Der erste offizielle Wacken-Whisky, gebraut in der Fessler-Mühle in Sersheim. Foto: factum/Andreas Weise

Der Whisky der Familie Fessler aus Sersheim sorgt für Furore: Die Spirituosen aus dem Kreis Ludwigsburg erfreuen sich mittlerweile sogar in Schottland einiger Beliebtheit. Und auch die Macher des Wacken-Festivals sind auf den Geschmack gekommen.

Sersheim - Das Heavy-Metal-Festival Wacken steht bei den meisten Familien wahrscheinlich nicht auf der Liste der gemeinsamen Ausflugsziele ganz oben. Wie auch? Auch wenn die Headbanger oft viel zahmer sind, als sie aussehen, für Kinder ist es eher nichts. Aus dem Alter, als er sich vor Männern mit langen Haaren und rauschenden Bärten gefürchtet hat, ist Tobias Fessler (31) aber raus. Da auch sein Vater Wolfgang, Jahrgang 1955, großer Musikfan ist und mit harten Gitarrenriffs etwas anfangen kann, hat sich das Vater-Sohn-Gespann schon des Öfteren auf den Weg nach Schleswig-Holstein gemacht.

 

Dort lief ihnen irgendwann der Festival-Gründer Thomas Jensen über den Weg. Die umtriebigen Fesslers, beide nicht auf den Mund gefallen, packten die Gelegenheit beim Schopfe und erzählten Jensen von ihrer kleinen Whisky-Brennerei in Sersheim (Kreis Ludwigsburg) und luden den Wacken-Organisator ein. Wie es der Zufall wollte, hat Jensen Familie in der Region, er kam in der „Fessler mill“ vorbei – und dem Whisky der Männer aus Sersheim war er offenbar zugetan. So sehr, dass die Brenner aus dem Schwabenland die Lizenz für den ersten offiziellen Wacken-Whisky bekamen. Auch wenn das Open-Air, zu dem alljährlich über 70 000 Metaller aus der ganzen Welt strömen, im vergangenen Jahr gar nicht stattfand und auch in diesem Jahr überhaupt nichts sicher ist, einen Anlass für die Kooperation und die besondere Bühne für den Whisky gab es dennoch: Die Fessler Mühle, zu der die Destillerie gehört, feiert in diesem Jahr ihren 625. Geburtstag.

Ein milder Whisky für die breite Masse

Eine normale Feier kam in der Pandemie nicht in Frage, aber „Alkohol geht ja noch“, sagt Wolfgang Fessler pragmatisch. Deshalb gibt es in diesem Jahr mehrere Whisky-Sondereditionen – ein Geschenk der Fesslers an die Freunde der Spirituose sozusagen. Den Anfang machte der Wacken-Whisky.

Nicht irgendein Destillat haben Wolfgang und Tobias Fessler natürlich in die Flaschen mit dem kultigen Kuhschädel-Logo des Open-Airs gefüllt. Aus verschiedenen Whiskys mischten sie den edlen Tropfen. Die Bestandteile hatten in gebrauchten schottischen Whisky- und Weinfässern von Weinbauern aus der Region sowie in einem gebrauchten Fass der weltbekannten Destille Laphroaig in Schottland gelagert.

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Auf dem Etikett der Flasche steht nun zwar „harder“, was sich allerdings auf den Slogan des Wacken-Open-Airs („Faster. Harder. Louder.“) und nicht etwa auf den Inhalt der Flasche bezieht. „Wir wollten einen Whisky auch für den machen, der sonst eher kein Whiskytrinker ist“, sagt Tobias Fessler. Er hat die Erfahrung gemacht, dass milde Whiskys bei der breiten Masse besser ankommen. Das zeigte sich auch beim Wacken-Whisky, wobei sich viele Fans die Flasche auch sicherten, um sie ins Regal zu stellen.

Die Wacken-Sonderedition war im Nu vergriffen

Die 2000 Flaschen der Sonderedition waren heiß begehrt. Es sind nur noch einige wenige übrig, sie werden im Hofladen verkauft – oder für besondere Anlässe aufgehoben. Wer hofft, dass die Fesslers den Tropfen ein zweites mal herstellen, der hofft vergeblich. Eine zweite Charge wird es nicht geben, denn für die Masse produzieren die Sersheimer nicht. In ihrem Sortiment gibt es nur einen Whisky, der immer gleich schmeckt.

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Dafür bekommen die Kunden ein Produkt, das regionaler kaum sein könnte. Das Wasser stammt von einem Mineralwasserhersteller, der im nächsten Ort produziert, das Getreide bauen die Fesslers selbst an – und den Strom für die Whiskyproduktion erzeugen eine Fotovoltaikanlage und eine Wasserturbine. Besonders am Whisky aus Sersheim ist auch, dass die Macher das Getreide selbst verarbeiten können – Vater und Sohn sind schließlich Müllermeister. „Wir verwenden auch mal Getreide, mit dem sonst selten gebraut wird“, sagt Wolfgang Fessler. In der Maische landen dann beispielsweise Hafer, Roggen oder Ur-Getreide.

Ein schottischer Geschäftsmann ordert regelmäßig die Spirituose aus dem Schwabenland

Das gold-braune Getränk hatte zunächst Tobias Fessler in seinen Bann gezogen. Statt Bier und Wein wurde in seinem Freundeskreis häufig Whisky getrunken. So wuchs die persönliche Sammlung von Flaschen aus der ganzen Welt – und das Wissen über das Getränk. Irgendwann überlegten Vater und Sohn, wie man den Betrieb, zu dem neben der Mühle auch ein Fitnessstudio und eine Kleinkunstbühne gehören, erweitern könnte. „Wir wollten noch was in Richtung Genuss machen“, sagt Wolfgang Fessler.

Als einer seiner Feuerwehrkameraden starb und eine Brennlizenz frei wurde, übernahmen die Fesslers diese. Tobias Fessler hospitierte bei einigen bekannteren Destillerien in Süddeutschland und lernte von erfahrenen Whiskyproduzenten. Inzwischen ist der Fessler-Whisky weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Selbst im Heimatland Schottland, wohin die Sersheimer enge Kontakte pflegen, schätzt man den Tropfen aus dem Schwäbischen. „So schlecht kann unser Whisky also nicht sein“, sagt Wolfgang Fessler.