VVS moniert Technik Schiebetritt kostet S-Bahn zu viel Zeit

Von Konstantin Schwarz 

Die neuen S-Bahnen in Stuttgart  haben ein Zeitproblem Foto: Leif Piechowski
Die neuen S-Bahnen in Stuttgart haben ein Zeitproblem Foto: Leif Piechowski

Bis 2017 sollen alle 87 S-Bahnen der neuen Baureihe 430 wieder mit dem zurzeit stillgelegten Schiebetritt fahren. Die Spaltüberbrückung unter den Türen fährt an der Haltestelle aus und ein. Das kostet laut dem Hersteller Bombardier pro Halt bis zu vier Sekunden. Viel zu viel, sagt der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS).

Stuttgart - Bis 2017 sollen alle 87 S-Bahnen der neuen Baureihe 430 wieder mit dem zurzeit stillgelegten Schiebetritt fahren. Die Spaltüberbrückung unter den Türen fährt an der Haltestelle aus und ein. Das kostet laut dem Hersteller Bombardier pro Halt bis zu vier Sekunden. Viel zu viel, sagt der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS).

Selbst wenn alles optimal laufe, werde damit der komplette Zeitpuffer aufgezehrt, sagt VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Auf Linien wie der S 1 oder S 2 mit 25 oder 27 Zwischenhalten frisst der Schiebetritt bis zu 100 Sekunden. Die neuen Züge benötigen aber allein schon wegen ihrer Türautomatik gegenüber der abgelösten Baureihe 420 viel mehr Zeit.

Bombardier müht sich aktuell, die Wartezeit vom Stillstand des Zuges bis zur Türöffnung zu kürzen. „Nach Durchführung der Änderung wird die technische Dauer um bis 2,0 Sekunden reduziert“, so der Hersteller. 2017 würde man mit Schiebetritt auf den alten Stand zurückfallen. Das dürfe nicht sein, sagt Hachenberger: „Wir haben den Ärger, weil die Kunden Anschlüsse zu Nebenbahnen und Bussen verpassen.“ Auch im Juli lieferte die S-Bahn schlechte Pünktlichkeitswerte. DB Regio als Betreiber der Bahn und der Verband Region Stuttgart (VRS) als Besteller müssten sich die Frage stellen, ob es dann Sinn mache, den Schiebetritt wirklich überall auszufahren, so Hachenberger.

Mit dem beweglichen Aluminiumtritt wollte der VRS für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste ein neues Zeitalter einläuten. Aktuell entwickelt sich die Konstruktion aber zur Stolperfalle, denn der Einstieg in die Züge liegt eben wegen des Tritts sechs Zentimeter höher als bei den alten Wagen.

In Stuttgart, vor allem aber draußen in der Region, wo 28 Bahnsteige noch 20 Zentimeter unter dem Stuttgarter Niveau liegen, wird die Hürde in die Züge für Menschen mit Handicap jetzt fast unüberwindbar. Ob die Mechanik ab Januar 2017 funktioniert, ist unklar. Mit einem Klimakammertest solle eine praktische Erprobung auch unter Winterbedingungen erfolgen, sagt das Eisenbahn-Bundesamt (Eba). Die Zulassung der Züge gelte uneingeschränkt, sie verliere durch die Deaktivierung des Tritts nicht ihre Gültigkeit, so eine Eba-Sprecherin.

Könnte man auf den Tritt auch weiterhin verzichten? Ursprünglich sollte er an jedem Halt ausgefahren werden. „Unsere Überlegungen, ob überall oder nur an bestimmten Stellen, sind noch nicht finalisiert“, sagt ein Bahn-Sprecher. Erst müsse feststehen, dass die Technik funktioniere und „wie viel Zeit sie braucht“. Ein Ausbau des Tritts und damit die Rückkehr zur alten, niedrigeren Einstiegshöhe ist übrigens aus Stabilitätsgründen wohl nicht möglich. Die 470 Millionen Euro teure Flotte rollt damit auf einen Zielkonflikt zu: Zählt vermeintliche Komfortverbesserung mehr als Pünktlichkeit?

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