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Ronaldo „hasst die Vuvuzela“ – VfB-Profi Osorio erklärt  Abwehrfehler mit dem Lärm.

Johannesburg - Die Proteste reißen nicht ab. Fußballer, Trainer und Fans laufen Sturm gegen den ohrenbetäubenden Lärm der Krachmacher in den WM-Stadien. Sie fordern ein Vuvuzela-Verbot. Doch Fifa-Chef Sepp Blatter lässt alle ins Leere rennen. Der Schweizer lässt weiter blasen.

Es ist nicht überliefert, ob in Bad Salzuflen am Sonntag der Notstand ausgebrochen ist. Aber alleine die Ankündigung des ortsansässigen Posaunenchors soll manchen braven Bürger in die Flucht getrieben haben. Die Blasmusiker intonierten ihre Stücke nicht per Blech, sondern schmetterten ihre Fanfaren mit der Vuvuzela. Es soll recht harmonisch geklungen haben - womit die Posaunenmusiker ihrem Ziel sehr nahe gekommen sind. Sie wollten zeigen, dass eine Vuvuzela auch schöne Töne erzeugen kann. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Aber so weit will Fifa-Präsident Joseph "Sepp" Blatter gar nicht gehen. Für ihn ist die Plastik-Tröte ohnehin sakrosankt. Unantastbar. Bei ihm stößt der Protest auf taube Ohren. "Ich kann mir nicht vorstellen, eine Musik-Tradition von Fans in ihrer Heimat zu verbieten. Würden Sie ein Verbot von Fan-Traditionen in Ihrem Land wollen?", twitterte der Präsident des Weltfußball-Verbandes am Montag. Schon am Eröffnungswochenende konterte er die Kritik der Fernsehanstalten, der Spieler und TV-Zuschauer mit den Worten: "Ich habe immer gesagt, dass Afrika einen anderen Rhythmus und Sound hat. Sie gehören einfach dazu." Rückendeckung bekam Blatter von DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Das Turnier findet nun mal in Südafrika statt, da muss man die Gepflogenheiten im Stadion akzeptieren und sich anpassen. Hier gehören die Vuvuzelas zum Spiel wie in Deutschland die Schlachtgesänge der Fans."

b>Cristiano Ronaldo klettert auf die Barrikaden

Doch damit wollen sich viele nicht abfinden. Auch Portugals Star Cristiano Ronaldo klettert auf die Barrikaden: "Sorry", sagt er, "aber ich hasse diese Vuvuzelas, sie irritieren mich." Ihm schließen sich Kicker aus vielen Nationen an: Lionel Messi (Argentinien), Patrice Evra (Frankreich) oder Ricardo Osorio (Mexiko). Der VfB-Profi erklärte sogar die Abwehrfehler im Spiel gegen Südafrika mit dem Dauerton: "Weil der Lärm der Vuvuzelas so groß war, bekamen wir Probleme. Wir hörten unsere Kommandos nicht mehr. Der Lärm im Aztekenstadion ist nichts dagegen."

Osorio und seine Kollegen müssen wahrscheinlich - wie Bundestrainer Joachim Löw - auf Handzeichen umstellen. Denn die Gastgeber denken gar nicht daran, die Tröte zu Hause zu lassen. Im Gegenteil: Der globale Protest schürt eher den Trotz der Südafrikaner. "Wir appellieren an die südafrikanischen Fans, gegen Uruguay noch mehr Vuvuzelas mitzubringen. Je lauter, desto besser für uns", sagte Itumeleng Khune, Nationaltorhüter des WM-Gastgebers. Auch das Boulevard-Blatt "Sowetan" ging auf Kampflinie und ließ zahlreiche empörte Leser zu Wort kommen: "Hände weg von unseren Vuvuzelas! Das hier ist Afrika, das ist unsere WM!" Die Tageszeitung "Star" verteidigte die WM-Tröte mit der Botschaft: "Die Vuvuzela ist das einzige Geräusch, das man auch im Weltraum hören kann."

Prompt gab es aus dem Organisationskomitee versöhnliche Töne auf das Getöse. Nachdem OK-Präsident Danny Jordaan in einem Interview mit der BBC noch vollmundig angekündigt hatte: "I will ban Vuvuzela" - Ich werde die Vuvuzela verbannen, ruderte OK-Sprecher Rich Mkhon am Montag zurück: "Wir haben immer gesagt, dass die Vuvuzelas die WM charakterisieren. Dabei bleiben wir. Vuvuzelas werden nicht verboten."

Und jetzt? Vielen, die sich im Stadion genervt fühlen, bleibt wohl nur eines: Trübsal blasen. Aber für alle Fernsehzuschauer gibt es Hoffnung. Ein Berliner Hobbymusiker behauptet, das Dauer-Getröte aus dem Fernsehsignal herausfiltern zu können. Per Computer will Tobias Herre den Ton der Plastikhörner - ein Ais - verbannen. "Ich war sehr genervt von dem Tuten. Und eigentlich ist es ganz einfach", sagt er. Mit einer speziellen Software sei es möglich, die entsprechenden Frequenzen des Vuvuzela-Tons herauszunehmen. Man höre! Und staune!

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