Die Stuttgarter Wärmeplanung beschäftigt auch die Umweltministerin Thekla Walker. Foto: Judith A. Sägesser, Lichtgut/Max Kovalenko, dpa

Mitte 2026 ändern sich die Regeln für den Heizungstausch in Stuttgart. Sollte dann nicht verbindlich feststehen, wo Wärmenetze entstehen, kann das zum teuren Problem werden.

Seit etwas mehr als einem Jahr steht fest, wo in Stuttgart Wärmenetze gebaut werden könnten. Betonung auf könnten, denn die städtische Wärmeplanung ist momentan eine Absichtserklärung und damit nicht mehr als ein unverbindlicher Vorschlag. Das wird mit jedem weiteren Monat, der verstreicht, zum drängenderen Problem. Denn Mitte 2026 ändern sich die gesetzlichen Regelungen für den Heizungstausch in Stuttgart.

 

Nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) müssen neue Heizungen in Städten ab 100 000 Einwohnern ab 1. Juli 2026 zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Für Stuttgarter, deren Heizung dann kaputt geht, bedeutet das: Wer sein Haus in einem Netzgebiet der Wärmeplanung wieder findet, muss trotzdem auf eine Einzellösung setzen. Übergangslösungen sind nur dann gestattet, wenn ein Vertrag mit dem künftigen Netzbetreiber vorliegt. In Stuttgart ist dies bisher nicht der Fall.

Einzellösungen sind zum Beispiel Wärmepumpen, aber auch eine Pellet-Heizung gehört dazu. Foto: dpa/Roberto Pfeil

In dem Schreiben prangert das Bündnis auch die Unverbindlichkeit der Wärmeplanung an. „In Stuttgart sind noch nicht einmal die Zielkosten für einen Hausanschluss und die jährlichen Verbrauchskosten bekannt.“

„Wäre nicht serös, Kostenspannen zu nennen“

„Prognosen zu Zielkosten sind nicht machbar, da bei jedem Wärmenetz die Rahmenbedingungen und Parameter sehr unterschiedlich sind“, sagt der Stadtwerke-Sprecher Stephan Stegmann auf Anfrage. „Es wäre daher nicht seriös, Beträge oder Kostenspannen zu nennen.“

Die Wärmenetze in Stuttgart sollen auch von den Stadtwerken umgesetzt werden, aber nicht nur. „Die Stadtwerke Stuttgart werden nicht sämtliche Wärmevorhaben der Landeshauptstadt umsetzen können, es braucht hierfür weitere Akteure“, so der Stadtwerke-Sprecher. Die Frage, ob es bis Mitte 2026 eine Verbindlichkeit gibt, lässt er unbeantwortet.

Der offene Brief geht zudem auf den Rechtsstreit zwischen Stadt Stuttgart und EnBW wegen des Fernwärmenetzes ein. Der Zwist bremse die Wärmewende in Stuttgart, heißt es im offenen Brief. Das betreffe den Ausbau bestehender Netze, aber auch große Wärmequellen wie den Neckar. Vor allem an die Landespolitik wird appelliert, auf die EnBW einzuwirken.

Nach der potenziellen Neckarwärme hatte sich jüngst auch Katrin Steinhülb-Joos, Landtagsabgeordnete der SPD, beim Umweltministerium erkundigt. Ob diese Energiequelle ausreichend in die Wärmeplanung der Stadt Stuttgart einbezogen worden sei. „Die Potenziale von erneuerbaren Energiequellen, darunter auch die Nutzung von Flusswasserwärme und die Nutzung von Abwasserwärme, werden im kommunalen Wärmeplan der Landeshauptstadt Stuttgart adressiert“, heißt es dazu in der Antwort der Ministerin Thekla Walker.

Steinhülb-Joos hatte mehrere Fragen ans Ministerium zur Plausibilität der Stuttgarter Wärmeplanung gestellt. „Zahlreiche Verbände und Expertinnen und Experten sehen großen Verbesserungsbedarf“, so die Landespolitikerin in ihrer Kommentierung. Sie verstehe außerdem nicht, „warum Gebiete mit sehr hoher Wärmedichte wegen komplexer Eigentümerstrukturen nicht als Wärmenetzeignungsgebiete ausgewiesen wurden“.

Am 31. März soll es nach Informationen unserer Redaktion einen Gesprächstermin geben zwischen Vertretern der Aktion Wärmewende und des Amts für Umweltschutz. Zu einem Austausch auf Bürgermeister-Ebene, wie gewünscht, war es nicht gekommen.