Der Energieversorger benötigt vor allem für die Wachstumsbereiche Netzgeschäft und erneuerbare Energien Personal. Mehr als 400 Azubis beginnen im September ihre Ausbildung.
Stuttgart - Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) ist auch in der Corona-Krise auf Wachstumskurs und will die Zahl der Mitarbeiter weiter erhöhen. Bis Ende 2022 sollen noch weit über 3000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, vor allem für das Netzgeschäft und den Bereich erneuerbare Energien. Das kündigte EnBW-Chef Frank Mastiaux im Interview mit unserer Zeitung an. „Beim Breitbandausbau können wir zum Beispiel gar nicht schnell genug Fachleute einstellen, wie es Nachfrage gibt. Wir haben in Baden-Württemberg bereits 15 000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt“, sagte Mastiaux.
Die EnBW beschäftigt derzeit 23 700 Mitarbeiter. Von 2019 bis Juni dieses Jahres wurden bereits 3350 Mitarbeiter neu eingestellt, darunter 1600 in Wachstumsbereichen wie Netze, erneuerbare Energien, Digitalisierung, kritische Infrastruktur und Elektromobilität. Zum Großteil wurden und werden Mitarbeiter ersetzt, weil sie in den Ruhestand gingen oder gehen. Unter dem Strich baue man in den kommenden Jahren einige Hundert Stellen neu auf, sagte Mastiaux.
In der Corona-Krise gewinnt die EnBW bei den Bewerbern an Attraktivität
Für das aktuelle Ausbildungsjahr habe man zudem 409 Azubis und Studierende im dualen System aufgenommen – „so viele wie seit Jahren nicht mehr“, betonte der EnBW-Chef. „Und wir bilden bedarfsgerecht aus, so dass der Nachwuchs eine sehr gute Chance hat, übernommen zu werden.“ Selbst in den gefragten IT-Berufen habe die EnBW kaum Probleme, geeignete Bewerber zu finden, sagte die Personalvorständin Colette Rückert-Hennen. „Der Konzern steht in Zeiten von Corona stabil und ist ein zukunftssicherer Arbeitgeber, davon profitieren wir auch bei unseren Bewerbungen.“
Die EnBW entwickelt sich unter Mastiaux vom Energieversorger hin zum Dienstleister für Infrastruktur und hat in zahlreiche neue Geschäftsmodelle investiert. Schon jetzt stehe fest, „dass einmal mehr Corona die Notwendigkeit funktionierender Infrastrukturen deutlich gemacht hat. Das zahlt auf viele unserer Geschäfte positiv ein“, sagte Mastiaux. Breitband und E-Mobilität seien auch vom Volumen die größten neuen Geschäftsfelder, gefolgt von der Entwicklung von Stadtquartieren. Die EnBW wolle nie mehr nur auf ein Geschäftsmodell bauen, sagte der 56-Jährige. „Die EnBW kam vor Jahren in Bedrängnis, weil sie finanziell weitestgehend vom Geschäft mit der konventionellen Energieerzeugung abhängig war. Deshalb stellen wir uns heute breiter auf.“
Rund 25 Geflüchtete und Migranten beginnen im September das Integrationsprogramm
Die EnBW zog auch eine Bilanz ihres Integrationsprogramms: Von 2016 bis 2020 begannen mehr als 140 Geflüchtete und Migranten ein einjähriges Training als Vorbereitung für eine technische Ausbildung. 60 von ihnen bewältigten den Kurs und absolvierten oder absolvieren eine technische Ausbildung. Im September beginnen rund 25 Teilnehmer das Integrationsprogramm.