Die chinesische Währung Yuan steigt in die Top fünf der wichtigsten Währungen auf. Foto: AFP

Die Bedeutung der chinesischen Währung erhält an diesem Wochenende einen enormen Schub. Der Yuan gehört von Samstag an in die Liste der Arbeitswährungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Das chinesische Geld steigt damit neben US-Dollar, Euro, britischem Pfund und japanischem Yen in den Club der fünf wichtigsten Devisen auf.

Peking - Die Bedeutung der chinesischen Währung erhält an diesem Wochenende einen enormen Schub. Der Yuan gehört von Samstag an in die Liste der Arbeitswährungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Das chinesische Geld steigt damit neben dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund und dem japanischen Yen in den Club der fünf wichtigsten Devisen auf. „Es handelt sich um einen Meilenstein für die Neugestaltung des Weltfinanzsystems“, sagte IWF-Direktorin Christine Lagarde.

Aus der Sicht Chinas kommt Anerkennung zum richtigen Zeitpunkt

Aus chinesischer Sicht kommt die Anerkennung zum richtigen Zeitpunkt. Das Land ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und größte Handelsnation. Chinesische Firmen treten rund um den Globus als besonders finanzkräftige Investoren auf – das zeigen auch die hohen Gebote für deutsche Firmen wie den Roboterhersteller Kuka. Nun will China seinen gewaltigen Einfluss auf die Weltwirtschaft nutzen, um die eigene Währung nach vorn zu bringen. Langfristig soll sie sogar einmal dem Dollar Konkurrenz machen. Konkret wird der Yuan zunächst Teil des Korbs für Sonderziehungsrechte des IWF. Dahinter verbirgt sich eine künstliche Währung, die es seit 1969 gibt. Sie leitet ihren Wert aus Zahlungsversprechen der unterstützenden Nationen ab. Ursprünglich sollten die Sonderziehungsrechte das Gold als Anker der internationalen Finanzbeziehungen ablösen. Doch sie haben in der Praxis nie den Status des Weltgelds erreicht, den ihre Schöpfer sich vorgestellt hatten. Stattdessen hat der Dollar seine Stellung als Leitwährung zementiert. Geschäftsleute weltweit rechnen in US-Geld ab, selbst wenn beide Handelspartner eine andere Landeswährung verwenden. Zentralbanken investieren ihre Überschüsse in Dollar. Der Preis für Öl, Gold und andere Rohstoffe ist in Dollar notiert.

Euro kein echtes Gegengewicht zum Dollar

Die Hoffnung, der Euro werde eine ähnliche Bedeutung erreichen und zu einem echten Gegengewicht für den Dollar werden, haben sich mit Beginn der europäischen Dauerkrise zerschlagen. Das chinesische Engagement hilft dem Währungsfonds nun dabei, zumindest etwas von der Dominanz des Dollar wegzubekommen. „Der IWF ist überzeugt, dass die Aufnahme des Yuan die Relevanz der Sonderziehungsrechte stärkt“, schreiben Ökonomen der Großbank HSBC. Die Auftritt der reichen, selbstbewussten Wirtschaftsmacht China steigere die Hoffnung für eine vielfältigere Währungsordnung, die nicht allein von Washington kontrolliert wird. Denn ein Finanzgefüge, das sich an der Währung eines einzigen Landes orientiert, hat erhebliche Nachteile.

Finanzkrise 2008 hat gerade in armen Ländern erhebliche Schäden angerichtet

Das hat spätestens die Finanzkrise von 2008 gezeigt, als die hausgemachten Krankheiten der USA binnen Tagen alle wichtigen Volkswirtschaften rund um den Globus infiziert haben und gerade in armen Ländern erhebliche Schäden angerichtet haben. Die Amerikaner können sich als Inhaber der Leitwährung weitgehend straflos verschulden. Da die Zentralbanken weltweit ihre Reserven in amerikanische Staatsanleihen anlegen, geben sie Washington damit zugleich gigantischen Kredit. Der gleiche Mechanismus führt dazu, dass Exportländer wie China ihre Handelsüberschüsse in Dollar-Anleihen anlegen. Daher erhalten die USA sogar ihre gigantischen Warenlieferungen aus Fernost praktisch umsonst.

Der Währungsfonds, die Europäer und die Japaner haben nun ein gemeinsames Interesse daran, die auf den Dollar ausgerichtete Weltordnung aufzubrechen, sagen die HSBC-Ökonomen. Der chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan fordert bereits, die Sonderziehungsrechte zu einer neutralen Leitwährung auszubauen, „die von den Interessen eines einzelnen Landes unabhängig ist“. Er hat dabei nicht konkret gesagt, welches Land er meint, aber Kennern der Materie war sofort klar, was gemeint ist.

Washington weißt Idee als absurd zurück

Washington hat die Idee sofort als absurd zurückgewiesen – ein Zeichen dafür, dass Zhou einen wunden Punkt getroffen hat. China handelt jetzt schon mit vielen Ländern direkt in Yuan und umgeht damit die Dominanz des Dollar. Doch im Gesamtbild haben weder der Yuan noch die Sonderziehungsrechte die nötige Bedeutung erreicht, um an der Stellung der US-Währung zu kratzen. Die Zentralbanken halten bisher in Form von Sonderziehungsrechten nur Reserven im Wert von 200 Milliarden Dollar. Im Vergleich zu den Summen, die jede Sekunde durchs Weltfinanzsystem flitzen, ist das nur Taschengeld. Jetzt ist China selbst gefragt, um daran etwas zu ändern. Bisher ist der Yuan eine gelenkte Währung und zudem eng an den Dollar gebunden. „China muss nun größere Kursschwankungen akzeptieren“ und Angebot und Nachfrage eine größere Rolle geben, fordern die HSBC-Ökonomen. Denn wenn der Yuan wie bisher parallel zum Dollar schwankt, dann nützt er zur Streuung von Geldanlagen nichts. Die Aufnahme in den Währungskorb sollte nun ein Ansporn für Peking sein, die Reformen zu beschleunigen.

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