die letzten im Südwesten werden noch zu den ersten in Deutschland gehören. Denn Baden-Württemberg darf sich in diesem Punkt gehörig auf die Schultern klopfen – so früh hat kein anderes Bundesland eine Wärmeplanung zur Pflicht gemacht. In Schleswig-Holstein etwa müssen die Pläne erst Ende 2024 fertig sein, in Hessen Ende 2026. Und Robert Habeck hat mit dem Heizungsgesetz ja nun angeordnet, dass alle Kommunen im Bund ab 10 000 Einwohnern so etwas bis Ende 2028 vorweisen müssen.
Nur die Planung ist verpflichtend, nicht die Umsetzung
Sinnvoll ist ein Wärmeplan natürlich. Denn immerhin 40 Prozent der gesamten produzierten Energie in Deutschland wird in Form von Wärme benötigt. Es braucht deshalb gute Kenntnisse der aktuellen Infrastruktur und einen noch besseren Plan, um Wärmenetze anzulegen und Kraftwerke mit regenerativen Quellen zu bauen. Die Landesumweltministerin Thekla Walker (Grüne) spricht zudem von einem großen Wissensvorsprung der Bürgerinnen und Bürger: Die meisten wüssten bald, ob ein Wärmenetz zu ihnen kommt oder nicht. „Diese Investitionssicherheit ist bundesweit einmalig“, so Walker.
Zu den 104 großen Städten sind mittlerweile 157 Gemeinden hinzugekommen, die freiwillig einen Wärmeplan erstellen; dafür werden sie mit bis zu 80 Prozent an Zuschüssen belohnt. So kommt es, dass Ende des Jahres im Südwesten bereits für knapp 60 Prozent der elf Millionen Einwohner ein Plan existieren wird. Bis 2026 sollen es 80 Prozent werden.
Aber klar: Umgesetzt ist noch ganz wenig von den Ideen und Projekten. Ein Pferdefuß der Wärmepläne ist nämlich, dass nur die Erstellung verpflichtend ist, nicht aber die Verwirklichung. Manche Pläne werden deshalb womöglich nur in den Schubladen Staub ansetzen. Doch vermutlich dürfte die grundsätzliche Dynamik nicht mehr zu stoppen sein.
Freiburg und der Landkreis Lörrach sind ebenfalls Pioniere
In Freiburg, eine Vorreiterkommune wie Bruchsal, liegt der Plan schon seit fast zwei Jahren vor. Derzeit wird daran gearbeitet, die Abwärme der Molkerei Schwarzwaldmilch zu nutzen und in ein Fernwärmenetz einzuspeisen. Wie Bruchsal ist auch Freiburg geologisch begünstigt, und deshalb hat der Energieversorger Badenova Wärmeplus das Projekt einer Geothermieanlage bereits angepackt – derzeit werden die Daten der 3D-Messungen ausgewertet, um möglichst noch in diesem Herbst den Standort für das Kraftwerk zu bestimmen. Ziel ist es, bis 2035 rund 40 Prozent der grünen Wärme aus der Geothermie zu beziehen.
Zu den Pionieren darf sich auch der Landkreis Lörrach zählen. Laut der Klimaschutzbeauftragten Inga Nietz ist Lörrach der erste Landkreis in ganz Deutschland, der bereits einen Wärmeplan besitzt. Das Besondere dort ist, dass sich 35 Kommunen zu einer gemeinsamen Planung zusammengeschlossen haben. Und: Wegen der hohen Industriedichte aber Oberrhein hätte der Landkreis das Potenzial, 40 Prozent der benötigten Wärme im Wohnsektor durch industrielle Abwärme zu decken. Auch die Tiefengeothermie ist dort ein Thema.
Ein wichtiges Thema ist in vielen Plänen die Steigerung der Effizienz. Der Landkreis Lörrach etwa peilt das Ziel an, die Wärmemenge bis 2040 um ein Drittel zu reduzieren. Damit das gelingt, müssten viel mehr Häuser als bisher energetisch saniert und viel mehr veraltete Heizungen ersetzt werden. Auch die Industrie sollte Wärme einsparen.
Tübingen setzt auf Abwasserwärme und Solarthermie
Ausnahmsweise einmal nicht Vorreiter ist Tübingen, auch wenn der Wärmeplan der Stadt nun seit April fertiggestellt ist. Allerdings hat die Stadt am Neckar einen großen Vorteil: Schon heute beträgt der Anteil der Nah- und Fernwärme am Wärmebedarf 40 Prozent. Anderswo sind es oft nicht einmal fünf Prozent, bundesweit sind es bei 14 Prozent. Die starke positive Entwicklung in Tübingen liege darin begründet, so Stadtsprecherin Nicole Romey, dass kommunale Gebäude sich als „Ankernutzer“ zur Verfügung stellten und dass es in neuen Quartieren auch Anschluss- und Benutzungspflichten gebe.
Viel Arbeit steht in Tübingen dennoch an. Denn die Wärmenetze werden bisher nur zu einem Viertel mit Wärme aus regenerativen Quellen beliefert. Da die tiefe Geothermie in Tübingen nicht möglich ist, setzt die Stadt auf eine Großwärmepumpe in der Kläranlage, eine große Solarthermieanlage und ein Holzheizwerk.