Viele Touristen sehen das „Abflug“-Schild im Flughafen von Denpasar auf Bali mit Sehnsucht. Foto: dpa

Auf Bali hat sich die Situation etwas entspannt. Aber der Vulkan kann jederzeit ausbrechen. Eine Katastrophe – auch für den Tourismus. Manche Urlauber orientieren sich an den Balinesen.

Denpasar - Eine schwarz-rot-goldene Flagge weist den Verzweifelten den Weg. „Können Sie uns helfen, unser Flug wurde storniert?“ fragt ein deutsches Urlauberpaar und ist den Tränen nahe. Von der chinesischen Airline sei niemand zu erreichen und am liebsten wollten sie Bali so schnell wie möglich verlassen. In der Eingangshalle des Flughafens von Denpasar stehen an diesem Freitagmorgen zwei lange Tischreihen mit rund zwei Dutzend verschiedenen Flaggen, auch das deutsche Honorarkonsulat hat eine Anlaufstelle eingerichtet. Eine Art Erste-Hilfe-Zentrum für gestrandete Urlauber, die viele Fragen haben. Wie lange ist ein indonesisches Visum gültig? Ist es sinnvoll, sich beim Auswärtigen Amt zu registrieren? Und: Bricht der Vulkan Mount Agung nun aus oder nicht?

Der große Trubel während der zweieinhalbtägigen Sperrung des Flughafens hat sich wieder gelegt. Da der Wind die Aschewolke des Vulkans in eine andere Richtung bläst, konnten die Flugzeuge wieder starten und Zehntausende Urlauber ihre Heimreise antreten. „Noch läuft es nicht ganz rund“, sagt die Konsularangestellte mit der orangefarbenen Sicherheitsweste und dem freundlichen Lächeln, aber der Rückstau bei den Fluglinien werde allmählich abgearbeitet. Doch holpert es gehörig. Gerade erst sei eine ältere Dame auf den letzten Drücker über ihren umgebuchten Heimflug nach Deutschland informiert worden, erzählt die Konsularbeamtin. Sie hetzte an den Flughafen nach Denpasar – und kam zu spät. „Sie müssen Geduld haben“, lautet ihr Rat an die Urlauber, „auch wenn es manchmal Nerven kostet.“

Es gibt Vulkanrabatt in den Unterkünften

Vorbei ist es dieser Tage mit dem Urlaubsparadies auf Bali, die Touristenzahlen brechen ein, die Hotels haben vor lauter Stornierungen ihre Preise drastisch gesenkt. Es gibt Vulkanrabatt in den Unterkünften, Urlauber dürfen zu Sonderkonditionen verlängern. Dabei ist der Tourismus Balis Haupteinnahmequelle. Von den rund zwölf Millionen Urlaubern, die Indonesien bereisen, flogen 2016 fast fünf Millionen nach Bali, ein Rekord.

„So leer wie jetzt war es seit Jahren nicht mehr“, sagt John Halpin, Manager des luxuriösen Hotels Oberoi in Seminyak, und nippt im Restaurant der Anlage an seinem Kokosnussdrink. Am Pool werden traditionelle Tänze aufgeführt, zwei Pärchen schauen dabei zu. Von den 74 Villas und Appartements auf dem Gelände sind gerade mal 25 belegt. Er habe etliche Mitarbeiter in den Urlaub geschickt, sagt Halpin und hofft Personalabbau vermeiden zu können. Drastisch sei vor allem der Ausblick Richtung Jahresende. „Normalerweise sind wir an Weihnachten und Silvester komplett ausgebucht“, sagt Haplin, „doch dieses Jahr ist alles anders.“

Das Krisenmanagement der Behörden funktioniere bestens, lobt der Hotelmanager

Nur wenige Strandkilometer weiter liegt das Alila-Hotel, viel Glas, jede Menge Pools und ein japanisches Restaurant, das Gourmets verzückt. „Wir sind so gut es geht vorbereitet auf einen möglichen Ausbruch des Vulkans“, sagt Hotelchef Pierre Lang, geboren in Eisenach, zuhause auf Bali. Tausend Atemschutzmasken lägen bereit, die Reis- und Wasservorräte seien vorsichtshalber aufgestockt und das Personal darüber geschult worden, wie eine mögliche Evakuierungen ablaufen könnte. „Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Aschewolke bis in den Süden kommt“, sagt Lang, dennoch habe man vorgesorgt. Sogar Regenjacken gibt es für die Gäste, die könnten sie sich überziehen, um die Haut vor der Asche zu schützen. Auch das Krisenmanagement der Behörden funktioniere bestens, lobt der Hotelmanager. Beim Thema Sicherheit hätten die Bombenanschlägen in der balinesischen Touristenmetropole Kuta 2002 die Wende gebracht.

Die Ungewissheit ist es, die den Hoteliers, aber auch den Gästen zusetzt. „Der Flughafen könnte jederzeit wieder geschlossen werden.“, sagt Lang und hofft, dass sich die Lage in die eine oder andere Richtung wieder entspannt. „Zu spekulieren hilft nicht“, sagt der Manager und fühlt sich im Süden der Insel ausgesprochen sicher. Da sei die Wahrnehmung in Europa durchaus etwas verzerrt.

Der Ausläufer eines Taifuns hat das halbe Hotel unter Wasser gesetzt

Es sind die Nachrichten von Zuhause, die Christoph Heinemann am meisten umtreiben. „Bist du in Gefahr?“, „Was macht die Aschewolke?“, „Brichst du deine Rucksacktour ab?“ Der Hamburger, der tropischen Sommer mitten im deutschen Winter gebucht hat, denkt nicht daran, früher abzureisen. „Der Regen hat meine Urlaubsplanung mehr beeinflusst, als der mögliche Ausbruch des Vulkans“, sagt der 29-Jährige und kuschelt sich in die Sofalandschaft eines Luxushotels in Seminyak. Am Strand weht eine rote Flagge, vom Baden wird abgeraten. Der Ausläufer eines Taifuns hat nur Stunden zuvor das halbe Hotel unter Wasser gesetzt, es tropft noch immer aus den Decken, zentimeterhoch stand der Regen in den Hotelfluren, „Vorsicht rutschig“, warnen Schilder in der Lobby.

Sein Vorbild seien die Einheimischen, sagt Heinemann und schaut sich die Ruhe von den Balinesen ab. Ohne Zerstörung gebe es keinen Anfang, alles sei zyklisch, alles vorherbestimmt. „So ein Vulkanausbruch ist etwas ganz normales in Indonesien“, sagt der Hamburger und hat entschieden, noch ein paar Tage auf Bali zu bleiben. Die Atemschutzmaske hat er in den Rucksack gepackt. Den Regen nutzt er, um detailliert seine weitere Reise zu planen. Java kann er sich gut vorstellen, eine Wanderung hinauf auf den Mount Bromo, Sonnenaufgang am Vulkankrater.

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