Lenuta Vinketa mit ihrem Sohn, der künftig alleine den Bus nimmt. Foto: Werner Kuhnle

Dank einer Initiative der VVS können Eltern und Kinder in der Region den Schulweg mit dem ÖPNV vor Schulanfang schon mal kostenlos üben.

Wenn Busfahrerin Lenuta Vinketa morgens die Realschule im Aurain in Bietigheim ansteuert, kommt es immer wieder vor, dass die Straße von Autos versperrt ist: Eltern-Taxis. Dabei gibt es eine sichere Alternative: den Bus. Um mehr Eltern und ihren Kindern Mut zu machen, diesen auch zu nutzen, hat der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) eine neue Initiative gestartet: Das VVS-ElternKindTicket, mit dem Eltern und Kinder vor Schulanfang kostenlos schon mal den Schulweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln üben können.

 

Wenn bei einer Schule mit 1000 Schülerinnen und Schülern jedes dritte Kind mit dem eigenen Auto gebracht wird, seien das schon gut 300 Fahrzeuge. „Vielerorts ist das ein Problem. Vor den Schulen entsteht Stau, der für vermeidbaren Stress bei Eltern, Kindern und Lehrern sorgt. Während in einem Pkw meistens ein bis zwei Kinder sitzen, hat der Bus Platz für 100 Personen“, sagt Tobias Hähnle, Verkehrsplaner beim kommunalen Busunternehmen Spillmann in Bietigheim-Bissingen. Derzeit befördert das Unternehmen täglich rund 10 000 Personen, davon um die 3000 Schülerinnen und Schüler. „Da ist noch viel Luft nach oben“, so Hähnle.

Den Übergang auf die weiterführende Schule erleichtern

Um den Kindern mehr Sicherheit im Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu geben, bietet Spielmann schon seit Jahren Bustrainings in Kooperation mit der Polizei an. Eine Schulstunde kommen Polizisten ins Klassenzimmer, anschließend wird an der Haltestelle geübt. Zusätzlich können Kinder seit diesem Jahr entweder mit einem oder beiden Elternteilen an einem Tag ihrer Wahl bis zum 8. September einmalig kostenlos vom Wohnort zur Schule und zurück mit dem ÖPNV fahren. Das Ticket haben alle Viertklässler am Ende des Schuljahres erhalten. „Mit dem ElternKindTicket möchten wir den Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule erleichtern“, so ein Sprecher der VVS. 20 000 Tickets seien bereits eingelöst worden, ein guter Start.

Oft sei es das erste Mal, dass die Neun- bis Zehnjährigen regelmäßig Bahnen oder Busse nutzten, ergänzt Tobias Hähnle. So wie Lenuta Vinketas Sohn Jérôme-Lyon, der ab nächstem Schuljahr die fünfte Klasse besucht. Zukünftig wird er von ihrem Wohnort Kleinsachsenheim nach Großsachsenheim, wo sich seine neue Schule befindet, mit dem Bus fahren. „Das Ticket kommt für uns genau zur richtigen Zeit“, sagt Vinketa. „Bei einer gemeinsamen Probefahrt konnte ich ihm alles beibringen und seine Fragen direkt beantworten“, sagt sie. Bedenken, ihn alleine loszuschicken, hat sie nicht. „Das eigenständige Busfahren stärkt die Selbstständigkeit. Außerdem sind öffentliche Verkehrsmittel bequem, sicher und ökologisch.“

Darauf sollten Eltern bei der Probefahrt achten

Wichtig ist, dass man dem Nachwuchs die wichtigsten Regeln beibringt:

  • Abstand zur Bordsteinkante halten.
  • Ohne Drängeln anstellen.
  • Bevor man selbst einsteigt, sollte man erst die anderen Fahrgäste aussteigen lassen.
  • Türen freilassen, damit die Anderen bequem ein- und aussteigen können.
  • Beim Aussteigen: Warten, bis der Bus abgefahren ist, um die Straßenseite zu wechseln - denn Autofahrer können Personen vor und hinter dem Bus nicht sehen.

Vinketa hofft, dass zukünftig mehr Eltern ihre Kinder mit dem ÖPNV losschicken, wie sie auch. Mit dem Schüler-Deutschlandticket können Schülerinnen und Schüler übrigens für 30 Euro im Monat deutschlandweit alle Nahverkehrsmittel nutzen.