W&W-Chef Alexander Erdland stellt für 2014 ein Rekordergebnis vor Foto: dpa

Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische will die Digitalisierung vorantreiben. Vorreiter im Konzern soll bei dieser Strategie die Wüstenrot Bank werden.

Stuttgart - Der Finanzkonzern Wüstenrot und Württembergische (W&W) ist mit seinem Sparprogramm W&W 2015 schneller vorangekommen als geplant. Jetzt will der Vorstand ein neues Programm bis zum Jahr 2020 auflegen. Damit will das Unternehmen die Digitalisierung vorantreiben. Vorreiter im Konzern soll bei dieser Strategie die Wüstenrot Bank werden.

Erste Schritte auf dem Weg sind bereits zurückgelegt. Die Wüstenrot Bank ermöglicht es Neukunden seit Anfang des Jahres, sich bei der Kontoeröffnung per Video zu legitimieren, sie hat eine Online-Banking-App eingeführt und Prozesse automatisiert etwa für das schnelle Ausstellen von Steuerbescheinigungen.

„Der Kunde hat mehr Einfluss auf die Anbieter als je zuvor“, ist W&W-Chef Alexander Erdland überzeugt. Dies sei ein Ansporn für Finanzdienstleister, ihr ganzes Denken und Funktionieren neu auszurichten. „Wir werden einen Spagat meistern müssen“, so Erdland, „zwischen weiterer Effizienz-Verbesserung, die das fortwährende Zinstief verlangt, sowie verstärkter Kreativität und Innovation zugunsten der Kunden.“

Bis Ende des Jahres soll der weitere strategische Kurs feststehen. Das Programm hat der Vorstand in Anlehnung an den technologischen Wandel W&W@2020 genannt. Am bisherigen Ziel, im Jahr 2015 rund 200 Millionen Euro zu verdienen – langfristig sogar mindestens 220 Millionen nach Steuern – hält der Vorstand fest.

Bis Ende 2015 will W&W rund 800 von ursprünglich 7900 Stellen streichen. 650 Arbeitsplätze seien bereits entfallen, sagte ein Sprecher. Dafür steckte das Unternehmen über drei Jahre lang mehr als 250 Millionen Euro in IT, Prozessverbesserungen und Restrukturierung. Das eigene Rechenzentrum im Bankbereich soll aufgegeben werden.

2014 hat das Unternehmen mit 242 Millionen Euro deutlich besser verdient als im Vorjahr. Das Vorjahresergebnis lag bei knapp 155 Millionen Euro. Das Rekordergebnis beruht auf vielen Faktoren: Höhere Produkterträge, ein konsequentes Kostenmanagement, ein günstiger Schadenverlauf und Sondererträge aus einem Beteiligungsverkauf. Die Gesamtkosten des Konzerns konnten fast auf die Zielmarke von einer Milliarde Euro gesenkt werden.

Die niedrigen Zinsen verteuern die Betriebsrenten für das Unternehmen. „Auch die W&W-Gruppe spürt die höheren Pensionslasten“, sagt ein Unternehmenssprecher. Die Gruppe hat die Aufwendungen dafür 2014 um einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag erhöht.

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